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| 18:45 Uhr

Bildung
Lernen im Internet oder mit Buch

Forst. Eine konkretes Online-Portal zur Prüfungsvorbereitung empfehlen nicht alle Gymnasien. Von Katrin Kunipatz

Eine Schule, die zur Prüfungsvorbereitung den eigenen Schülern ein Online-Portal empfiehlt? Ein Armutszeugnis findet ein anonym bleibender Leser, dessen Kind das Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium in Forst besucht. „Die Schule gibt quasi zu, ihre Schüler nicht adäquat auf Prüfungen vorzubereiten“, argumentiert er. Schulleiter Thomas Röger überrascht diese Beschwerde. Seit fünf Jahren erhalten die Schüler der 7. und 10. Klasse zum Schuljahresbeginn den Hinweis auf ein konkretes Online-Lernportal. In dem Brief – der den Vater erzürnt – werde ein Sonderpreis benannt, den die Schule nur erhalte, wenn sich ein „höherer Anteil“ der Schüler anmelde.

Bei der vom Forster Gymnasium empfohlenen Plattform handelt es sich um das Online-Portal SchulLV. Es bietet Lernvideos und Skripte zum Schulstoff und für die Fächer Mathe, Deutsch und Englisch Prüfungsaufgaben mit Lösungshilfen. Dank der Schullizenz koste der Zugang 30 oder 40 Euro, für zwei oder drei Schuljahre. Die Abwicklung erfolge über die Mathelehrer, die das Geld einsammeln und die Zugangscodes ausgeben. Aber die Schule trete nur als Vermittler auf, versichert Röger. Weder Schule noch Lehrer hätten Vorteile davon.

Grundsätzlich sei das Online-Portal als Ergänzung gedacht, so der Schulleiter. Zu allererst vermitteln am Forster Gymnasium Lehrer den Lernstoff und das Wissen für Prüfungen. Lehrbücher sind immer noch ein typisches Lernmittel. „Aber manche Schüler wollen für die Prüfungsvorbereitung zusätzliche Aufgaben haben“, sagt Schulleiter Thomas Röger. In diesem Fall sei es Aufgabe der Schule, die verschiedenen Möglichkeiten darzulegen und eine Bewertung abzugeben.

Im Fall der Online-Lernportale hat sich die Fachkonferenz verschiedene Anbieter angesehen, die verwendeten Materialien und vor allem die Lösungswege aus pädagogischer Sicht beurteilt. Das empfohlene Portal habe sich dabei als geeignetes und günstiges Angebot herauskristallisiert. Der Leiter des Forster Gymnasiums betont, dass er alles mit der Rechtsabteilung des staatlichen Schulamts abgesprochen habe. „Hätte es keine Zustimmung geben, hätten wir es gelassen“, sagt er.

Gerald Boese, Leiter des staatlichen Schulamts in Cottbus, bestätigt, dass Empfehlungen für konkrete Lernportale nur ausgesprochen werden dürfen, wenn Fachkonferenzen die Anbieter nach pädagogischen und wirtschaftlichen Aspekten beurteilen. Letztlich sei es einfacher, wenn Schüler mit dem gleichen Portal arbeiten, so Boese. Bei der bundesweit großen Zahl von Anbietern hält er es für richtig, wenn die Schulen Eltern bei der Auswahl eine Hilfestellung geben.

Das Erwin-Strittmatter-Gymnasium Spremberg wählt einen ähnlichen Weg, wie die Forster Schule. „Wir informieren unsere Schüler am Ende der Klasse 9 über die Möglichkeit, einen Zugang bei SchulLV zu erwerben“, teilt Schulleiterin Odette Urban mit. Dies sei eine Empfehlung, keine Verpflichtung, betont sie. Entscheiden sich die Schüler für einen Zugang, schließen sie diesen Vertrag eigenständig ab. Darüber hinaus liege es im Ermessen der einzelnen Fachschaften geeignete Bücher, Hefte oder Online-Material zur Vorbereitung auf die Prüfungen in Klasse 10 oder 12 zu empfehlen, so die Schulleiterin. Eine Verpflichtung zum Kauf gäbe es auch in diesen Fällen nicht.

Das Gymnasium in Guben verzichtet auf Hinweise zu Online-Lernportalen. Schulleiterin Stefanie Kletzke erläutert, dass die Schüler mit Lehrwerken, Büchern und Heften auf die Prüfungen vorbereitet werden. Darunter seien auch alte Abiturprüfungen, wie sie Verlage zur Verfügung stellen. Diese Aufgaben erhalten die Schüler, um sie zu lösen. Die Auswertung erfolgt wiederum in der Schule im Rahmen des Unterrichts.