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Konzert mit Jörg Swoboda gibt Denkanstöße

Die Lieder von Jörg Swoboda gingen unter die Haut und trafen tief ins Herz.
Die Lieder von Jörg Swoboda gingen unter die Haut und trafen tief ins Herz. FOTO: aha1
Forst. Ein Jahr lang haben die Forster Zuhörer auf Jörg Swoboda gewartet. „Geplant war sein Konzert bereits vor genau einem Jahr. Damals aufgrund einer Erkrankung ausgefallen, wird es nun nachgeholt. Umso größer war die Vorfreude“, sagte Ingrid Ebert, die die Gäste am Freitagabend im großen Saal der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde begrüßte. Angela Hanschke/aha1

Rund 60 Zuhörer aller Altersgruppen fanden sich zu seinem Programm „Lebensimpulse“ ein, mit dem er am Vortag in Zittau gastiert hatte. Einige hatten Jörg Swoboda, der in der vergangenen Woche seinen 65. Geburtstag feierte, in Buckow bei Berlin lebt und zu den bekanntesten christlichen Liedermachern in Deutschland zählt, bereits live erlebt, für andere war es jedoch die erste Begegnung.

Bei allen Gästen gleichermaßen groß war jedoch die Erwartung. Immerhin galten seine unangepassten Texte, die kein Tabu kennen, dabei jedoch immer von spritziger, warmherziger Poesie durchdrungen sind, bereits in der DDR als sein Markenzeichen. Am Freitag wurde er am Keyboard von Andreas Reimann (32) aus Stendal begeleitet, mit dem er seit fünf Jahren zusammenarbeitet.

Bewegungsimpulse wolle er insbesondere in Forst geben, so Jörg Swoboda. Und Anstöße zur Bewegung gab es nach Hinweisen auf kleine Erlebnisse, auf Gehörtes und Selbsterfahrenes, das in neuen Liedern mündete, reichlich. Kleine Glücksmomente, die doch so wichtig sind und die ihm auf einer Reise durch die baltischen Staaten begegneten, verarbeitete er in seinem Lied über das morgendliche „Augenblicksglück“, besang locker und spritzig beim „Blues vom Tattoo“ den Wunsch nach Individualität und den „Kuli“ – der gleich einem Lastenträger immer „ne Tasche voll Traurigkeit“ mit sich herumträgt.

Lieder, Balladen, die gleichzeitig von Zuneigung zu den Mitmenschen, aber auch vom starkem christlichen Glauben und der Liebe zu Gott durchdrungen waren. Impulse, über so alltägliche, scheinbar selbstverständliche Dinge wie die eigene Gesundheit, die ängstliche Abhängigkeit von Glücksbringern und Horoskopen und über das lähmende Schweigen zwischen Partnern überbrachte er den Forstern.

Besonders bewegend das Lied, das er seiner eigenen Mutter gewidmet hatte, die ihm entgegen allen Ratschlägen in der Not der Nachkriegszeit, die so denkbar ungeeignet schien, ein Kind in die Welt zu setzen, das Leben schenkte. Leise und laute Lieder, die die Zuhörer in Bann zogen und bei denen er – wie bei „Deshalb hast Du auch Zeit“ – zum Mitsingen ermunterte.

Etliche Konzertbesucher nutzten die Gelegenheit, CDs zu erwerben oder sich bei einem Glas Tee über das Gehörte auszutauschen. Als außergewöhnlichen Abend empfand Ursula Wagner-Sabellek das Konzert, das sie gemeinsam mit ihren Freundinnen Christine Faber und Christel Christoph besucht hatte. „Es hat uns supergut gefallen. Die Texte waren sehr lebensnah und beeindruckend“, befand sie. Annette Wiese aus Forst sagte: „Ich habe Jörg Swoboda bereits beim Jugend-Kongress „Christival 88“ in Nürnberg erlebt. Damals trat er gemeinsam mit seinem Freund auf, dem sächsischen Pfarrer Theo Lehmann. Wir waren sehr froh, dass er damals für diesen Auftritt die Ausreisegenehmigung erhalten hatte.“ Am Freitagabend habe sie besonders das Lied „An meine Mutter“ bewegt. Erinnerungen wurden wach an ihre eigene Cousine, die, ein Jahr vor Kriegsende in Ostpreußen geboren, entgegen aller Voraussagen wie durch ein Wunder doch die bittere Kälte und auch den Hunger der Flucht überlebt hatte.