Klar wird das, wenn er aus seinem Arztleben erzählt, "in dem ich quasi seit 1969 eine Praxis in Forst habe, wobei sich dann und wann der Status geändert hat", sagt er. Das ist wohl tiefgestapelt, denn schließlich war Dr. Lerche über 21 Jahre lang Ärztlicher Direktor des Forster Krankenhauses. Damals war er erst 34 Jahre alt.

Nicht nur leiten – vor allem operieren Wie hat es den Erzgebirgler nun gerade nach Forst verschlagen? "Fragen Sie was Leichteres! Nun, ich war gerade fertig mit der Facharztausbildung in Leipzig, als mich ein Arzt an der Uni fragte, ob ich nicht Kreisarzt in Forst werden möchte. Das kam für mich eigentlich nicht in Frage", betont er. Aber nach weiterem Bohren und Drängen habe er schließlich eingewilligt und tatsächlich auch drei Monate als Kreisarzt gearbeitet. Dann befand man ihn wohl als "überqualifiziert" für diesen Posten – jedenfalls wurde ihm sehr schnell die Leitung des Krankenhauses übertragen. "Endlich konnte ich wieder operieren – schließlich habe ich das nicht jahrelang gelernt, um dieses Können verkümmern zu lassen", unterstreicht er.

Die Wende brachte auch eine Wende für ihn – er gab die Arbeit als Ärztlicher Direktor auf und arbeitete fortan, bis 2001, als selbständiger HNO- und Belegarzt – "ich war des Verwaltens müde, hatte aber weiterhin Betten für meine Patienten im Krankenhaus zur Verfügung", erläutert er.

Und diese Patienten kamen nicht nur aus Forst, "sondern auch aus Cottbus oder Senftenberg, sogar aus Berlin", sagt er. Wie heute, denn noch immer betreibt Dr. Lerche seine HNO-Praxis und kann sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Etwa 400 Patienten behandelt er pro Monat.

Kann das Schnarchen abstellen Daneben nimmt er an Ärztekongressen teil, hält Vorträge, arbeitet wissenschaftlich – an interessanten Themen übrigens: beispielsweise an der Behandlung des Schnarchens, um es einmal volkstümlich zu sagen, und an einer neuartigen effizienten Schmerztherapie. "Insgesamt ein ordentliches Pensum", meint er und flechtet ein: "Zwar sind die Honorare für die Ärzte im Osten niedriger als für die im Westen. Aber wir haben fast durchweg mehr Patienten pro Arzt. Damit hat man natürlich auch mehr Arbeit, aber doch auch die Chance, den Nachteil wettzumachen."

100 Laufkilometer pro Monat Für einen solchen Arbeitsmarathon muss man fit sein – Dr. Lerche gelingt das durch: Marathon. Seit mehr als 25 Jahren laufen er und seine Frau Ruth und können sich das Leben ohne diesen Sport gar nicht mehr vorstellen. Auch heute kommen pro Monat noch rund 100 Kilometer zusammen. "Zwar treten wir meist nur noch beim Halbmarathon an, doch dafür sind wir bei vielen Läufen dabei", sagt Dr. Lerche. Letztes Jahr gingen beide unter anderem beim Halbmarathon in Heringsdorf, im sizilianischen Palermo und im kanadischen Vancouver an den Start. "Natürlich sind wir auch bei allen Laufereignissen in der Region dabei, zuletzt beim Neujahrslauf. Aber der war mir mit seinen 5,4 Kilometern viel zu kurz, da habe ich schnell noch fünf Kilometer angehängt", schmunzelt Dr. Lerche.

Und wie sieht das Programm in diesem Jahr aus? "Der Rennsteiglauf, der Zittauer Gebirgslauf und der Harzgebirgslauf sind neben den Forster Läufen schon gebongt", zählt Dr. Lerche auf. Seine Frau Ruth überlegt gern mit: "Mal sehen, was wir uns dann noch aussuchen. Oft verbinden wir solche Läufe auch mit Urlaub. Auf Zypern würde ich gern wieder einmal auf die Strecke gehen, im Herbst, wenn hier schon schlechtes Wetter ist".

Da das neue Jahr erst wenige Tage alt ist, kann man schon noch mal nach guten Vorsätzen fragen. Wie steht es damit, Dr. Lerche?

Im sympathischen Erzgebirgisch macht er klar, dass er damit nichts am Hut hat. Halt – etwas fällt ihm dann doch ein: "Ein paar Kilos möchte ich schon noch verlieren." Bei so viel Sport dürfte das doch keine Hürde sein? Schelmisch schaut er von der Seite: "Ich muss doch aber auch was Ordentliches essen!"