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| 02:34 Uhr

Lausitz Klinik setzt auf Altersmedizin

Die Lausitz Klinik Forst.
Die Lausitz Klinik Forst. FOTO: Beate Möschl
Seit dem 1. März führt Hans-Ulrich Schmidt (49) die Lausitz Klinik Forst. Der gebürtige Hesse ist gelernter Krankenpfleger und Gesundheitsökonom. Die RUNDSCHAU sprach mit ihm darüber, was Patienten nun erwartet.

Herr Schmidt, wie haben Sie das Krankenhaus vorgefunden?
Es ist ein sehr gepflegtes Haus, das aktuell durch Investitionen in die Bettenstation der Chirurgie weiter modernisiert wird. Es gibt viele sehr gute, motivierte und qualifizierte Mitarbeiter hier im Haus, Leistungsfähigkeit und auch Leistungswillen, eine gute Versorgung zu gewährleisten. Insofern habe ich einen sehr guten Eindruck von dem Haus.

Sehen Sie es auch mit genügend Personal ausgestattet?
Beim Pflegepersonal ja. Bei der ärztlichen Versorgung ist das Problem des Hauses immer die Nachbesetzung von Facharztstellen. Seitdem der Verbund mit Potsdam da ist, sind wir hier auf einem sehr guten Weg.

Wie sieht das konkret aus?
Wir stellen zum 1. April einen neuen Facharzt für allgemeine Viszeralchirurgie ein, das ist die Bauchchirurgie. Zum 1. Oktober bekommen wir einen zusätzlichen Facharzt für Unfallchirurgie mit D-Arzt-Zulassung. Die Zusammenarbeit zwischen Florian Kühnel und Mike Bereuter, den Chefärzten Unfallchirurgie und Allgemeinchirurgie, läuft hervorragend. So sind wir in der Chirurgie bestens aufgestellt.

Und in anderen Fachbereichen?
Im Bereich der Urologie sind wir traditionell gut aufgestellt mit Fachärzten. Im Bereich der Inneren Medizin haben wir durch die Neubesetzung der Chefarztstelle mit Frau Heike Marquaß aus Cottbus eine gute Internistin bekommen, die auch über die Zusatzbezeichnung "Lungenerkrankung" verfügt. Im Bereich der Geriatrie ist es uns gelungen, zum 1. Mai 2016 einen neuen Chefarzt zu binden, der über viele Zusatzqualifikationen verfügt, darunter Palliativmedizin und Rehabilitationsmedizin.

Das Forster Krankenhaus verfügt bereits über gute Erfahrungen in der Altersmedizin, der Geriatrie. Wie wird das Potenzial genutzt?
Die Geriatrie ist mit das wichtigste Zukunftsfach, das wir hier haben. Wir nehmen die sich abzeichnende demografische Entwicklung bundesweit und speziell in der Lausitz als Chance und nicht als Krise. Wir nutzen die Stärken der kommunalen Klinikgruppe Ernst von Bergmann, um das lokale Profil der Lausitz Klinik zu stärken.

Was heißt das?
Wir sehen die Perspektive des Krankenhauses in der Entwicklung zu einem "Zentrum für Altersmedizin". Was eine Modernisierung der Geburtsstation nicht ausschließt, auch nicht die Weiterentwicklung des Hebammennetzwerkes. Wir schauen sowohl auf die Älteren als auch auf die Geburtshilfe und freuen uns über jeden Forster, der hier das Licht der Welt erblickt, auch wenn er nicht direkt aus Forst kommt.

Wie wollen Sie älter werdende Patienten überzeugen, auf das Forster Krankenhaus zu setzen?
Unser Ziel ist, in einer engen Vernetzung aller Berufsgruppen, Klinikbereiche und begleitenden Dienste den Patienten, der in die Geriatrie kommt, medizinisch und rehabilitativ so umfassend und ganzheitlich zu betrachten und zu behandeln, dass er möglichst selbstständig wieder in sein häusliches Umfeld entlassen werden kann. Aber ich brauche dafür nicht nur die Geriatrie. Ich brauche auch die Alterstraumatologie und die Inkontinenzchirurgie, um ein wirklich umfassendes Angebot für ältere Mitbürger anbieten zu können. Deswegen ist die Vernetzung und fachliche Qualifizierung wirklich ganz wichtig. Wir wollen niemandem etwas wegnehmen. Im Gegenteil, wir wollen Partner ins Boot holen und so auch die ambulante Versorgung stärken.

Mehr Hausärzte nach Forst holen, das grenzte an ein Wunder. Wie wollen Sie das bewerkstelligen?
Es gibt offene freie Sitze für Hausärzte, für die sich keine Bewerber finden. Deswegen freue ich mich, dass unsere Chefärztin der Notaufnahme, Frau Irina Keiner, jetzt auch mit einer halben Stelle die Hausärzteversorgung in Forst sichern hilft. Wir möchten in Abstimmung mit der Kassenärztlichen Vereinigung weitere Angebote entwickeln, die in die Region passen, und trotz "Landflucht" von Ärzten die Patientenversorgung sichern helfen.

Wie sollen die aussehen?
Wir wollen versuchen, durch gezielte Ausbildung von Allgemeinmedizinern zu unterstützen und mit anderen Angeboten Lücken füllen. Wir müssen in Zukunft mehr zum Patienten kommen, und nicht der Patient nur zu uns.

Das klingt nach Wiederbelebung des Landarztmodells, oder?
Oder nach Teilniederlassungen im ländlichen Raum um Forst. Ich könnte mir vorstellen, dass hier in der Region unsere Allgemeinmediziner mit Smarts mit MVZ- und Lausitz-Klinik-Logo rumfahren und Sprechstunden an bestimmten Tagen vor Ort anbieten - also zum Patienten aufs Land kommen. Da wollen wir auch Kooperationspartner gerne mit ins Boot nehmen und weitere unterstützende Dienste anbieten. Schauen Sie beispielsweise auf die Palliativmedizin. Hier kann nur im gemeinsamen Netz mit verschiedenen Partnern und Berufsgruppen eine wirklich gute Versorgung angeboten werden.

Mit Hans-Ulrich Schmidt

sprach Beate Möschl