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| 16:38 Uhr

Busverkehr in Spree-Neiße
Vorreiter beim Busverkehr sein, das reicht nicht

Den Bus nehmen oder doch besser das Rad? Im Nahverkehrspland des Landkreises für Spree-Neiße sind auch Probleme benannt, an denen gearbeitet werden sollte. Der Bereich Schenkendöbern gehört dazu.
Den Bus nehmen oder doch besser das Rad? Im Nahverkehrspland des Landkreises für Spree-Neiße sind auch Probleme benannt, an denen gearbeitet werden sollte. Der Bereich Schenkendöbern gehört dazu.
Spree-Neiße. Der Nahverkehrsplan Spree-Neiße nennt Baustellen – vom Schülerverkehr über Haltestellen bis Lücken im Netz. Von Jürgen Scholz

Mit seinem auf Knoten abgestimmten Busfahrplan ist der Spree-Neiße-Kreis Vorreiter im Land Brandenburg und bietet insgesamt ein „sehr gutes Niveau“. Dieses Fazit zieht Christoph Gipp. Gipp ist Chef der Berliner Iges Intitut GmbH und in dieser Funktion hat er sich intensiv mit dem Nahverkehrsangebot im Landkreis Spree-Neiße befasst. Aber es gibt auch einige Baustellen machte Gipp im Kreistag deutlich, wo er den neuen Verkehrsplan vorstellte.

Zu den Baustellen gehören die mehr als 1000 Haltestellen, die eigentlich bis zum Jahr 2022 barrierfrei sein sollen. Das wird trotz finanzieller Unterstützung schwierig, zumindest liegt jetzt erst einmal eine Übersicht vor. „Die zu pflegen ist aber jetzt Aufgabe des Kreises“, macht Gipp klar. Dort liegt ein Problem: Für die Haltestellen sind die Städte und Gemeinden zuständig, für den öffentlichen Busverkehr der Landkreis. Nun gibt es zumindest eine Übersicht als Basis für ein abgestimmtes Vorgehen, damit Fördermittel zielgerichtet eingesetzt werden können. An manchen Stellen, so  Gipp, werde es Insellösungen geben müssen. Angefangen werden soll dort, wo die meisten zusteigen.

Andere Baustellen sind weniger greifbar. Zum Beispiel beim Schülerverkehr. Dort würden regelmäßige Abstimmungen notwendig sein. Mindestens einmal im Jahr sollten sich Schulen und Verkehrsbetriebe treffen, um sich abzustimmen, auf Wunsch der Schulen aber auch nach Bedarf, wie es in dem Konzept heißt. Notwendig ist dies vor allem, weil das ursprüngliche Konzept in einer Zeit entstand, als Ganztagsangebote noch nicht die Regel waren. Wobei dies keine Einbahnstraße sein könne, machte der Nahverkehrsexperte deutlich. Denn wenn es nur nach den Anfangszeiten der Schulen gehe, könne das aufeinander abgestimmte Angebot über die Knotenpunkte im Kreisgebiet nicht mehr aufrecht erhalten werden. Aber eben das sei vorbildhaft in Brandenburg.

Schüler machen etwa die Häfte der Busnutzer aus – das ist laut Gipp verhältnismäßig wenig. Oder anders: Die Busse werden von Pendlern verhältnismäßig gut genutzt. Perspektivisch werden im Busverkehr keine großen Steigerungsraten erwartet. Es gehe darum, die Zahlen stabil zu halten, so Gipp. Dazu müsse die Qualität des Angebots stimmen. Beispielsweise sollten Angebote im Raum Burg entsprechend ausgerichtet oder verbessert werden. Das betrifft die Verbindungen nach Vetschau und nach Peitz, bei denen auch andere Anbieter einbezogen werden könnten. Handlungsbedarf wird auch auf der Hauptverbindungsstrecke Lübben - Burg - Cottbus gesehen, bei der insbesondere an Wochenenden das Angebot ausbaufähig sei sowie eine durchgängige Verbindung empfohlen wird. Um mehr  Touristen anzusprechen, wird angeregt, die Idee einer Spreewald-Card oder vergleichbarer Angebote wieder aufzugreifen. Auch der Ostdeutsche Rosengarten in Forst sei am Wochenende nicht ausreichend für Nutzer des öffentlichen Busverkehrs erschlossen, wird in dem Nahverkehrsplan festgestellt. Eine saisonale Verbindung zu Park und Schloss Brody sollte zumindest geprüft werden.

Es werde insgesamt ein „schwieriger Prozess der Abstimmung“, deutet Gipp an. Denn gleichzeitig soll das so genannte Erschließungsnetz als wichtiger Pfeiler für den erklärten Mindeststandard von mindesten vier Fahrten am Tag erhalten bleiben. Bis auf wenige Ausnahmen sei das bislang der Fall, bilanzierte Gipp, verwies aber auch auf Ausnahmen.

Zu diesen Ausnahmen gehört der nördlich von Guben gelegene Bereich der Gemeinde Schenkendöbern. Dort sollen Verbesserungsmöglichkeiten überprüft werden, zum Beispiel, indem die Rufbusgebiete Pinnow-Flex und Grano-Flex kombiniert werden. Gerade bei den Rufbusangeboten wird empfohlen, einheitliche Nummern für den gesamten Kreis einzuführen. Bislang gelten in dem in ein West- und ein Ost-Bündel geteilten Kreis unterschiedliche Anmeldefristen und -nummern.

Aber auch Cottbus-Pendler sollen von einer  besseren Abstimmung profitieren. Ziel bleibt immer der neue zentrale Busbahnhof am Hauptbahnhof. Die Linien aus dem Spree-Neiße-Kreis sollen aber auch besser an Straßenbahnhaltestellen angebunden werden, die die Stadt Cottbus zu Umsteigestationen umbauen will, wie beispielsweise im Stadtteil Madlow.

Christoph Gipp.
Christoph Gipp.