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| 20:45 Uhr

Spendenaktion
Neue Glocken dringend gebraucht

 Pfarrer Christoph Otto mit einer der drei alten Stahlglocken von 1922, die dringend ausgetauscht werden müssen.
Pfarrer Christoph Otto mit einer der drei alten Stahlglocken von 1922, die dringend ausgetauscht werden müssen. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Döbern. Wie sich die Eichweger auch in weiter Entfernung für ihr Heimatgeläut einsetzen. Von Steffi Ludwig

„Leicht und mit Gefühl läuten, auf den Klang der Glocke achten, nicht mit zu viel Kraft am Strick ziehen.“ So heißt es in der Läuteordnung oben im Glockenstuhl der Eichweger Kirche. „Denn hier wird noch per Hand geläutet und sogar nach der Sonne“, berichtet Pfarrer Christoph Otto. Das Morgen- und Abendläuten werde der Tageslänge angepasst und stamme noch aus Zeiten, als die Menschen von der Feldarbeit nach Hause kamen.

Doch seit zwei Jahren erklingen die Glocken in der Feldsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert nur noch zu Gottesdiensten, zu Ostern und Silvester und wenn jemand verstorben ist. Denn 2016 war durch einen Glockensachverständigen festgestellt worden, dass die drei Glocken dringend ausgetauscht werden müssen. „Die Aufhängungen rosten weg, und es haben sich kleine Haarrisse gebildet, was dazu führen kann, dass die Glocken platzen oder herunterfallen“, so der Pfarrer.

Die Stahlglocken wurden 1922 gegossen und haben die eigentliche Lebenserwartung von 60 bis 70 Jahren lange überschritten. Die Bronzeglocken, die vorher hier hingen und rund 500 Jahre halten, waren im Ersten Weltkrieg eingezogen und zu Munition eingeschmolzen worden.

Nun sollen wieder Bronzeglocken gegossen werden – und das am liebsten nicht maschinell, sondern per Hand. „Denn dann ist der Klang besser – und der wird von den Eichwegern geliebt“, sagt der Pfarrer.  „Unser derzeitiger Hauptläuter Patrick Balzer hat die läutenden Glocken sogar als Handy-Klingelton. Da er Pilot ist, hört er das Läuten dann auch mal in Spanien.“ Ältere Eichweger rufen gern ihre weggezogenen Verwandten an und halten das Telefon aus dem Fenster, wenn es läutet. Wenn Patrick Balzer nicht da ist, übernimmt der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Lutz Döhler, den Läutedienst. „Hier hoffen wir, dass sich jemand neues findet.“  Auch auf die Internetseite der Kirchengemeinde Eichwege soll das Läuten gestellt werden. Denn es wird um Spenden geworben.

Rund 80 000 Euro sollen die Bronzeglocken kosten. Der Gemeindekirchenrat habe das Projekt beschlossen, es soll in den nächsten zwei bis drei Jahren umgesetzt werden. Etwa 10 000 Euro an Spenden sind bisher da, unter anderem aus dem Lotteriesparen der Sparkasse Spree-Neiße. „Wir hoffen, dass wir auch Gelder vom Kirchenkreis bekommen“, so Otto. Aber laut Gesetz sind die Glocken Sache der Kirchgemeinde. Und diese hat 2019 mit der Entwässerung rund um die Kirche genug zu tun. Auch die Renovierung des Pfarrhauses wäre dringend nötig, ebenso die Sanierung der Orgel.

Den 36-jährigen Pfarrer, der zudem die Kirchgemeinden in Groß Kölzig, Hornow, Graustein, Groß Luja und auch teilweise Döbern betreut, begeistert jedoch der Enthusiasmus der Eichweger für die Glocken. Gerade die Generation der 40- bis 50-Jährigen, die gar nicht  mehr in Eichwege leben, sondern in Cottbus oder Forst, setze sich sehr ein und habe beispielsweise einen Flyer mit Spendenaufruf entworfen, der gerade im Druck sei. Die Klein Kölziger Töpferin Theresa Schwerin habe Keramikglocken hergestellt, die den Spendern als Dank überreicht werden. Die Forsterin Lucia Laurenz hat aus Verbundenheit mit den Döbernern auf Facebook eine Spendenaktion initiiert. Und am 11. Mai soll ein Gemeindefest mit einem Benefizkonzert des Männergesangvereins 1845 Bad Muskau stattfinden.

Wo die Glocken gegossen werden, sei noch unklar. Festlegen könne das die Gemeinde erst, wenn die Finanzierung stehe und die kirchliche und denkmalschutzrechtliche Genehmigung vorliege. Eine der bisherigen Stahlglocken könnte in einem separaten Glockenstuhl neben der Kirche aufgestellt werden. Auch hier muss der Denkmalschutz zustimmen. Die anderen zwei Stahlglocken müssen oben im Kirchturm zerteilt werden – wiegen sie doch zwischen 200 und 750 Kilogramm.