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| 12:41 Uhr

Klare Vorgaben für den Kinderschutz
Arbeit für das Kindeswohl

 Wenn Kinder allein gelassen werden, weil sich Eltern nicht ausreichend um ihr Wohlergehen kümmern, ist das Jugendamt gefragt. Hinweisen gehen die Mitarbeiter immer nach.
Wenn Kinder allein gelassen werden, weil sich Eltern nicht ausreichend um ihr Wohlergehen kümmern, ist das Jugendamt gefragt. Hinweisen gehen die Mitarbeiter immer nach. FOTO: dpa / Marcel Kusch
Forst. Viel muss passieren, bevor ein Kind aus seiner Familie genommen wird. Die Mitarbeiter im Jugendamt Spree-Neiße machen sich das niemals leicht. Von Katrin Kunipatz

Ein Kind, um es zu schützen, aus seiner Familie zu nehmen, ist die wirklich letzte Maßnahme des Jugendamtes. Und dies geschieht auch nicht unüberlegt. Ines Bunar, Teamleiterin Sozialer Dienst Forst, erläuterte kürzlich im Jugendhilfeausschuss, wie im Fall einer tatsächlichen oder angenommenen Kindeswohlgefährdung verfahren wird.

Zuständig ist das Jugendamt des Landkreises. „Jeder Information und jedem Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung wird nachgegangen“, sagt die Teamleiterin. Die Hinweise erhält der Allgemeine Soziale Dienst von Nachbarn, der Polizei sowie weniger häufig auch von Kindergärten und Schulen. Dies geschehe persönlich, schriftlich oder telefonisch, teils auch anonym. „Jeder Bürger kann eine Meldung abgeben“, so Bunar. Und in jedem Fall werde diesem Hinweis nachgegangen, versichert sie. „Selbst wenn nicht immer eine Außenwirkung erkennbar ist, wir tun etwas“, versichert sie.

Sobald die Information zu einer möglichen Kindeswohlgefährdung beim Allgemeinen Sozialen Dienst vorliegt, läuft immer das gleiche Prozedere ab. Wie Ines Bunar im Ausschuss darlegt, erhält das zuständige Regionalteam die Informationen und leitet diese unverzüglich an den zuständigen Mitarbeiter weiter. Im Landkreis gibt es Regionalteams in Forst, Spremberg, Guben und Cottbus in denen jeweils fünf Mitarbeiter tätig sind. Vor drei Jahren gab es für das Jugendamt vier zusätzliche Stellen. Derzeit sei nur eine unbesetzt, so Fachbereichsleiterin Silke Ullrich.

Der fallzuständige Mitarbeiter bewertet als Erstes das Gefährdungsrisiko für das betroffene Kind. Daraus leiten sich alle weiteren Maßnahmen ab, so Bunar. Ist die Situation unklar oder gibt es konkrete Risiken, werden noch am selben Tag weitere Mitarbeiter des Teams hinzugezogen. Mindestens zu zweit oder in der Teamberatung zu dritt, entscheiden die Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes über das weitere Vorgehen, um das Wohlergehen des Kindes zu prüfen. Wie die Teamleiterin dem Ausschuss darlegt, wird bei einem Hinweis auch immer die Situation in der jeweiligen Familie betrachtet. Daran orientieren sich die weiteren Schritte. „Unser Ziel ist es immer das Kind zu sehen und in Augenschein zu nehmen“, erläutert Ines Bunar. Dies kann bei einer Einladung der Familie ins Büro oder bei einem Hausbesuch sein, bei dem immer zwei Mitarbeiter dabei sind. Rücksicht auf schlafende Kinder gäbe es auch zu späterer Stunde nicht. Mit den gewonnenen Erkenntnissen werde über die Gefährdung des Kindeswohls in jedem Einzelfall weiterberaten.

Die Palette der Handlungsmöglichkeiten ist vielfältig. Sie reicht von zusätzlichen Hilfsangeboten für die Familie. Möglich sind in Zusammenarbeit mit dem Familiengericht aber auch Auflagen für die Sorgeberechtigten. Die Inobhutnahme des Kindes oder Jugendlichen ist das allerletzte Mittel, dessen sich das Jugendamt bedient. Und selbst nach einer Intervention ist der Kinderschutzfall nicht abgeschlossen. „Jeder Fall wird so lange behandelt, bis ein guter Abschluss gefunden wird“, erklärt Ines Bunar. Dies sei beispielsweise der Fall, wenn die Eltern Hilfen annehmen, das Familiengericht eine Entscheidung zum Sorgerecht trifft, das Kind an die Eltern zurückgegeben werden kann und Verabredungen mit den Eltern zum Schutz des Kindes getroffen werden.

Kinderschutzverfahren machen nur einen Teil der Aufgaben des Jugendamtes aus. Im Vordergrund steht die Beratung und Begleitung von Familien, Alleinerziehenden, Kindern und Jugendlichen und die Vermittlung notwendiger Hilfen.