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Landwirtschaft an der Tagebaukante

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze (CDU) sowie Helmut Braun, Vorsitzender der Bauern AG Neißetal, und LEAG-Bergbau-Ressortleiter Uwe Grosser (v.r.) diskutieren auf dem Gut Neu Sacro.
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze (CDU) sowie Helmut Braun, Vorsitzender der Bauern AG Neißetal, und LEAG-Bergbau-Ressortleiter Uwe Grosser (v.r.) diskutieren auf dem Gut Neu Sacro. FOTO: Daniel Friedrich
Forst. In Forst hat sich Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) am Donnerstag die Entwicklung der Tagebaufolgelandschaft angeschaut. Dazu besuchte er das Gut Neu Sacro und den Tagebau Jänschwalde. Daniel Friedrich

Der Schaufelradbagger im Tagebau Jänschwalde ist gefräßig. Tag und Nacht, Schaufel für Schaufel, frisst er sich durch das einstige Ackerland der 1991 gegründeten Bauern AG Neißetal. Große landwirtschaftliche Flächen sind seitdem an den Tagebau verloren gegangen - viele nur vorübergehend, einige jedoch für immer. "Wir kennen das gar nicht anders und haben uns mit dieser besonderen Situation arrangiert", berichtet Helmuth Baum (62), der Vorsitzende der Bauern AG Neißetal beim Besuch von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) am Donnerstag in Forst.

Dort hat sich Schmidt von Vertretern der Landwirtschaft und des Vattenfall-Nachfolgers LEAG über die Landschaftsentwicklung nach dem Kohleabbau informiert. Das Lausitzer Modell nennt er ganz pragmatisch "vorbildliche Kreislaufwirtschaft", denn die abgebaggerten Flächen würden im landwirtschaftlichen Sinne wieder rekultiviert. "Die Lausitz zeigt, wie Braunkohle und Landwirtschaft miteinander harmonieren können", so der Minister. Nach dem Motto "Aus alt mach neu" könne landwirtschaftliche Nutzung in der Region auf dem Reißbrett geplant werden - eine Möglichkeit, um die die Lausitz bundesweit beneidet würde.

In der Tat sind durch Verträge zwischen Landwirten und Vattenfall/LEAG über die Jahre partnerschaftliche Verbindungen entstanden. 2014 wurde eine Vereinbarung zur Existenzsicherung und zum Einbezug landwirtschaftlicher Betriebe in die Arbeit auf dem ehemaligen Kippengelände geschlossen. So wird zur Bodenbearbeitung und zur Fruchtpflege die Bauern AG Neißeland beauftragt, was wiederum die Landwirte mit Arbeit versorgt. Zehn bis 15 Millionen Euro kostet Vattenfall diese - gesetzlich festgeschriebene - Rekultivierung. Anschließend dürfen die Bauern die alten, neugewonnenen Flächen pachten und später möglicherweise auch kaufen. "Die Zusammenarbeit ist auf beiden Seiten sinnvoll gewachsen", resümiert Bauern-Vorstand Helmut Baum.

Doch das Kreislaufmodell hat auch einen Haken: Von 1000 Hektar Land, die die Bauern AG Neißeland an den Tagebau abtritt, bekommt sie eines Tages nur 750 Hektar zurück. Auf der Restfläche entstehen Seen, Straßen und andere Infrastruktur. "Uns ist wichtig, dass die wieder nutzbaren Flächen am Ende nicht zu zerstückelt sind", wünscht sich Helmut Baum in Richtung Landwirtschaftsminister Christian Schmidt.

Uwe Grosser, Vorstand der Bergbausparte der LEAG, fordert wiederum von Minister und Bundesregierung verlässliche Rahmenbedingungen: "Uns ist bewusst, dass wir mit unserer Arbeit auf die landwirtschaftliche Tätigkeit das Klima Einfluss nehmen. Dennoch brauchen wir Planungssicherheit. Eine Deindustrialisierung auf Kosten gut bezahlter Arbeitsplätze darf es nicht geben."

Zum Thema:
Die Bauern AG Neißeland wurde 1991 als Nachfolger einer LPG gegründet. Sie bewirtschaftet derzeit rund 2450 Hektar Land und beschäftigt 117 Mitarbeiter. Unter den Aktionären sind gut die Hälfte Landeigentümer. Deutschlandweit werden täglich neue 60 Hektar Land für den Bergbau genutzt. Jede vierte Kilowattstunde Strom stammt in Deutschland aus der Braunkohle, jede zehnte kommt aus Lausitzer Revieren.