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| 02:38 Uhr

Kunstprojekt regt zum Nachdenken an

Forst/Guben. Ein mobiles Wohnzimmer tourt durch Brandenburg. In dieser Woche ist das Kunstprojekt von Kathrin Ollroge in Forst, Guben und Spremberg zu Gast. Es lädt Menschen ein, sich mit dem Thema neue Nachbarschaften zu befassen und darüber auszutauschen. Hartmut Landes

Ein schlichtes, mit Folie bezogenes Holzgestell, darin ein runder Couchtisch mit einem Clubsessel. Auf dem Tischchen eine elektrische Schreibmaschine. Das ist das mobile Wohnzimmer von Kathrin Ollroge. Es ist das Kunstprojekt "Raum für Gedanken", mit dem die Potsdamer Fotokünstlerin seit September durch Brandenburg tourt. Lebendig wird das Projekt aber erst durch Menschen, die sich darauf einlassen und ihre Gedanken und Erfahrungen über Flüchtlinge und neue Nachbarschaften niederschreiben oder erzählen. Dazu lädt die Künstlerin ein.

Zu Gast in der Schule

Zwei Tage lang war Kathrin Ollroge in dieser Woche in Forst unterwegs. Erstmals stellte sie ihren "Raum für Gedanken" in einer Schule auf. Und sie machte damit und mit den Schülern der Gutenberg-Oberschule eine sehr gute Erfahrung, wie sie sagt.

Kathrin Ollroge will mit ihrem Projekt vor allem anregen, sich mit der Frage des Zusammenlebens mit Flüchtlingen, mit interkultureller Nachbarschaft zu befassen. "Ich möchte, dass die Leute einbezogen und gefragt werden. Ich will, dass sie zu diesem Thema kommunizieren und ihre Sprache finden", sagt sie.

Welche Sprache und welche Aussagen das sind, bleibt zwar anonym. Aber die Gesamtheit ergibt ein Bild, das Kathrin Ollroge in Fotografien und Texten in einer Broschüre verarbeiten wird. "Die Meinungen, die ich bisher gesammelt habe, sind sehr vielschichtig", bekennt die Künstlerin, die seit mehr als drei Monaten fast täglich an einem anderen Ort in Brandenburg unterwegs ist. Die Aussagen zu Flüchtlingen in der Nachbarschaft reichten von Mitleid über Angst bis hin zu ablehnender Haltung. "Mir ist es wichtig, dass die Menschen mit ihren Aussagen sich öffnen und mit der Problematik befassen", sagt Ollroge und ergänzt: "Es gibt einen großen Bedarf, die Kommunikation zu diesem Thema anzuregen."

Idee für ein Projekt

Die Idee zu diesem Kunstprojekt kam Ollroge, als sie Bewohner des Wohnhauses Staudendorf in Potsdam fotografieren wollte. In 25 der 180 Einraumwohnungen in dem Wohnblock sollen Flüchtlinge einziehen. So kamen Fragen auf: Wie geht man mit den neuen Nachbarn um? Welche Auswirkungen hat das auf mein Leben? Kathrin Ollroge hat daraus das Kunstprojekt gemacht. Wie es ausgeht, weiß sie selbst noch nicht. "Es ist auf jeden Fall spannend", sagt sie und freut sich auf weitere Begegnungen mit Menschen, die sich zu dem Thema äußern. Unterstützt wird das Projekt in Trägerschaft des Vereins Potsdamer Kunstgenossen von Brandenburgs Landeszentrale für Politische Bildung.

Zum Thema:
Das mobile Wohnzimmer "Raum für Gedanken" mit Künsterlin Kathrin Ollroge wird am heutigen Donnerstag, Freitag und Sonnabend in der Zeit von 11 bis 17 Uhr in Guben im Neiße-Center aufgebaut. Am Sonntag gastiert das Kunstprojekt von 11 bis 16 Uhr in der Einkaufspassage am Bullwinkel in Spremberg, gegenüber dem Hotel "Zur Post" und lädt zum Mitmachen ein.