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Leben und Sterben jüdischer Familien in der Niederlausitz

Im Textilmuseum Forst wird am kommenden Freitag die Sonderausstellung „Gestern sind wir gut hier angekommen“ eröffnet. Sie dokumentiert das jüdische Leben in der Niederlausitz. Auf 25 Tafeln, mit Fotos und Exponaten, werden Lebenswege jüdischer Familien nachgezeichnet. Gleichzeitig wird eine Ausstellung zu jüdischem Leben in Forst gezeigt, die 1988 von der evangelischen Kirchengemeinde in Forst entworfen wurde und 1989 in der Bonhoeffer-Kapelle zu sehen war. Mittlerweile ist diese kleine Ausstellung selbst ein Dokument der Zeitgeschichte. Von Jürgen Scholz

Die in Finsterwalde entstandene Wanderausstellung geht hingegen auf die Geschichte der Juden in der gesamten Niederlausitz ein, die im 13. Jahrhundert mit der Entwicklung der ersten Städte begonnen hat. Damals ließen sich auch jüdische Händler nieder, vorausgesetzt, sie hatten gegen Gebühren einen Schutzbrief des Markgrafen von Brandenburg erworben. Im Laufe der Jahrhunderte waren die jüdischen Familien immer wieder den Anfeindungen der Bevölkerung und der christlichen Kirche ausgesetzt. Die Schau gibt Einblicke in den gesellschaftlichen Aufstieg bis hin zur Vertreibung, Deportation und Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten.
Erarbeitet wurde die Wanderausstellung durch das Kreismuseum Finsterwalde, dessen Leiter Dr. Rainer Ernst bei der Eröffnung in Forst eine Einführung geben wird. Den Titel „Gestern sind wir hier gut angekommen“ erhielt die Ausstellung durch die Geschichte des 15-jährigen Juden Ernst Loewy. In Vorbereitung auf die Auswanderung erlernte er in einem jüdischen Bildungslager in Schniebinchen im früheren Kreis Sorau 1935 landwirtschaftliche Tätigkeiten, um eine Aufnahmegenehmigung in Palästina zu erhalten. „Gestern sind wir gut hier angekommen“ schrieb er an seine Eltern in Krefeld, nachdem er Schniebinchen erreicht hatte.
Aufgeschlüsselt nach Städten wie Forst, Finsterwalde, Guben, Lübben und Cottbus dokumentieren die Schautafeln, wie jüdische Familien seit dem 19. Jahrhundert das gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben mitbestimmten und wie dieser Prozess ab dem Jahr 1933 brutal beendet wurde. Die Ereignisse in der sogenannten „Reichskristallnacht“ 1938 werden in der Ausstellung vor allem aus Sicht der Forster Synagogengemeinde gezeigt. Und deren Folgen: Unter Druck und Strafandrohung willigten viele Juden schriftlich ein, ihren Besitz zu „arisieren“ und das Land zu verlassen. Der „Arisierung“ eines ganzen Konzerns, der Ilse-Bergbau-Aktiengesellschaft, wird in der Ausstellung zudem eine eigene Schautafel gewidmet.
Großformatige Fotos von Herbert Sonnenfeld, die zum Bestand des Jüdischen Museums Berlin gehören, bilden das Leben und die Arbeit auf dem Ausbildungsgut „Hachschara“ in Schniebinchen und Jessen ab, wo bis 1941 jüdische Jugendliche, wie Ernst Loewy, auf ihre Ausreise nach Palästina vorbereitet wurden. Nur scheinbar „glückliche Inseln“ inmitten von antisemitischer Gewalt und drohender Vernichtung. Im Spree-Neiße-Kreis ist die Geschichte jüdischen Lebens in den Städten Forst und Guben bislang am intensivsten aufgearbeitet worden. Im Zusammenhang mit der Ausstellung ist die umfangreiche schriftliche Dokumentation mit dem Titel „Gestern sind wir hier gut angekommen“ entstanden.

Service Jüdisches Leben
 Die Ausstellung wird am Freitag, 30. März, um 19.30 Uhr eröffnet und bleibt bis zum 17. Juni im Brandenburgischen Textilmuseum in Forst. Informationen gibt es telefonisch unter 03562 97356. Die Einführung wird am Freitag durch Ausstellungsmacher Dr. Rainer Ernst vom Kreismuseum Finsterwalde erfolgen.