ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:57 Uhr

Schaulustige erleben Künstler bei der Arbeit
Kunst zum Anfassen

Kunstsymposium in Forst FOTO:
Forst. Beim Kunstsymposium schauen auch Bürger und Schüler vorbei. Mittwoch ist Schlussfeier. Von Steffi Ludwig

Mit neugierigem Blick beobachtet Heidi Wilhelm in der Mittagshitze des Dienstags die Künstler neben der Stadtkirche St. Nikolai. „Es ist so interessant, was aus dem Holz entstanden ist“, schwärmt sie. „Ich finde es schön, dass die alten Bäume nicht nur zersägt werden, sondern dass sich so jeder daran erfreuen kann.“ Schon das Kunstsymposium vor fünf Jahren, als aus den Kastanien des Forster Kegeldamms Skulpturen entstanden, hatte sie verfolgt. Auch jetzt war die Forsterin fast jeden Tag seit der Eröffnung des internationalen Kunstsymposiums ihn ihrem Rollstuhl auf der Arbeitsfläche in der Forster Innenstadt, schaute den 15 Künstler aus fünf Ländern über die Schulter und hat auch mit einigen gesprochen.

„Beispielsweise die Steinarbeiten der zwei Künstler gefallen mir sehr gut, da ich auch viel Granit in meiner Wohnung habe“, berichtet sie. Bildhauer Markus Herold aus dem sächsischen Großpostwitz, der zum ersten Mal in Forst ist, hat aus einem roten Granitfindling ein noch namenloses Werk geschaffen, Jörg Tausch aus Schleife hat drei Steinen Gestalt gegeben. „Ich bin erstaunt, wie viele hier zugeschaut haben“, sagt Herold. Kindergartengruppen oder Senioren waren dabei. Das Forster Gymnasium hat laut Stadtteilmanagerin Kathleen Hubrich sogar ein eigenes Projekt über das Kunstsymposium anfangen und sich besonders mit den Künstlern Steffen Mertens aus Cottbus und Margret Holz aus Berlin, die eine zeitlang in Forst lebte, befasst. Das evangelisches Gymnasium aus Cottbus hat sich mit dem Kunstunterricht für Mittwoch angekündigt.

Heidi Wilhelm hat auch die Entstehung des Kunstwerkes von Roswitha Schaab aus einem Ulmenstamm interessiert verfolgt. „Ich hatte erst auf eine Schlange getippt. Als es aufgestellt wurde, dachte ich, es wird ein Bär. Und nun sieht es wieder ganz anders aus“, beschreibt die Forsterin ihre Eindrücke. Roswitha Schaab erklärt, dass es ein Gewächs sein soll, eventuell ein fünffingriges Pflanzengewächs. „Ein Mädchen meinte, es sieht aus wie ein Insekt“, so die Künstlerin. „Ich habe mich vom Holz inspirieren lassen. Ich hatte zwar einen Plan, reagiere dann aber trotzdem auf das Holz“, beschreibt die Berlinerin ihr Vorgehen. „Für uns ist das hier eine tolle Gelegenheit, auch einmal größere Arbeiten machen zu können als im Atelier.“ Das Betriebsamt der Stadt habe gute Vorarbeit geleistet und die Künstler während des Symposiums unterstützt. Auch der Pole Michal Bajsarowicz ist mit seinem Werk fast fertig und sehr zufrieden. Er hat eine der gefällten Linden des Lindenplatzes bearbeitet und das weiche Holz mit einer harten Metallkonstruktion kombiniert. Einen Namen dafür hat er noch nicht.

Am Mittwoch um 18.30 Uhr findet die feierliche Abschlussveranstaltung des zweiten Kunstsymposiums statt. Laut Kathleen Hubrich werden die Skulpturen aufgestellt und können besichtigt werden. Es gibt Musik und kulinarische Angebote. Einige der Künstler reisen bereits Donnerstag ab, andere arbeiten weiter bis zum Donnerstagabend. Die Skulpturen werden auch zum Herbstmarkt am kommenden Freitag zu sehen sein. Auch Heidi Wilhelm wird dann wiederkommen: „Denn dann sieht man die Werke mit anderen Augen, wenn man bei der Entstehung selbst dabei war.“