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| 18:24 Uhr

Verkehrssicherheit
Kontrollblick unter Neißetalbrücke

Margitta Günther (l.) und Ute Bringezu prüfen die Brücke in Zelz.
Margitta Günther (l.) und Ute Bringezu prüfen die Brücke in Zelz. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Zelz. Bei der Hauptprüfung begutachtetIngenieurbüro Lager, Geländer, Fugen und Risse.

Noch langsamer als ein Fußgänger läuft, fährt Uwe Scholz über die Brücke in Zelz. Auf der Ladefläche des Transporters ist eine Metallkonstruktion befestigt, die bis unter die Brücke reicht. Es handelt sich um ein Brückenuntersichtgerät. Darauf stehen die Bauingenieurin Margitta Günther und die Technikerin Ute Bringezu. Beide prüften am Mittwoch die Fußgänger- und Radfahrerbrücke in Zelz. Nach der Gewährleistungsprüfung fünf Jahre nach der Fertigstellung handelt es sich um die erste Hauptprüfung des 2008 errichteten Bauwerks. Günther und Bringezu sind beim Potsdamer Ingenieurbüro VIC Planen und Beraten beschäftigt und begutachten bundesweit Brücken.

Der Landkreis Spree-Neiße als Eigentümer der Neißetalbrücke hat die Brückenprüfung in Auftrag gegeben. Die Fristen dafür sind deutschlandweit festgeschrieben. Frank Kuckert, Sachgebietsleiter der Unteren Straßenbaubehörde, erklärt, dass es einen dreijährigen Rhythmus für die Brückenprüfung gibt. Dabei wechseln die einfache Prüfung und die Hauptprüfung einander ab. Ergebnis ist ein Brückenzustandsbericht, aus dem eventuell nötige Reparaturarbeiten abgeleitet werden.

Auch im Fall der Zelzer Brücke gibt es diesen Bericht. Als Gesamturteil ist darauf die Note 1,3 vermerkt. Die Brücke ist demzufolge in einem sehr guten Zustand. Die Prüfung beginnt beim Brückenlager auf der deutschen Seite. „Wir haben eine leichte Schiefstellung festgestellt“, erklärt Ute Bringezu. Sie liege innerhalb der Toleranz. Und auch wenn es Mühe macht, die Metallabdeckung aufzuschrauben, nehmen die Prüferinnen die über dem Lager befindliche Übergangskonstruktion genau in Augenschein. Diesmal helfen Mitarbeiter der Straßenmeisterei beim Lösen der Schrauben. Sie haben zuvor die Findlinge vor der Brücke zur Seite genommen, damit das Auto mit dem Brückenuntersichtgerät überhaupt fahren kann. Die Dehnfuge quer über die Fahrbahn, die Ausdehnungen des Brückenkörpers möglich macht, ist in Ordnung. Ute Bringezu lobt den Zustand der Brücke. Das Bauwerk sei gepflegt, auch Treppe und Böschung neben der Brücke sind sauber.

Weit geht es unter der Brücke. Geschaut werde nach Mängeln am Baukörper, die Standsicherheit oder Haltbarkeit beeinflussen können, so Bringezu. Jede noch so kleine Abweichung, jeder Riss wird dokumentiert und im Foto festgehalten. Hilfsmittel bei der Prüfung sind eine Taschenlampe, die Wasserwaage, ein an einem Stab befestigter Spiegel, ein Hammer und ein Entfernungsmesser. Vor allem aber brauche es einen geschulten Blick, so Margitta Günther. Weitere Hinweise ergeben sich aus den im Zustandsbericht erfassten Auffälligkeiten.

Den ganzen Tag nimmt die Kontrolle der rund 100 Meter langen Neißetalbrücke in Anspruch. Was im Sommer schön sei, kann im Herbst bei eisigem Wind schnell unangenehm werden, bemerkt Fahrer Uwe Scholz. Günther und Bringezu berichten von Gefahren, die sich beispielsweise auf Autobahnbrücken ergeben, wenn Fahrer die Geschwindigkeit nicht reduzieren.

Nach dem Blick von unten folgt die Begutachtung des Geländers, der Fugen und der Fahrbahn. Ein Computerprogramm errechnet aus allen Parametern die Gesamtnote für die Brücke in Zelz. Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit werden dann in einer einzigen Zahl abgebildet. Diese Note bewegt sich zwischen 1 für einen sehr guten Zustand und 4 für einen ungenügenden Zustand.

Im Landkreis Spree-Neiße gibt es insgesamt 19 Brücke, für die der Kreis verantwortlich ist. Die meisten sind intakt. Vor zwei Jahren wurden drei mit der Note 2,9 oder 3 eingestuft. Die Kategorie ungenügend erhielten die Brücke in der Ortsdurchfahrt Bärenbrück sowie die Brücke über das Mühlenfließ in Bresinchen. Die ebenfalls beanstandete Brücke über das Schwarze Fließ in Guben wurde im vergangenen Jahr erneuert.