ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:14 Uhr

Schutz der Wälder
Klare Forderungen an das Land

Bei Waldbränden – wie hier in Jethe – waren die Feuerwehren des Landkreises enorm gefordert. 165 Alarmierungen wurden gezählt.
Bei Waldbränden – wie hier in Jethe – waren die Feuerwehren des Landkreises enorm gefordert. 165 Alarmierungen wurden gezählt. FOTO: Feuerwehr Groß Kölzig / Uwe Wonneberger
Döbern/Spree-Neiße. Die AG „Schutz der Wälder“ hat die Waldbrandsaison ausgewertet – und die ist noch nicht zu Ende. Von Katrin Kunipatz

Die größte Gefahr für den Wald seien derzeit großflächige Brände, so Siegfried Lüdecke. Er leitet die Oberförstereien Cottbus und Drebkau. In seiner Verantwortung liegen die Wälder des Landkreises Spree-Neiße. Am Freitag, beim Treffen der AG „Schutz der Wälder“, erläuterte er, dass das Szenario eines Ortschaften bedrohenden Waldbrandes wie  bei Treuenbrietzen auch im Raum Döbern oder dem nördlichen Spree-Neiße-Kreis denkbar wären.

In Spree-Neiße sind 50 Prozent der Fläche von Wäldern bedeckt. „Diese Wälder müssen unbedingt erhalten bleiben“, sagt Lüdecke. Sie erfüllen als kühlende und feuchte Ökosysteme eine wichtige Funktion. Doch gerade dieser Sommer habe es dem Wald schwer gemacht. Seit Mai gab es ein Niederschlagsdefizit. Hinzu kommt eine doppelt so hohe Sonnenscheinintensität wie in anderen Jahren. Der Waldboden habe sich dramatisch aufgeheizt. „Die Folge ist Dauerstress für die Bäume“, erklärt Lüdecke. Die Folgen werden erst in den kommenden zwei Jahren sichtbar werden, nimmt er an.

Eine Auswirkung der enormen Trockenheit ist die deutlich gestiegene Zahl der Waldbrände. In den Oberförstereien Cottbus und Drebkau wurden 51 Waldbrände gezählt; fast drei Mal mehr als üblich, so Lüdecke. Kreisbrandmeister Stefan Grothe bestätigt dieses Bild. In 165 Fällen wurden die Feuerwehren zu Bränden mit dem Stichwort Wald, Wiese oder Ödland alarmiert. Und aktuell laufe ein neuer Einsatz beim Waldbrand in der Lieberoser Heide, so Grothe. Normaler­weise führt Brandenburg die Waldbrandüberwachung nur bis zum 30. September durch. „Die aktuelle Witterung macht es nötig, Forstmitarbeiter noch im Oktober in der Waldbrandzentrale einzusetzen“, sagt Lüdecke. Andere Aufgaben – wie die Eindämmung der Müllablagerungen im Wald – bleiben deshalb auf der Strecke.

Die Waldbrände haben aber auch andere Probleme hervortreten lassen. Eines der kleineren dürfte die mangelhafte Netzabdeckung der Diensthandys der Forstmitarbeiter sein. Wichtiger sei es, den vorbeugenden Brandschutz voranzubringen, so der Leiter der Oberförsterei. Dies bestätigt Wolfhard Kätzmer. Der Sachgebietsleiter Brand- und Katastrophenschutz war bis Juli auch Kreisbrandmeister. „Es fehlen Löschteiche. Waldwege sind nicht freigeschnitten und können deshalb mit den großen Löschfahrzeugen nicht befahren werden“, sagt er. Weiterhin fehle es an Schneisen, mit denen sich ein Großbrand tatsächlich eingrenzen ließe. All diese Dinge liegen in der Verantwortlichkeit der jeweiligen Waldbesitzer, die für Löschteiche oder Waldwege Fördermittel erhalten können.

Gefordert sind die Waldbesitzer auch bei der Kontrolle abgelöschter Brände. Weil es förmlich nicht durchzusetzen sei, habe die Oberförsterei eine pragmatische Lösungen gefunden, so Lüdecke: „Die Revierförster übernehmen freiwillig die Kontrollen.“ Noch funktioniere es mit dem vorhandenen Personal.

Ein weiteres Problem sei die Waldbrandbekämpfung in munitionsbelasteten Gebieten. „Abgesuchte Gebiete sind nicht in den digitalen Karten eingepflegt“, sagt Siegfried Lüdecke. Das Ministerium sei etwa zwei Jahre im Verzug. Wolfhard Kätzmer, der kommende Woche am Brandschutzsymposium des Landes teilnimmt, will die angesprochenen Probleme dort darstellen und auf Lösungen drängen.

Bewährt habe sich im Landkreis dagegen die Alarm- und Ausrückeordnung, bestätigen die Mitglieder der AG „Schutz der Wälder“ übereinstimmend. Je nach Ort des Brandes würden neben örtlichen Einsatzkräften auch Leag-Werkfeuerwehr oder Berufsfeuerwehr Cottbus angefordert. Kreisbrandmeister Grothe ergänzt, dass es auch grenzüberschreitend mit den Landkreisen Görlitz und Bautzen seit 2006 Vereinbarungen zur gegenseitigen Unterstützung gebe. „Das Feuer soll sich mehr vor uns erschrecken, als wir vor dem Feuer“, betont er. Deshalb sei es keinesfalls schlecht, wenn auch mal mehr Fahrzeuge alarmiert würden.