Gemeinsam mit ihrem Ehemann Klaus (62) hat Marlies Reckin bereits Pfauen, Enten, Gänse, Perser-Katzen, Kaninchen, Wellensittiche, Nymphensittiche, Goldfasane sowie Tauben, Hühner und Wachteln auf dem Grundstück betreut, seit sie vor rund 30 Jahren an den Rand der Stadt in den Stadtteil "Mexiko" gezogen sind. Doch die kleine Menagerie besteht derzeit neben Paulchen und Paulinchen nur noch aus Mischlingshund Leon. "Die Tiere bereiten uns viel Freude", sagen die beiden Ruheständler. Igel hätten immer auf dem großen Anwesen gelebt. Doch im Oktober verbellte Leon zwei winzige Meckys. Von der Igelmutter war weit und breit nichts zu sehen. "Wahrscheinlich wurde sie überfahren", vermuten Marlies und Klaus Reckin, denn kurz zuvor seien bereits zwei junge Igel Opfer des Straßenverkehrs geworden.
Als auch nach Tagen kein ausgewachsener Igel aufgetaucht war, nahmen Reckins die Winzlinge in ihre Obhut. "Paulinchen, das als Erkennungsmerkmal ein weißes Pünktchen auf dem Stachelkleid trägt, wog 180 Gramm. Paulchen brachte sogar nur 160 Gramm auf die Waage", so Tierfreund Reckin. Aus der Fachpresse und beim Tierarzt holte sich das Ehepaar Hinweise zur Igelaufzucht.

Auf den Winterschlaf vorbereitet
Rund 750 Gramm müsse ein Igel wiegen, um den Winterschlaf in freier Natur zu überstehen, hieß es. Liebevoll richteten die Reckins in zwei geräumigen ehemaligen Hasenboxen Igelquartiere ein. Mit Katzenfutter, gekochtem und kleingeschnittenen Hühnerfleisch und Apfelschnitzen als Vitaminspender wurde der stachelige Besuch aufgepäppelt.
Inzwischen haben die Igelkinder erheblich an Gewicht zugelegt, verfügen nun über lebensrettenden Bauchspeck. Mit beinahe 900 Gramm konnte jedes der Igelgeschwister beim letzten Wiegen aufwarten. "Ganz wichtig sind auch frisches Wasser und ein immer gut gereinigtes Igelhaus", erklärte Marlies Reckin, die ihre kleinen Feinschmecker auch gern mit Frischkost verwöhnt. Bei günstiger Witterung sucht sie deshalb Regenwürmer im Garten. "Ein ausgesprochener Leckerbissen für Paulchen und Paulinchen", versichert sie. Die Kleinen sind nachtaktiv. Gibt es eine lange Fernsehnacht, gibt es auch "Freilauf" im Nebengelass für das muntere Duo. "Das ist besser als jeder Fernsehkrimi", meint das Ehepaar Reckin. "Im Frühjahr werden wir uns von den beiden trennen müssen. Doch wir hoffen, sie bleiben ihrem Quartier in unserem Garten treu", blicken beide optimistisch auf den Frühlingsbeginn.
500 Gramm müsse ein Igel wiegen, bis er in der Natur seinen Winterschlaf antreten könne, sagte die Leiterin des Forster Tierheimes, Renate Behrendt. Auch in diesem Jahr betreuen die Helfer im Freigehege wieder zahlreiche stachlige Überwinterungsgäste, die von besorgten Forster Einwohnern abgegeben wurden. An vielen Stellen wurden dicht mit Stroh ausgefütterte Quartiere bereitet. Auch ausgediente Hundehütten sind zu Igelwohnungen umfunktioniert worden. Igelfreunden, die im Herbst bei milder Witterung in den Gärten noch recht kleine Igel finden, rät sie, diese gut zu füttern. "Bis zum ersten Kälteeinbruch legen sie oft noch erheblich an Gewicht zu", weiß Renate Behrendt aus Erfahrung. Gegenwärtig schlafen alle Igel im Tierheim fest. Im Frühjahr staunen die Mitarbeiter oft, welch kräftige Burschen bei den ersten wärmenden Sonnenstrahlen aus den Winterquartier en hervorkrabbeln. Ausgehend vom Freigehege erobern sie dann in der freien Natur wieder ein neues Lebensrevier.