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Kleine Körnchen ganz groß – Sand ist nicht nur Strand

Präsentierten die ersten Teile der Sandsammlung in Döbern: Nancy Sauer vom Geopark (l.) und Cathrin Vogell vom Bergbau-Landesamt.
Präsentierten die ersten Teile der Sandsammlung in Döbern: Nancy Sauer vom Geopark (l.) und Cathrin Vogell vom Bergbau-Landesamt. FOTO: Steffi Ludwig
Döbern. Dass der Sand das diesjährige Gestein des Jahres ist, dürfte nicht in aller Munde sein. Dass die Körnchen jedoch in aller Hände sind, zeigt deren Bedeutung. Deshalb hat der Geopark Muskauer Faltenbogen eine Projektreihe "Sand" gestartet. Geologin Cathrin Vogell vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg hat dazu interessante Einblicke geboten. Steffi Ludwig

Er besteht aus Körnchen in einer Größe von 0,063 bis zwei Millimetern, kann je nach Zusammensetzung und Herkunftsort unterschiedliche Farben haben - und ist ein unentbehrlicher Rohstoff für die Wirtschaft. Dass Sand vor allem im Baubereich für beispielsweise Beton verwendet wird, würden die meisten noch wissen, berichtet Cathrin Vogell vom brandenburgischen Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe aus Cottbus. Aber dass auch in jedem Smartphone etwas Sand steckt, wo er für elektronische Bauteile verwendet wird, und ebenso für die Herstellung von Glas oder Auto- und Fahrradreifen wichtig ist - das wüssten die Wenigsten, äußerte sich die 30-jährige Geologin über die Bedeutung des Sandes. Auch für Fliesen, Dachziegel, Teppiche und Scheuermittel werde Sand eingesetzt. Sichtbarer sei er dann wieder als Spielsand oder als Sandskulptur - und natürlich als Erholungsfaktor Traumstrand an Ostsee oder Mittelmeer.

Diese vielfältigen Faktoren hätten die Experten des Berufsverbands Deutscher Geowissenschaftler (BDG) und der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften (DGG) bewogen, den Sand als Gestein des Jahres 2016 zu küren und ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Sand finde sich überall auf der Erde - und besonders natürlich im gern als "Streusandbüchse" bezeichneten Land Brandenburg. Hierher hätten Gletscher aus Skandinavien in den Eiszeiten viel Gesteinsmaterial mitgebracht. "Durch Verwitterung der Festgesteine entsteht dann Sand. Chemische und mechanische Einflüsse lassen den festen Kornverband auflösen", so Cathrin Vogell. Das dauere je nach Härte des Gesteins lange Zeit, oft viele Millionen Jahre. "Je stärker gerundet die Körner sind, umso länger sind sie transportiert worden", weiß die Geologin.

Da die Entstehung des Sandes so lange dauere, stehe der Rohstoff auch nicht unendlich zur Verfügung. "Momentan wird weltweit mehr Sand verbraucht als nachentstehen kann", bringt es Cathrin Vogell auf den Punkt. Beispielsweise der Bauboom im Nahen Osten sei ein Grund dafür - da der Wüstensand nicht zum Bauen geeignet sei, müsse der Sand importiert werden.

"In Brandenburg haben wir aber genug Sand, um den Bedarf zu sichern", sagt die Mitarbeiterin des Landesamtes auf eine Frage aus dem Publikum. So könne beispielsweise auch Straßenbaumaterial recycelt werden, um Sand zu "sparen".

In Brandenburg rangiere Sand als drittgrößte Rohstoffgruppe nach Grundwasser und Braunkohle. Es gebe 200 Sand- und Kiessandlagerstätten unter Bergaufsicht. Dazu zählten unter anderem die Kiessandlagerstätten in Lossow, einem Ortsteil von Frankfurt (Oder), in Buchholz (Prignitz), Wittstock-Scharfenberg (Ostprignitz-Ruppin) und Altlandsberg (Märkisch-Oderland) und Mühlberg (Elbe-Elster). "Pro Jahr werden hier 16 Millionen Tonnen Sand und Kiessand gewonnen", berichtet Cathrin Vogell. Besonders wertvoll sei der Quarzsand aus Hohenbocka im Oberspreewald-Lausitz-Kreis, der vor allem für die Glas- und Gießereiindustrie verwendet werde. Jeder Arbeitsplatz in der Gewinnung des Sandes sichere fünf bis sieben Folgearbeitsplätze in der weiterverarbeitenden Industrie. Ein Problem sei jedoch, dass die Sandgewinnung oft mit anderen Flächennutzungen kollidiere. Da Sand als Rohstoff gebraucht werde, sei hier zunehmend die Regionalplanung gefragt, so Cathrin Vogell.

Und mit noch einer interessanten Zahl kann sie aufwarten: Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe verbrauche jeder Deutsche im Laufe seines Lebens 245 Tonnen Bausand und Baukies. Dies sei natürlich hochgerechnet und schließe sämtliche Bauarbeiten ein. Im Jahr 2014 habe die nachgefragte Menge an Kiessand in Deutschland 240 Millionen Tonnen mit einem Wert von 1,5 Milliarden Euro betragen.

Ob denn vorgesehen sei, dass aus alten Kiesgruben Geotope werden, wollte Geopark-Geschäftsstellenleiterin Nancy Sauer wissen und verwies beispielsweise auf Reuthen im Muskauer Faltenbogen. Ja, dies sei nach der Auskiesung als Ausgleichsmaßnahme vorgesehen, so Cathrin Vogell.

Zum Thema:
Anlässlich der Wahl des Gesteins des Jahres 2016 beginnt die Geschäftsstelle des Unesco-Geoparks Muskauer Faltenbogen mit einer neuen Projektreihe zum Thema Sand. Besonders für Schulklassen der Stufen zwei bis acht dürfte die Reihe interessant sein. Im Angebot ist das Sandprojekt "Ein Körnchen Wahrheit", in dem anhand verschiedener Sande aus vielen Ländern der Erde die Entstehung und Verwendung dargestellt werden und umfangreiches Wissen zu regionalen Besonderheiten oder Sandlebensräumen vermittelt wird. Außerdem werden Experimente mit Sand durchgeführt. Weiterhin werden Exkursionen in die Kiesgrube angeboten, bei denen sich alles um diesen wertvollen, aber oftmals unbeachteten Rohstoff dreht. Zu den Projektstunden kommt das Geoparkteam auch gern in die Schulen. Details können in der Geschäftsstelle nachgefragt werden (Telefon 035600 368712, -13 oder -14 oder per Mail an info@muskauer-faltenbogen.de).Am 28. Oktober ist für alle Interessenten eine Exkursion zur Kiesgrube Reuthen (Spree-Neiße) eplant. Themen sind hier unter anderem die Rohstoffnutzung und der Naturschutz. Die Exkursion beginnt um 13 Uhr am Gutshaus Reuthen, die Teilnahme ist kostenlos. Auf seiner neuen Facebook-Seite will der Geopark nach Auskunft von Geschäftsstellenleiterin Nancy Sauer jeden Monat einen der Sande der Sandsammlung etwas näher vorstellen. Etwa zwölf Sandproben von den verschiedensten Erdteilen sind bereits in Döbern eingetroffen. www.muskauer-faltenbogen.de