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| 18:12 Uhr

Zahl der Türöffnungen auf Rekordniveau
Landrat fordert ein „Bewusstsein der Prioritäten“

Spree-Neiße. Stürme bringen Feuerwehren an ihre Grenzen. Von Jürgen Scholz

 Zwei heftige Herbststürme, Brände, Technische Hilfeleistungen: Die freiwilligen Feuerwehren hatten 2017 insgesamt  1659 Einsätze. Um sie zu entlasten forderte Landrat Harald Altekrüger (CDU), dass in der Bevölkerung „ein Bewusstsein für Prioritäten“ wachsen solle.

Dazu dürften auch die technischen Hilfeleistungen zählen, die mittlerweile fast 80 Prozent aller Einsätze von freiwilligen Feuerwehren ausmachen. Nicht jeder Einsatz sei gerechtfertigt, so der Landrat im Kreistag. Ein neuer Spitzenwert sei beispielsweise mit 117 Türnotöffnungen erreicht worden. Ein Trend, den der Spremberger Stadtwehrführer Frank Balkow auch auf die älter werdende Bevölkerung zurückführte. Aufmerksame Nachbarn machen sich Sorgen, wenn Briefkästenüberquellen, die Kinder sind häufig weit weg.  Alle paar Tage gebe es solche Einsätze in Spremberg, hatte Balkow zum Jahresende bilanziert. Die Einsätze häuften sich so sehr, dass Spremberger Wohnungsunternehmen der Feuerwehr 3000 Euro für ein neues Türöffnungsset spendierten. Durchaus im eigenen Interesse – damit können Türen „sanfter“ geöffnet werden. Die Schäden von teilweise mehreren Tausend Euro bei einer Notöffnung sollen so geringer ausfallen. Auch der Forster Stadtwehrführer Andreas Britze hatte Anfang des Jahres einen massiven Anstieg bei den Türnotöffnungen im Jahr 2017 beklagt. Die Anstrengungen des Kreisbrandmeisters auf Landesebene, da Abhilfe zu schaffen, seien „bisher nicht von Erfolg gekrönt“ gewesen, räumt Altekrüger ein. Der Landkreis werde aber nicht locker lassen. Altekrüger selbst hatte das Thema im April 2016 zur Chefsache erklärt und eine klare Regelung des Landes bis hin zur Klärung von Zuständigkeiten für die Kosten gefordert. Im Jahr 2016 waren es noch 80 Türnotöffnungen, für 2017 wurde die Zahl der Türnotöffnungen mit 117 angegeben.

Vor allem an den Tragehilfen hatten sich vor einem Jahr in Guben die Gemüter erhitzt. Die würden von der Stadt als Träger des Brandschutzes bezahlt, Verursacher sei aber der Rettungsdienst als hauptamtlich verwaltete Struktur, hatte der zuständige Fachbereichsleiter im Gubener Rathaus, Uwe Schulz, damals betont. Zuständig für den Rettungsdienst ist der Landkreis. Zumindest bei den planbaren Transporten habe sich die Situation verbessert, so Schulz am Montag auf Nachfrage. Zahlen zu den Tragehilfseinsätzen – 2016 waren es 80 gewesen – nannte Altekrüger in seiner Rede nicht. 

Als Brandbekämpfer rückten die Wehren 277 Mal aus. Vor allem die Zahl der Wohnungsbrände nahm  drastisch zu. 2017 wurden die Feuerwehren im Kreisgebiet 47 mal zu Wohnungsbränden gerufen – 19 Brände mehr als im Jahr zuvor. Ein Rauchmelder dürfe nicht zu Sorglosigkeit oder Vernachlässigung des Brandschutzes führen, so Altekrüger. Bei ihren Einsätzen retteten die Wehren 420 Personen aus Gefahren.

Fast 600 Mal mussten die Wehren im vergangenen Jahr zu Einsätzen aufbrechen, die durch Unwetter bedingt waren. Altekrüger rief zu einer Entlastung der Helfer auf, „es sollte in der Bevölkerung ein Bewusstsein für Prioritäten wachsen“, so Altekrüger. Bei Unwetterschäden solle man sich beispielsweise fragen, ob der Schaden auch einen Tag später oder sogar selbst beseitigt werden könne. Das Zersägen eines umgestürzten Baums auf dem eigenen Grundstück, der niemanden behindere, binde Einsatzkräfte, die anderswo dringender benötigt würdem, so der Landrat.