(sh) In gut einer Woche wählen die Forster eine neue Stadtverordnetenversammlung. Insgesamt 83 Kandidaten bewerben sich für einen der Sitze. Die LAUSITZER RUNDSCHAU hat Parteien und Wählergruppen sowie den Einzelkandidaten Fragen zur Zukunft der Stadt Forst geschickt.

Heute geht es um das Thema Wirtschaft und Industrie. Wir haben die Kandidaten gefragt: Wie kann es Forst gelingen, Unternehmen in die Stadt zu holen?

CDU: Das Gewerbegebiet ist erschlossen, die Infrastruktur ist gut, Autobahn und Schiene sind vorhanden. Trotzdem fehlt Forst Industrie. Wir können nur die Voraussetzungen verbessern. Sehr wichtig ist eine gute Schulbildung der Forster Jugendlichen: Alle jetzigen Schulen sind zu erhalten, rasche Ausrüstung der Schulen mit modernen Unterrichtsmethoden und Computern, Unterricht nur durch ausgebildete Lehrer. Die Bahnanbindung muss verbessert werden, das zweite Gleis nach Cottbus, die Elektrifizierung der Strecke und die Anbindung nach Polen müssen im Rahmen der Umstrukturierung rasch erfolgen.

SPD: Der Wirtschaftsstandort Forst, mit seinen vorhandenen Vorteilen, wie der Autobahn- und Schienenanbindung, den vorhandenen Gewerbeflächen, den günstigen Immobilienpreisen, den guten Angeboten der Kindertagesbetreuung sowie dem Schulangebot usw., muss viel stärker herausgestellt und gezielt beworben werden. Zur Verbesserung der Standortqualität ist ein zweigleisiger Ausbau und die Elektrifizierung der Bahnstrecke Cottbus – Forst erforderlich. Die Zusammenarbeit mit Polen ist auf allen Feldern zu intensivieren. Auch im Tourismusbereich sind noch Potentiale vorhanden. Mit erweiterten Angeboten des Museums, dem Freibad, dem Rosengarten etc. können noch stärker Besucher aus nah und fern angezogen werden. Der Rosengarten könnte sich in Kooperation mit anderen Angeboten in der Region und in Zusammenarbeit mit Reiseunternehmen zu einem Magnet für Besucher z.B. aus Berlin und Dresden entwickeln. Es braucht ein Konzept zur Unterstützung junger Existenzgründer, von Start-Up-Unternehmen und des Mittelstandes. Hierzu ist die Zusammenarbeit mit dem Kreis und dem Land, aber auch der IHK, der HWK und der BTU Cottbus unerlässlich.

Die Linke: Die BürgermeisterIn ist die erste WirtschaftsförderIn der Stadt. Bestehende Unternehmen und Gründungswillige sind bei der Beantragung und Verwendung von Fördermitteln umfangreich zu unterstützen. Dazu Bedarf es einer individuellen Betreuung. Jungen Unternehmen ist der Zugang zu öffentlichen Aufträgen durch entsprechende Fachinformationen und Weiterbildungsangebote zu ermöglichen. Die Bereitstellung von Risikokapital für junge Talente ist nach Klärung der rechtlichen Rahmenbedingungen zu prüfen. Der jetzt vereinbarte Strukturwandel in der Lausitz ist eine Chance. Das braucht eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsfördergesellschaft des Landkreises, eine bessere Kooperation mit GUB, SPB und CB. Die Zusammenarbeit mit unseren polnischen Nachbarn ist zu intensivieren.

FDP: Wir setzen auf das Zusammenspiel aus der Wertschätzung ansässiger Unternehmen und einer Politik, die Neuansiedlungen fördert. Ziel muss dabei stets die Entlastung der Wirtschaft sein. Forster Unternehmen stärken wir durch das Label „Made in Forst (Lausitz)“, durch das heimische Produkte und Dienstleistungen besonders wertgeschätzt und gekennzeichnet werden sollen. Außerdem unterstützen wir indirekt durch die Investition in Bildung und Ausbildung unsere Unternehmen auch personell, weil wir dort eine zentrale Aufgabe des Staates sehen. Den Wirtschaftsstandort Forst wollen wir für neue Unternehmen attraktiver gestalten, indem wir Start Ups finanziell fördern und neuen Unternehmen durch ein bürokratiefreies erstes Jahr entlasten. Durch unsere Wirtschaftsförderung „Impuls 2020“ werden wir erstmals in der Politik ein ganzes Jahr der Wirtschaft widmen. Dabei sehen wir bei der digitalen Verwaltung, der Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Partnern und der Digitalisierung noch viel Potenzial.

Bürger für die Lausitz: Hier sollten die Netzwerke unserer großen Unternehmen und Unternehmer genutzt werden. Die teilweise weltweiten Kontakte könnten dafür genutzt werden, um unseren Standort ins Blickfeld zu rücken. Hier sollte die Wirtschaftsförderung noch enger mit den Unternehmen zusammen arbeiten. Logistisch gesehen haben wir prinzipiell einen recht guten Standort. Darauf muss einfach an den richtigen Stellen immer wieder hingewiesen werden.

Bündnis 90/Die Grünen: Forst hat durch seinen grenznahen Standort viel Potenzial durch Handelsbeziehungen mit Polen wirtschaftlich attraktiv zu werden. Wir haben im Forster Gewerbegebiet ein gutes Beispiel dafür. Daher sollten die Möglichkeiten als „Tor zum Osten“ optimal ausgeschöpft werden. Das bedarf einer gut strukturierten und motivierten Wirtschaftsplanung innerhalb der Verwaltung. Zusätzlich ist es zwingend notwendig die digitale Infrastruktur auf den Stand der Technik zu bringen. D.h. Glasfaseranschlüsse in ganz Forst zur Verfügung zu stellen.

Gemeinsam für Forst: Starke Unternehmen vor Ort sind die beste Wirtschaftsförderung und Werbung für weitere Ansiedlungen. Die Unterstützung der Forster Unternehmen sollte deshalb verbessert werden. Neuansiedlungen im Gewerbegebiet, aber auch in der Innenstadt, benötigen eine moderne Infrastruktur, die in einigen Bereichen noch besser ausgebaut werden muss. Ich stelle mir vor, dass mit unseren Standortvorteilen dann auch konkret Unternehmer angeworben werden könnten, die bisher noch nicht an Forst gedacht haben. Vor allem werde ich mich aber dafür einsetzen, dass sich die Stadt Forst viel stärker in die Verhandlungen über den Strukturwandel einbringt. Momentan ist auf diesem Gebiet leider zu wenig aus Forst zu hören. Zudem wird die Wählergruppe „Gemeinsam für Forst“ darauf drängen, die Ansiedlung von Unternehmen aus Polen besser zu unterstützen. Wir können in diesem, für die Zukunft unserer Stadt so wichtigen Bereich einen großen Erfahrungsschatz einbringen und gemeinsam das Beste für Forst bewirken.

Einzelbewerber Helmut Fleischhauer: Der Bereich „Stadtmarketing" ist der für mich wichtigste Schwerpunkt, neue Bürgerinnen und Bürger und Rückkehrer zu gewinnen, Arbeitsplätze zu schaffen und damit die Kaufkraft deutlich zu verbessern. Viele Städte buhlen um Ansiedlungen und Fachkräfte, deshalb muss das Stadtmarketing ein aktives und gezieltes Verkaufsprojekt werden. Da ich aus dem Verkauf und Marketing kommen, ist für mich die Stadt Forst (Lausitz) so etwas wie ein „Produkt“. Obwohl Forst eine kleine Kreisstadt ist, hat sie vieles zu bieten, was deutlich größere Städte nicht bieten können. Da ist der Ostdeutsche Rosengarten (in anderen Städten wäre das vergleichbar mit einem botanischen Garten) ein Aushängeschild. Es gibt zwei innerstädtische Parks, die Neißeauen, das Brandenburgische Textilmuseum (einmalig in Brandenburg), ein Frei- und ein Hallenbad, Horte, Kitas, Schulen bis hin zum Gymnasium und eine große Auswahl an Vereinen, das Rad- und Reitstadion, ein wunderbares Naturschutzgebiet, preiswerten Wohnraum und preiswerte Häuser. Wer kein eigenes Haus hat, aber einen Garten möchte, wird in den vielen Gartensparten schnell fündig. Kulturelle Veranstaltungen finden zwar nicht jeden Tag für jeden Geschmack statt, trotzdem ist das Angebot für die kleine Stadt abwechslungsreich.

Die Alternative für Deutschland und die Piratenpartei haben sich nicht an der Umfrage beteiligt.