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Lange Ohren, glänzendes Fell

Beim Rundgang durch die Ausstellung wurden die Rassekaninchen bewundert. Für die Preisrichter spielen bei der Bewertung Körperbau und -form, das Fell, die gleichmäßige Färbung sowie die Ausbildung von Kopf und Ohren eine Rolle.
Beim Rundgang durch die Ausstellung wurden die Rassekaninchen bewundert. Für die Preisrichter spielen bei der Bewertung Körperbau und -form, das Fell, die gleichmäßige Färbung sowie die Ausbildung von Kopf und Ohren eine Rolle. FOTO: Thoralf Hass/tfs1
Forst-Horno. Die schönsten Kaninchen aus Spree-Neiße sind in Horno zu sehen. Preisrichter bewerten 350 Tiere. Der Jugendpokal geht an eine Forsterin. Thoralf Haß / tfs1

Er nahm es mit Humor: "Es ist eines der längsten Worte, die ich kenne. Die Rassekaninchenkreisjungtierschau ist hiermit eröffnet", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und gab sich zur offiziellen Ausstellungseröffnung größte Mühe, um nicht an diesem Wortungetüm zu scheitern.

Uwe Krenz, Ausstellungsleiter und Vorsitzender des Rassekaninchenzuchtvereins D97 Forst/Lausitz e.V. , kommt das Wort leichter über die Lippen. Zum zweiten Mal richtet der Forster Verein die Kreisjungtierschau des Spree-Neiße-Kreises aus, zum ersten Mal im "Hornoer Krug" im Forster Ortsteil Horno. "Leider gibt es unser Objekt in der Kirchstraße aus baulichen Gründen nicht mehr her, dort die Ausstellung durchzuführen. Um so dankbarer sind wir, mit Unterstützung der Hornoer Stiftung und des Ortsvorstandes einen neuen Ausstellungsort gefunden zu haben", sagte er. Neben dem Ministerpräsidenten konnte er unter anderem auch den amtierenden Forster Bürgermeister Jens Handreck, den Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Schulze (CDU) und die Bundestags-Direktkandidatin Birgit Kaufhold (Die Linke) als Ehrengäste begrüßen.

Züchter aus dem gesamten Spree-Neiße-Kreis sowie befreundeter Vereine aus Weißwasser, Krauschwitz und Breslack präsentierten den Preisrichtern mehr als 350 Tiere. Woidke weiß das in seiner kurzen Eröffnungsrede zu würdigen: "Es ist schön zu sehen, welch' ehrenamtliches Engagement es gibt und dass sich auch junge Menschen für die Kaninchenzucht interessieren. Die zweitägige Ausstellung hier in Horno ist deshalb nicht nur Werbung für die Rassekaninchenzucht, sondern auch Werbung für das Ehrenamt in der Region."

Für den amtierenden Forster Bürgermeister Jens Handreck ist es als Hornoer Einwohner ein Heimspiel. "Ich habe gesehen, dass unter den Ausstellern auch einige Hornoer zu finden sind. Wir können also nicht nur singen, wir können nicht nur Spielmannszug, wir können nicht nur Feuerwehr, sondern wir 210 Einwohner können auch Kaninchen", betonte er. Als Dank für das gesellschaftliche Engagement überreichte Handreck einen Scheck der Stadt Forst an den Vereinsvorsitzenden und machte die Zusage, bei der Suche nach einem neuen Vereinsobjekt zu helfen.

Anders als beispielsweise im Sport folgte im Anschluss an die Grußworte der Ehrengäste bereits die Ehrung der Sieger. Sechs Preisrichter bewerteten zuvor die ausgestellten Tiere. Kriterium für die Auswahl sind Körperbau und -form, das Fell, die Gleichmäßigkeit und Sauberkeit der Färbung, die Unterfarbe bei bestimmten Rassen sowie die Ausbildung von Kopf und Ohren der Kaninchen. Den Pokal des Ministerpräsidenten gewann Uwe Krenz für seine Sammlung von vier Tieren der Rasse "Satin Elfenbein RA". Auch die anderen Ehrengäste stifteten jeweils einen Pokal.

Den Jugendpokal als beste Nachwuchszüchterin konnte die Forsterin Chiara Nehrmann in Empfang nehmen. Für sie ist es der größte Erfolg in ihrer noch jungen Karriere. Vergleichbar ist der Titel etwa mit dem eines Kreismeisters im Sport. Seit zwei Jahren betreibt Chiara die Rassekaninchenzucht, verrät ihr Vater Dirk, der ebenfalls einen Pokal gewann. "Chiara züchtet Schwarzgrannen. Das sind Tiere mit weißer Grundfarbe, die als Strichhaar im Oberfell schwarze Grannen haben. Dadurch schimmert das Fell ein wenig grau-silbrig", erklärte er. Zirka 30 Tiere besitzt Chiara mittlerweile, mit den 70 Tieren ihres Vaters kommt die Familie auf 100 Kaninchen. "Es ist ein sehr zeit- und kostenaufwendiges Hobby", sagte Nehrmann.

Einige Züchter bieten ihre Tiere auch zum Verkauf an. Zwischen 20 und 50 Euro kostet ein Exemplar. 80 Prozent der angebotenen Tiere wechseln im Verlauf der Ausstellung ihren Besitzer. 16 Kaninchen wurden als Preise für die große Tombola gestiftet. 400 Preise gab es zu gewinnen. "Die Tiere haben eine tierärztliche Bescheinigung. Natürlich geben wir die Tiere nur ab, wenn bei Kindern die Eltern damit einverstanden sind und sichergestellt ist, dass die Tiere ordnungsgemäß gehalten werden", so Krenz.

In den Gängen der Ausstellungshalle herrscht derweil dichtes Gedränge. Nicht nur die Züchter schauen sich die Tiere an, auch viele Familien mit Kindern nehmen die kuscheligen Vierbeiner unter die Lupe. Mit 750 Besuchern rechnen die Veranstalter an den beiden Ausstellungstagen. Das ist eine beachtliche Steigerung. In den Vorjahren waren es noch rund 500 Besucher.

Auch Woidke selbst ist mit Kaninchen groß geworden: "Auf unserem Bauernhof in Naundorf hatten wir 30 bis 40 Kaninchen, allerdings keine Rassekaninchen. Unsere dienten eher als Nahrungsgrundlage, das Fell wurde verkauft. Es ist und bleibt trotzdem ein schönes Hobby, wie man hier sehen kann", sagte er.

Für die Pfanne zu schade sind auf jeden Fall die in Horno zur Schau gestellten Rassekaninchen. Ungeachtet der Menschentraube, die sich an ihren Boxen vorbei schiebt, dösen manche Tiere im Käfig. Andere wiederum hoppeln emsig hin und her und strecken ihr Näschen durch die Gitter in der Hoffnung auf ein paar Streicheleinheiten. Die gibt es dann auch prompt vom Ministerpräsidenten beim Rundgang durch die Ausstellung. Zu seiner Erleichterung musste Woidke das lange Wort mit dem "R" kein zweites Mal erwähnen.