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| 16:39 Uhr

Laientheater
Jeder hat Bilder im Kopf

Rettungsdecken, stabile Seitenlage und Schuhe spielen bei "Bilder im Kopf" eine Rolle. Geprobt wird seit Wochen im Gästehaus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde.
Rettungsdecken, stabile Seitenlage und Schuhe spielen bei "Bilder im Kopf" eine Rolle. Geprobt wird seit Wochen im Gästehaus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde. FOTO: LR / Indrid Ebert
Forst. Ein Laientheaterstück mit Forster Bürgern soll den Umgang mit Vorurteilen bewusster machen. Das Konzept schließt an das Bauwagenprojekt an. Von Jenny Theiler

Vorurteile sind etwas Schlechtes und müssen unbedingt bekämpft werden. So ist die allgemeine Meinung, die auch aktuell immer wieder für Diskussionen und verhärtete Fronten auf allen Seiten sorgt. Vor allem aber seien Vorurteile menschlich, findet Manuela Kohlbacher vom Kompetenzzentrum Forst. „Kein Mensch ist frei von Vorurteilen. Das ist eine Tatsache, die man sich bewusst machen sollte“, sagt sie. Unter diesen Gesichtspunkten ist auch das Theaterstück „Bilder im Kopf“ entstanden, das Forster Bürger am kommenden Samstag auf die Bühne bringen werden. Im Stück sollen Vorurteile nicht verflucht, sondern vielmehr hinterfragt werden.

Ob Kopftuch oder Springerstiefel, ob dick oder dünn – wir alle bewerten Menschen, die uns gerade erst begegnet sind, innerhalb weniger Sekunden. Dass diese Bewertungen häufig aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes vorgenommen werden, ist ein unbewusster Prozess, den man lernen muss zu verstehen. „Man hat das Bedürfnis, sein Gegenüber einzuordnen. Das ist nicht verwerflich, sondern ein normaler Schutzmechanismus“, sagt Projektleiterin Manuela Kohlbacher vom Kompetenzzentrum Forst. „Entscheident ist nur, ob man auch bereit ist, die Schublade, in die man jemanden gesteckt hat, wieder zu öffnen“, ergänzt Kollegin Birthe Zenker. Denn auf den zweiten Blick würden die Dinge oftmals schon ganz anders aussehen.

Das Theaterprojekt wird von der Landeszentrale für politische Bildung gefördert. Im Vorfeld sind Forster Bürger gebeten worden, Geschichten einzusenden, die mit Bildern im Kopf zu tun haben. Insgesamt sind drei Geschichten bei einer Preisverleihung im September premiert worden. Eine stammt von Ingrid Ebert (70), die über ihre Erinnerungen an den 11. September und die damit verbundene Skepsis gegenüber Menschen mit Kopftüchern geschrieben hat. Fünf dieser Geschichten sind für ein Erzähltheaterstück ausgewählt worden. Zusammen mit den Theaterpädagoginnen Christine Lander aus Berlin und Dörte Hentschel aus Cottbus ist innerhalb von nur zwei Monaten das Theaterstück entstanden.

„Für die Kürze der Zeit können wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein“, sagt Christine Lander. Von den acht Darstellern ist der jüngste acht und die Älteste 70 Jahre alt. Die Altersunterschiede seien aber kein Problem gewesen – im Gegenteil. „Die Spieler haben sich untereinander sehr gut verstanden und gegenseitig unterstützt“, erzählt die Theaterpädagogin. Auf professionelle Schauspieler habe man ganz bewusst verzichtet, sagt Manuela Kohlbacher. „Wir wollten mit Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten und Alterstufen arbeiten, denn es geht ja auch um Geschichten aus dem alltäglichen Leben. Außerdem kommen ganz andere Emotionen rüber, als bei Schauspielern, die das Handwerk beherrschen.“

Das findet auch Ingrid Ebert. Die 70-Jährige hat eine Geschichte eingesendet und war vom Theaterprojekt von Anfang an begeistert. „Es ging weniger um das Spielen, als viel mehr um die Gemeinschaft, die bei den Proben entstanden ist“, sagt sie. „Ich habe erkannt wie viel man noch dazu lernen kann und probiere gern was Neues aus.“ Dem schließt sich auch Wilfried Ebert an. „Das ist mal was ganz anderes. Ich hoffe auf viele Besucher und darauf, dass wir das Thema auch gut transportieren können“, so der Forster. „Um eine Toleranzpredigt geht es uns nicht, sondern um Denkanstöße und die eigene Reflexion“, ergänzt Darstellerin Birthe Zenker.

Aufgeführt wird das Stück am Samstag um 16 Uhr im Kompetenzzentrum Forst (Gubener Straße 30a). Der Eintritt ist frei.