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Fest
Andrea Berg im Nachbardorf als Überraschungsgast

Gesangseinlage als Überraschungsgast in Klein Kölzig: "Andrea Berg" kommt aus dem Nachbardorf.
Gesangseinlage als Überraschungsgast in Klein Kölzig: "Andrea Berg" kommt aus dem Nachbardorf. FOTO: aha1
Neiße-Malxetal. Nur eine knappe Stunde dauert es, bis sich Renate Lemke aus Groß Kölzig in Andrea Berg aus Großaspach verwandelt hat. Doch auch ohne Make-up wird die Ähnlichkeit mit dem Schlagerstar sichtbar, sobald das blonde Haar unter der roten Perückenmähne verschwindet. aha1

"Ich liebe ihre Musik. Seit mehr als einem Jahrzehnt bin ich ein Andrea-Berg-Fan", sagt Renate Lemke. "Ihre Texte gehen direkt unter die Haut und der Rhythmus verführt sofort zum Tanzen, Mitwippen und Mitklatschen." Die Wand im Korridor schmückt nicht nur ein signiertes Poster der Lieblingssängerin, sondern auch ein Andrea-Berg-Fanschal. Vor 18 Jahren gehörte die Groß Kölzigerin zu den Mitbegründern der Volkssolidaritätsortsgruppe im Ort. Seither organisiert sie dort Kulturveranstaltungen, führt die Chronik, verwaltet die Notenblätter und sorgt dafür, dass die älteren Einwohner im Dorf bei den monatlichen Zusammenkünften auch mal ein Lied anstimmen.

Doch Renate Lemke, die nach der Wende einige Jahre im Ortsbeirat saß, deren Gerechtigkeitssinn und ausgeprägte Hilfsbereitschaft ihr einst die Bezeichnung "Regine Hildebrand von Groß Kölzig" einbrachte, liebt es noch immer, zu überraschen. Unter anderem mit Sketchen und auch schon mal mit einer urkomischen Adaption vom Tanz der jungen Schwäne. Nun wollte sie es mal mit einer Andrea-Berg-Vorstellung versuchen. Die Zuhörer waren erst verblüfft und dann total begeistert. Der Auftritt wurde zum Selbstläufer. Noch am selben Tag wurde sie gebeten, beim 80. Geburtstag eines Schlagerfreundes aufzutreten.

Die Überraschung gelang und seither ist sie als Andrea-Berg-Double ein gefragter Gast in den umliegenden Orten, aber auch in Schleife, Kromlau, Forst, Koppatz, Laubsdorf, beim Karneval in Tschernitz ebenso wie während der Weihnachtszeit im Caritasheim in Döbern oder jüngst beim Dorffest im benachbarten Klein Kölzig. "All das ist jedoch ein Hobby und wird es auch bleiben! Mein Lohn sind die strahlenden Augen der Menschen. Es kommt soviel Freude von ihnen zurück", betont Renate Lemke. Das Wort "Gesangsdouble" mag sie jedoch nicht. "Ich kenne meine Möglichkeiten und singe ja schließlich nicht selbst, sondern ‚leihe' mir die Stimme der Sängerin aus". Die Doubles, die auch noch selbst den echten Sound des Schlagerstars draufhaben, bewundert sie besonders. Doch singen könne sie selbst durchaus - bereits während der Schulzeit habe sie möglichst keine Übungsstunde im Schulchor versäumt "Aber es klingt nicht so wie bei Andrea Berg", sagt sie lachend. Mitgesungen wird jedoch natürlich immer. "Nur wenn ich absolut textsicher bin, wirkt der Auftritt glaubhaft", versichert die Frohnatur.

Kreativ war Renate Lemke schon immer, malte gern und machte später ihr Talent als Glasmalerin im benachbarten Glaswerk Döbern zum Beruf. Auch ihre Kleidung schneiderte sie in der Zeit der Mangelwirtschaft selbst. Das passende Bühnenoutfit à la Andrea Berg wird selbst entworfen oder im Handel Erhältliches entsprechend umgeändert. Die echte Performance ihres Vorbildes studierte sie bei dessen TV-Shows - denn einen Computer besitzt Renate Lemke nicht. Natürlich werden nach Möglichkeit auch Liveauftritte besucht. "Wenn Andrea Berg Konzerte in der Region gibt, bin ich natürlich dabei. Ein ganz besonderes Erlebnis waren das Konzert im Cottbuser Spreeauenpark und in der Mercedes-Benz Arena im vergangenen Jahr", berichtet sie. Doch nicht nur die Stimme der Künstlerin, sondern vor allem "ihre Riesenausstrahlung" findet das Double faszinierend und betont: "Sie ist eine Frau, die mitten im Leben steht und der nichts in den Schoß fiel". Viele Parallelen zu ihrem eigenen Leben hat Renate Lemke ausgemacht. Ihr größter Wunsch ist es, die Sängerin mal persönlich zu treffen. "Vielleicht klappt es mal", sagt die Groß Kölziger Powerfrau.