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| 18:28 Uhr

2. Künstlersymposium Forst
Eine kleine Ewigkeit hinterlassen

Kunstsymposium in Forst FOTO:
Forst. Eine Woche voller spannender Arbeit liegt hinter 15 Künstlern des Kunstsymposiums in Forst. Von Margit Jahn

Geschafft, aber glücklich wuselten die Künstler am Mittwoch auf dem abendlichen Platz umher. Noch sind die Spuren der Arbeit zu sehen. Einige von ihnen sind bereits  das zweite Mal dabei. „Ich habe im Holz einen Vogel gefunden“, erklärte  Norbert Sarnecki den anwesenden Gästen zu seiner Skulptur „Raven“, zu deutsch Rabe. Wer kann das schon von sich behaupten?

Der Abend begann mit den begrüßenden Worten einer sichtlich stolzen Bürgermeisterin. Simone Taubenek zollte den Künstlern Respekt für ihre Arbeit, die sie von der Skizze bis zur Fertigstellung verfolgt hat. Sie verlas aber auch eine lange Liste mit Sponsoren, die sich mit Geld und Sachleistungen eingebracht haben und ohne die eine solche Veranstaltung nicht hätte stattfinden können. „Dank muss sein. Ohne die Menschen geht es nicht und ohne Finanzen auch nicht“, sagte die Bürgermeisterin, während die  Künstler auf einem der im Kreis arrangierten Feldsteine saßen.

Eine Stahl-, zwei Stein- und 13 Holzskulpturen sind in dieser Woche bei angenehmen sommerlichen Temperaturen entstanden. Bei dem vorn liegenden Stein braucht man gar nicht viel Phantasie walten zu lassen – man kann einen Embryo darin erkennen. „Ich bin hergekommen, ohne einen Plan, und eingesprungen für einen Künstler, der ausgefallen ist“, sagte Jörg Tausch. Er war auch „etwas skeptisch, weil man manchmal den Anfang nicht findet“. Dann ist ihm der rote Stein aufgefallen, die rotfleischige Form. „Da ist was Lebendiges drin – ein Embryo.“ Ab da war für ihn alles klar. „Ich habe nur wenig daran herumgekratzt.“ Entstanden ist ein einmaliges, emotionales Ergebnis mit eindeutiger Botschaft. Auch von Evolution ist die Rede, wie die Welt entstanden ist. Von Stein zu Leben zu Herz – „Das Herz von Forst“.

Simone Taubenek würde sehr gut finden, wenn dieser besondere Stein im Forster Krankenhaus, passend zur Entbindungsstation, sein festes Plätzchen finden könnte. Generell gibt es zu den entstandenen Kustwerken und Skulpturen viele Interpretationsmöglichkeiten. Man wird in der nächsten Zeit in  Forst noch einige Gespräche führen, um einen würdevollen und passenden Platz für die  Kunstwerke zu finden. Ideen gibt es schon einige. Beispielsweise für den Kreisel an der Amtstraße.

Markus Herold sagt es in seinen Abschlussworten: Die Woche war „ein absoluter Zugewinn, schön, dass ich hier sein durfte“. Viele Begegnungen mit netten und interessierten Forster Menschen habe er erlebt. Dies bestätigten dann auch seine Künstlerkollegen. Er wies auf den Steinkreis hin, auf dem die Künstler saßen. Vielleicht könne dies ein neuer Ort der Begegnung für die Forster werden. Kreis könne symbolisch für die Mitgliedstaaten stehen, ergänzte Sabine Lindner. Sie ist eine der Initiatoren des Künstlersymposiums und bereichert über den Verein Kompetenzzentrum Forst das Kulturangebot in der Region.

Der Rundgang führte zu jedem Kunstwerk, wo jeder Künstler ein paar erklärende Worte abgab. Den „Turmbau zu Babel“ in Kombination von Holz und Eisen hat Michal Bajsarowicz aus Polen erschaffen. „Mich haben der Platz und die Leute inspiriert“, erklärt der Künstler. Die vielen Menschen, die während der letzten Woche aus Neugier zugeschaut hatten, sprachen viele unterschiedliche Sprachen. Deshalb die Idee des Babelturmes.

Für ein großes Kunstwerk ist Christoph Roßner zuständig. Er hat eine Stahlplastik mit dem Titel: „einssein – zweisein“ erschaffen. Wegen der Größe wurde sie in der Halle der Firma VIS untergebracht. Hier kann man unter anderem  Harmonie oder Zwischenmenschlichkeit herauslesen. Sie erhält einen Ehrenplatz auf dem Gelände der Volksbank Spree-Neiße, die sich auch als Hauptsponsor an der Aktion beteiligte, die über EU-Fördermittel finanziert wurde. Seine zweite Arbeit, aus Eichenholz, heißt „zweisam“ und führte zu vielen Nachfragen von den Gästen.

Ein „Gespräch mit dem Himmel“ hat Ingrid Struenze aus der Russischen Föderation erschaffen. Ein gefälliges Lächeln beim anwesenden Pfarrer Christoph Lange war zu erkennen; vielleicht war ja auch die unmittelbare Nachbarschaft zur Kirche inspirierend.

„Ohne ein Wort“ heißt eine weitere Skulptur, die auch während der Woche einen anderen Titel erhalten hat. Jan Witte-Kropius will  mit seiner Art Kunst zu machen, zum Dialog einladen. „Was nicht heißt, das man darüber nicht reden kann“, sagt er schmunzelnd in dieser besonderen Doppeldeutigkeit.

„Schön wie der Mond, schwarz wie die Nacht“ – das waren Inspirationen von Franziska Uhl, der polnischen Künstlerin, die gleichzeitig die künstlerische Leitung hatte. „Wir sind in der Zeit, in der sich was bewegt“, sagte sie zu all den schönen Namen der Besucher, die sie in der Woche umgaben. „Aysan“ heißt ihr Kunstwerk.

Aus geteilten Robinienstammhälften hat der englische Künstler Keith Pettit die Skulptur „Growth with Hope“ („Die Hoffnung wächst“) erschaffen. Sie soll Symbol für die zweigeteilte Stadt sein. Und in der Mitte, so wünscht sich der Künstler, könnte einmal ein Weißdornstrauch blühen. Das Innere erinnert an die Vergangenheit, die Textilindustrie, und mit der Blüte soll Forst in der Zukunft wieder wachsen.

Viele weitere Kunstwerke laden zum Betrachten ein. Bürgermeisterin Simone Taubenek blickt schon etwas weiter in Anspielung auf die Diskussion um die Gestaltung der Stadtmitte, die zurzeit wieder in Forst geführt wird: „Schon alleine wie es jetzt steht, zeigt sich, wie sich das Gelände entwickeln kann.“

Die Forster mögen Freude an den Kunstwerken haben, wünscht sie sich.

Kunstsymposium in Forst FOTO: