Für die Staatsanwaltschaft gilt es als erwiesen, dass das Paar aus Groß Schacksdorf (Spree-Neiße) sich an dem damals zwölfjährigen Mädchen immer wieder vergangen hat. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs und des Entzuges einer Minderjährigen fordert die Staatsanwaltschaft für Stephan P. zehn Jahre Haft, die Mutter des Mädchens soll für fünfeinhalb Jahre hinter Gitter.

Der Prozess gegen das Paar hatte im Dezember 2018 begonnen. Seitdem wurden mehrere Dutzend Zeugen gehört: Lehrer des Mädchens, Betreuer aus Wohneinrichtungen, Jugendamtsmitarbeiter, Polizisten, Ärzte, Verwandte. Gutachter hatten die Schuldfähigkeit der Angeklagten eingeschätzt, zuletzt waren – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Nebenklage gehört worden.

Angeklagter im Missbrauchsprozess von Groß Schacksdorf äußert sich

Stephan P. selbst hat sich, ebenfalls unter Ausschluss der Öffentlichkeit, in mehrstündigen Ausführungen zu den Vorwürfen geäußert. Für Montag, den 2. März, wird das Plädoyer der Verteidigung von Monika R. erwartet, einen Tag später könnte das Urteil fallen.

Im Fall einer Verurteilung drohen den Angeklagten mehrjährige Haftstrafen. Sie hatten, so der Vorwurf, das minderjährige Mädchen über Monate hinweg in der gemeinsamen Wohnung versteckt und immer wieder sexuell missbraucht. Oft sollen Mutter und Tochter gemeinsam Sex mit Stephan P., dem Verlobten von R., gehabt haben.

Missbrauchsprozess zu Fall in Groß Schacksdorf Sie musste in die Couch kriechen

Cottbus/Groß Schacksdorf-Simmersdorf

Im Bettkasten versteckt

Das Mädchen lebte damals längst in der Obhut des Jugendamtes, zuletzt in einem Heim in Cottbus. Nach einem Arztbesuch im Oktober 2017 war das Mädchen nicht in seine Wohneinrichtung zurückgekehrt. Trotz intensiver Suche fehlte zunächst jede Spur von dem Mädchen. Später sollte sich herausstellen: Wann immer die Polizei in Groß Schacksdorf bei der Wohnung von Mutter und Verlobtem auftauchte, versteckte sich das Mädchen im Bettkasten. Erst im März 2018 flog das Versteckspiel auf.