„Die Bürger haben es verdient, gestärkt aus dem Strukturwandel hervorzugehen“, sagte Altekrüger bei seiner Rede am Donnerstagabend vor rund 200 geladenen Gästen im Forster Hof. Der Chef der Kreisverwaltung fordert konkret Hilfe bei der Neuansiedlung von Industrie. Dadurch sollen gleichwertige Arbeitsplätze entstehen, wenn durch Kraftwerksstilllegungen und die Aufgabe von Tagebauen in den kommenden Jahren Jobs verloren gehen. Der Landkreis selbst werde sich mit um die Infrastruktur kümmern, sagte der Landrat.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), selbst Forster und in den 1990er-Jahren als Amtsleiter in der Kreisverwaltung in Forst tätig, schlug in dieselbe Kerbe. „Es gibt keinen Grund, hier in der Region den Kopf hängen zu lassen“, sagte Woidke. Allerdings müssten zuerst die Fragen gleichwertiger Arbeitsplätze und der sicheren Energieversorgung geklärt werden, bevor vom Ende der Braunkohle die Rede sein könne. „Was kostet der Kohleausstieg? Was passiert mit dem Strompreis?“, fragte Woidke.

Der Chef der rot-roten Landesregierung schlug vor, sich wegen der Herausforderung des Strukturwandels europaweit zu vernetzen, zum Beispiel mit dem Nachbarland Polen. „Das ist das Gebot der Stunde“, sagte Woidke.

Landrat Altekrüger sagte, dass Braunkohle und Energie seit Langem das wichtigste wirtschaftliche Standbein von Spree-Neiße gewesen seien und bleiben, „für das wir wie die Löwen kämpfen“. Er verwies auch auf Erfolge in anderen Branchen wie dem Tourismus.

Der frühere SPD-Landrat Dieter Friese, der ab 1993 den aus vier Altkreisen (Guben, Forst, Spremberg, Cottbus-Land) entstandenen Landkreis Spree-Neiße als Erster politisch leitete, hob die Bedeutung der Partnerschaft zu den angrenzenden polnischen Regionen, aber auch mit der russischen Region Kursk hervor. „Weil eine friedliche Entwicklung in Europa ohne Russland nicht möglich ist“, sagte Friese unter dem Beifall der Gäste. Sowohl die Landräte der benachbarten polnischen Kreise als auch der Gouverneur der Region Kursk überbrachten zum Kreisjubiläum Grußworte, verbunden mit der Hoffnung auf die weitere partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Spree-Neiße.

Applaus bekamen auch die Models der Lübbenauer Modedesignerin Sarah Gwiszcz, die moderne Varianten sorbisch/wendischer Trachten kreiert. Mit der Marke Wurlawy (auf Deutsch: die wilden Spreewaldfrauen) hat Gwiszcz nach eigenen Angaben eine Nische in der Modewelt besetzt, mit wachsendem Erfolg, wie sie dem Moderator des Abends, Christian Matthée, sagte.