Am 26. Mai wählen die Forster eine neue Stadtverordnetenversammlung. Insgesamt 83 Kandidaten bewerben sich für einen der Sitze. Die LAUSITZER RUNDSCHAU hat Parteien und Wählergruppen sowie den Einzelkandidaten Fragen zur Zukunft der Stadt Forst geschickt. Heute geht es um das Thema Leerstand in der Stadt Forst. Rund 30 Prozent der Wohnungen des Großvermieters FWG sind in der Stadt ungenutzt, außerdem sind viele Ladenlokale verwaist. Wir haben deshalb gefragt: Was muss getan werden, um dem Leerstand von Wohn- und Gewerbeimmobilien in der Stadt entgegenzuwirken?

CDU: Der schon jetzt geplante Abriss weiterer Neublöcke muss überprüft werden, wir können die Innenstadt nicht völlig entkernen. Die Wohnungen sollten entsprechend des Bedarfes verändert werden: Für junge Familien, die eine große Wohnung suchen können zwei Wohnungen zusammengefasst und entsprechend umgebaut werden. Wir brauchen altersgerechte Wohnungen im Zentrum: Ausrüstung eines Neublocks mit Fahrstühlen, Einbau von Gemeinschaftsräumen, Portierdienst im Haus. Da die Forster Wohnungen nur noch verwaltet wurden, setzten wir gemeinsam mit der Fraktion „Die Linke“ eine Veränderung an der Spitze der FWG durch. Wir setzen jetzt auf die Ideen der neuen Geschäftsführerin.

SPD: Die Stadt Forst muss für Zuzug aus nah und fern aktiv werben. Dazu benötigen wir ein attraktives Zentrum mit einer guten Mischung aus Wohnen, Einkaufen, Freizeit und Gastronomie. Als Zielgruppe müssen Familien mit Kindern, aber auch ältere Bürger stärker angesprochen werden. Die Vorteile der Kita-Betreuung, aller Schulangebote am Ort, der kurzen Wege in der Stadt, der Bahnanbindung müssen stärker herausgestellt und weiterentwickelt werden. Hierzu zählt der weitere Ausbau des ÖPNV und die Einführung eines 30-Min-Taktes nach Cottbus und die Verbesserung der Verbindungen nach Polen. Die FWG muss bei der Stadtentwicklung eine aktivere Rolle übernehmen und ein schlüssiges Zukunftsprojekt für den Ausbau von altersgerechtem Wohnraum vorlegen. Günstige Immobilienpreise und das gute Freizeitangebot müssen stärker herausgestellt werden. Zuzug bringt auch Impulse für das Gewerbe. Denkbar ist die Schaffung eines Gründerzentrums in einem leerstehenden Fabrikgebäude z.B. in Zusammenarbeit mit der BTU. Wir müssen unsere Stärken herausstellen und sie weiterentwickeln.

Die Linke: Wir brauchen eine starke Wohnungsbaugesellschaft mit Ideen zur Aufwertung der Wohnungen, gerade für ältere Menschen. Kein vollständiger Abriss, barrierefreie Umgestaltung/Fahrstühle. In anderen Städten gibt es gute Beispiele. Die Schaffung von neuen Wohnprojekten, z. B. generationsübergreifende Gemeinschaften könnte ein Ansatz sein. Die Einwirkung auf die Gestaltung der Mietpreise von Gewerbeimmobilien kann zu einer Belebung der Innenstadt führen.

FDP: In diesem Politikfeld brauchen wir endlich Ehrlichkeit in der Debatte. Wir müssen auf der einen Seite dem Leerstand durch Abriss begegnen und auf der anderen Seite durch innovative Konzepte unsere Potenziale nutzen. Forst muss ein neuer Vorort von Dresden, Berlin und Leipzig werden. Deshalb sehen wir die schnelle Anbindung unserer Heimatstadt auf der Schiene und der Straße als wichtige Aufgabe. Auf dieser Grundlage lassen sich unterschiedliche Konzepte entwickeln, die mit den Beteiligten umgesetzt werden. Forst ist für uns dabei das Zuhause von Jung und Alt. Junge Familien möchten wir durch attraktiven Wohnraum und eine starke Wirtschaft in die Stadt holen. Ältere Personen sollen gleichzeitig ihren Lebensabend in altersgerechten Wohnungen verbringen. Sehr wichtig ist uns hierbei, dass wir nicht die Generationen untereinander ausspielen werden und dabei alle Ortsteile unserer Heimatstadt in die neuen Stadtentwicklungsideen mit einbeziehen.

Bürger für die Lausitz: Dem vorhandenen Leerstand entgegenzuwirken ist ja eine Aufgabe, die schon seit Jahren besteht. Eine Faustformel gibt es nicht und wird es nie geben. Abriss ist ein Ansatz, Rückbau und altersgerechter Umbau wären auch mögliche Mittel, die aber auch finanziert werden müssten. Ich würde hier mehr Druck auf die FWG ausüben, um Lösungen anzugehen. Mit der Ansiedlung von Industrie und dem Ausbau unserer Region als Tourismusmagnet in den nächsten Jahrzehnten wäre auch ein Rückang des Leerstandes verbunden.

Bündnis 90/Die Grünen: Forst braucht Einwohner. Als Pendlerstadt im Umfeld von Cottbus haben wir die Möglichkeit, mit günstigen Grundstückspreisen und Mieten ein Leben hier lebenswert zu machen. Wohnungen müssen attraktiver werden, daher plädieren wir für mehr Sanierungen vieler leerstehender Objekte und Aufwertung bereits bestehender Gebäude. Neue Anreize wie etwa generationsübergreifende Wohnprojekte, die gezielt Alt und Jung vereinen, müssen in der Stadtplanung Berücksichtigung finden. Es ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit.

Gemeinsam für Forst: Dem Leerstand sollte nicht nur mit Rückbau begegnet werden. Auch wenn die schwierige Situation der FWG sicher keine großen Sprünge erlaubt, wird unsere Wählergruppe Ideen vorstellen, wie der vorhandene Wohnraum für die verschiedenen Bedürfnisse der potentiellen Mietinteressenten umgestaltet werden kann. Wir kennen gute Beispiele und sehen weitere Möglichkeiten, neue Bewohner von der hohen Lebensqualität in Forst zu überzeugen. Neben der Umgestaltung vorhandener Gebäude sehen wir die FWG auch in der Pflicht, dem Namen Wohnungsbaugesellschaft gerecht zu werden und im Stadtzentrum mit gutem Beispiel voran zu gehen. Ebenso wollen wir für private Vermieter Anreize schaffen, mehr generationengerechten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Für ungenutzte Gewerbe- und Wohngebäude stellen wir uns eine Datenbank vor, in der eigentumslose oder verkäufliche Immobilen abgerufen werden können. Die Fördermöglichkeiten im Rahmen des Stadtumbauprogramms können so sicherlich besser ausgeschöpft werden.

Einzelbewerber Helmut Fleischhauer: Der Bereich "Stadtmarketing" ist der für mich wichtigste Schwerpunkt, neue Bürgerinnen und Bürger und Rückkehrer zu gewinnen, Arbeitsplätze zu schaffen und damit die Kaufkraft deutlich zu verbessern. Viele Städte buhlen um Ansiedlungen und Fachkräfte, deshalb muss das Stadtmarketing ein aktives und gezieltes Verkaufsprojekt werden. Da ich aus dem Verkauf und Marketing kommen, ist für mich die Stadt Forst (Lausitz) so etwas wie ein „Produkt“. Obwohl Forst eine kleine Kreisstadt ist, hat sie vieles zu bieten, was deutlich größere Städte nicht bieten können. Da ist der Ostdeutsche Rosengarten (in anderen Städten wäre das vergleichbar mit einem botanischen Garten) ein Aushängeschild. Es gibt zwei innerstädtische Parks, die Neißeauen, das Brandenburgische Textilmuseum (einmalig in Brandenburg), ein Frei- und ein Hallenbad, Horte, Kitas, Schulen bis hin zum Gymnasium und eine große Auswahl an Vereinen, das Rad- und Reitstadion, ein wunderbares Naturschutzgebiet, preiswerten Wohnraum und preiswerte Häuser. Wer kein eigenes Haus hat, aber einen Garten möchte, wird in den vielen Gartensparten schnell fündig. Kulturelle Veranstaltungen finden zwar nicht jeden Tag für jeden Geschmack statt, trotzdem ist das Angebot für die kleine Stadt abwechslungsreich. Im Nahbereich befinden sich die BTU Cottbus-Senftenberg, das Staatstheater, der Branitzer Park, ein Tierpark und in Bad Muskau der Fürst Pückler Park. Ich werde mich dafür einsetzen, dass mit diesen Pfunden gewuchert wird, um Forst (Lausitz) als einen attraktiven Wohnort für Familien, Studierende, Seniorinnen und Senioren zu bewerben und damit die Kaufkraft zu erhöhen. Bei der Bewerbung muss der Blick auch über die Grenze gerichtet werde. Eine polnische Einwohnerschaft gibt es bereits und die sollte weiter gestärkt werde. Unter AKTIVER Vermarktung zur Ansiedlung von Unternehmen verstehe ich, Kontakt mit geeigneten Unternehmen aufzunehmen und sie nach Forst einzuladen, um ihnen Gewerbeflächen, die Verkehrsanbindungen, das Wohnumfeld und die Umgebung zu zeigen. Tolle Broschüren haben auch andere Städte, die um Ansiedlungen buhlen. Mögliche Investoren müssen das in Natura sehen. (Anmerkung der Redaktion: Helmut Fleischhauer hat die Antworten zu den Themen Industrie und Leerstand zusammengefasst).

Die Alternative für Deutschland und die Piratenpartei haben sich nicht an der Umfrage beteiligt.