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| 17:16 Uhr

Energiewende
Noch Potenzial beim Klimaschutz in Forst

Groß war das Interesse an den Windrädern in Briesnig zur Baustellenbesichtigung. Selbst wenn sie nicht allen gefallen, sind die Anlagen ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt.
Groß war das Interesse an den Windrädern in Briesnig zur Baustellenbesichtigung. Selbst wenn sie nicht allen gefallen, sind die Anlagen ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Forst. Strom aus Wind- und Sonnenenergie wird in Forst bereits erzeugt. Nachholbedarf gibt es bei Mobilität und Wärmeerzeugung, so die Bilanz nach sieben Jahren. Von Katrin Kunipatz

Euphorie und Ernüchterung liegen beim Klimaschutz nah beieinander. So jedenfalls formuliert es Bauverwaltungsvorstand Heike Korittke beim Informationsabend zum Klimaschutzkonzept. Die Forster – so scheinen es – haben weniger Interesse am Thema. Nicht mal eine Handvoll Zuhörer wollte erfahren, wo Forst beim Klimaschutz steht. Dabei fällt die Bilanz gar nicht so schlecht aus. Zwischen 2009 und 2016 hat sich der Stromverbrauch verringert, stellt Uwe Mixdorf fest. Der Geschäftsführer des Büros Faktor i3 analysiert das Klimaschutzkonzept der Stadt, bewertet die Veränderungen und erarbeitet Vorschläge, wie Forst dem Ziel „Klimaneutrale Stadt“ näher kommen kann. Beim Kohlendioxidausstoß hat sich innerhalb der sieben Jahre kaum etwas getan, so Mixdorf

Positive Entwicklung bilanziert er bei der Wärmeerzeugung. Verbraucher stiegen von Kohle oder Öl auf Erdgas um und der Anteil von Wärme aus erneuerbaren Energien habe sich innerhalb von sieben Jahren verdoppelt. Für den Kohlendioxidausstoß sei dies vorteilhaft. Doch vor allem hinsichtlich der Fernwärme gäbe es noch Potenzial. Durch den Abriss einzelner Blöcke werde das teure Fernwärmenetz nicht optimal genutzt. Er schlägt beispielsweise vor, die Grundschule Mitte sowie die Turnhalle und das Textilmuseum, später auch Rathaus oder Oberschule in das verdichtete Netz einzubinden.

Bei der Stromerzeugung könnte sich die Stadt Forst theoretisch selbst versorgen. Obwohl die fünf Windräder in Briesnig noch nicht am Netz sind, erzeugen die Biogasanlage und vorhandene Anlage mit Kraft-Wärme-Kopplung mehr Strom, als in der Stadt benötigt wird. Aber auch hier gibt es noch Potenzial. In dem Windeignungsgebiet können weitere 15 Anlagen errichtet werden. Hinsichtlich der Sonnenenergie gäbe es, laut Mixdorf, noch etwa 540 000 Quadratmeter freie Dachfläche für Photovoltaik oder Solarthermieanlagen.

Kaum Bewegung gab es dagegen zwischen 2009 und 2016 bei der Mobilität. Energieverbrauch und Kohlendioxidausstoß sind trotz sinkender Einwohnerzahl gleich geblieben, konstatiert Mixdorf. Ein Aspekt den Stadtwerkechef Wolfgang Gäbler aufgreift: „Wir müssen die Bevölkerung einbeziehen.“ Die Stadtwerke Forst haben dies mit dem Smart-Meter-Projekt versucht. Kunden konnten ihren Strom- und Gasverbrauch direkt am Computer analysieren. Das anfänglich große Interesse lies jedoch im Verlauf des Jahres drastisch nach, so Gäbler. Wie erfolgreich andere Ideen sind, die Menschen bewegen sollen ihr Verhalten zu ändern werde sich zeigen.

Die Stadtwerk gehen deshalb eigene Wege. Bekannt ist die Förderung der Elektromobilität. In Forst gibt es zwei öffentliche und fünf private Ladestationen. Für die Errichtung drei weiterer seien Fördermittel beantragt worden. Während die Lausitz Klinik und die Stadtwerke bereits E-Autos im Fuhrpark haben, soll die Stadtverwaltung bis zum Jahresende ebenfalls zwei Elektroautos erhalten.

Aber wer tatsächlich klimaneutral fahren möchte, sei auch auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen angewiesen. Gäbler rechnet vor: Die Kilowattstunde (kWh) Grüner Strom koste einen halben Cent mehr. Bei einem Jahresverbrauch von 2500 kWh wären es 12,50 Euro. „Für den Preis von zwei Schachteln Zigaretten könnte man etwas fürs Klima tun“, schlussfolgert Bürgermeisterin Simone Taubenek. Ähnlich wäre es bei der Nutzung von sogenanntem „Grünen Gas“. Die Preissteigerung beliefe sich auf etwa ein Prozent, so Gäbler. Mit dem zusätzlichen Geld würden überall in der Welt Projekte zum Klimaschutz unterstützt. Bisher nutzen die Stadtwerke Biomethan nur in der Fernwärmeerzeugung.

Andere Überlegungen des Stadtwerkechef zielen auf die Speicherung von Energie ab. In Form von Wärme geschieht dies bereits seit 2013. Ein Konzept bei dem mit überschüssigem Strom Wasserstoff erzeugt und eingelagert wird, sei zu kostenintensiv. Bei der Fortschreibung des Klimaschutzkonzeptes geht es nun darum, weitere Potenziale zu finden, um das Ziel klimaneutrale Stadt bis 2030 zu erreichen.