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Bürgermeister-Wahl
Letzte Runde mit den fünf Kandidaten

Fünf Kandidaten bewerben sich für das Bürgermeisteramt in Forst und den Einzug ins Rathaus.
Fünf Kandidaten bewerben sich für das Bürgermeisteramt in Forst und den Einzug ins Rathaus. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Forst. Beim Wahlforum von „LR vor Ort“ am 17. April bietet sich die letzte Chance vor der Bürgermeisterwahl, den Bewerbern Fragen zu stellen.

Vier Bewerber und eine Bewerberin wollen in Forst Bürgermeister werden. Wer für die kommenden acht Jahre die Geschicke der Rosenstadt lenkt, bestimmen die Bürger am 22. April. Die Entscheidung fällt aber wahrscheinlich erst in der Stichwahl am 6. Mai. Denn gewählt ist nur, wer über die Hälfte der Stimmen auf sich vereinen kann.

Wer der richtige Kandidat ist, muss jeder Wähler für sich herausfinden. Jens Graf, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, hält soziale Kompetenzen und die Fähigkeit, mit Menschen zu kommunizieren, für bedeutsamer als Verwaltungswissen, das man bei Seminaren erwerben kann. Um dies einzuschätzen, eignen sich Gespräche mit den Bewerbern. Die RUNDSCHAU lädt deshalb alle Kandidaten zu einem Wahlforum ein. Schon zuvor haben alle fünf Bewerber unter anderem Fragen zu ihrer persönlichen Motivation und politischer Erfahrung beantwortet.

Simone Taubenek (parteilos) ist die einzige Frau unter den Kandidaten. Ihr Plan sei es, „für die Stadt und für die Bürger etwas zu bewegen“, sagt sie. „Die Bürgermeisterin muss eine Allrounderin sein“, so Simone Taubenek. „Repräsentantin, Chefin der Verwaltung, Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, Visionärin, aber auch Realistin.“ Führungserfahrung bringt die 52-jährige Taubenek mit. Seit 23 Jahren arbeitet die Volljuristin bei der brandenburgischen Polizei ausschließlich in Führungspositionen. Ein Beruf, in dem neben der Anleitung von Mitarbeitern bei Einsätzen auch Menschenkenntnis und Bauchgefühl zwingend erforderlich seien, schätzt sie ein. Im Rahmen dieser Tätigkeit habe sie mit Landräten, Bürgermeistern und Stadtverordneten zusammengearbeitet. Darüber hinaus engagiert sich Simone Taubenek als Elternsprecherin in den Schulen ihrer beiden Söhne und war ehrenamtlich beim PSV Cottbus aktiv.

Die meiste Erfahrung in der Kommunalpolitik kann Ingo Paeschke (Die Linke) vorweisen. Seit 20 Jahren ist er Stadtverordneter in Forst und seit über zehn Jahren Kreistagsabgeordneter. Zum dritten Mal tritt der 56-Jährige bei einer Bürgermeisterwahl in Forst an. So fasst er die Aufgaben eines Bürgermeisters zusammen: „Er muss die Stadt öffentlich vertreten, Ansprechpartner der Bürgerinnen und Bürger sein und die Stadtentwicklung in allen Bereichen aktiv vorantreiben.“ Nötig sei es, Investitions- und Finanzentscheidungen mit der Verwaltung fachlich vorzubereiten und mit der SVV zusammenzuarbeiten, so Paeschke. Entsprechende Führungserfahrung könne er als Berufssoldat und 17 Jahren als Fraktionsvorsitzender in der SVV vorweisen.

Helge Bayer (CDU) ist ebenfalls Kommunalpolitiker. Zuerst als sachkundiger Einwohner und seit 2015 als Stadtverordneter habe er sich für die Bürger eingesetzt und Ideen eingebracht, erläutert er. „Forst ist meine Heimatstadt. Hier lebe ich mit meiner Familie gern“, sagt der 49-Jährige. Als Rechtsanwalt habe er bereits Unternehmen bei der Personalpolitik, -planung und -organisation beraten, war Vorstandsmitglied eines sozialen Vereins und ist aktuell in einem Unternehmen mit 40 Angestellten mit der Personalpolitik betraut. „Der Bürgermeister ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Bürger, Stadtverordneten und Verwaltung“, so Bayer. Ein Bürgermeister sollte ein Gespür für das Notwendige und Wesentliche haben, aber auch fähig sein, auf alle zuzugehen.

Familiär sehr eng mit Forst verbunden ist Thomas Engwicht (parteilos). Der 40-jährige Gärtnermeister leitet das Familienunternehmen, das sein Urgroßvater Paul Engwicht gründete, der maßgeblichen Anteil am Aufbau des Ostdeutschen Rosengartens hatte. „Ich schaue zuversichtlich in die Zukunft“, sagt Thomas Engwicht. Er sei belastbar und sehe mit dem Amt des Bürgermeisters die Chance, noch größere Verantwortung für seine Heimatstadt zu übernehmen. Mit den Erfahrungen als Unternehmer sieht er sich gewappnet, als Bürgermeister bedacht und konsequent zu handeln, Risiken abzuwägen und neue Wege zu beschreiten. Bisher habe er die politische Entwicklung als Beobachter verfolgt: „Ich sehe es als Vorteil, ohne Vorbehalte mit allen Parteien und Fraktionen über Sachthemen verhandeln zu können.“

Aimo Bartel (parteilos) ist den Forstern vor allem vom Historienspektakel Johannes Gaudium bekannt. Der 54-Jährige sagt selbst, dass er bisher kein Interesse hatte, in politischen Gremien und Parteien mitzuarbeiten. Als Bürgermeister sieht er sich „als treibenden Keil und Macher zwischen den Stadtverordneten, der Stadtverwaltung sowie der Bürgerschaft“. Beruflich habe er durch leitende Funktionen Umgang mit Menschen gehabt und Erfahrung beim Führen, Begeistern und Organisieren bekommen. Aimo Bartel gibt zu, kein typischer Verwaltungsmensch zu sein. Grundsätzlich sei er jedoch lernfähig.

Die Bürgermeisterwahl in Forst ist notwendig geworden, da der bisherige Bürgermeister Philipp Wesemann (SPD) im November 2017 seinen Stuhl geräumt hatte. Anlass war ein Antrag der Linken-Fraktion gewesen, ein Abwahlverfahren in Form eines Bürgerentscheids einzuleiten. Wesemann hatte auf die Entscheidung durch Bürgerentscheid verzichtet und war zurückgetreten. Vorangegangen war eine lange Krankheit Wesemanns.