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Kinderkrippe zieht 1949 in Tuchfabrikanten-Villen ein

Die frühere Cattiensche Villa im Jahr 1991.
Die frühere Cattiensche Villa im Jahr 1991. FOTO: Gerd Kundisch/gkd1
Forst. Die Bundesrepublik und die DDR waren noch nicht gegründet, als am 8. März 1949 anlässlich des Internationalen Frauentages in der damaligen Ostdeutschen Tuchfabrik in der Schmidtschen Villa in Forst, Parkstraße 14, neben einem Kindergarten auch eine Kinderkrippe für 24 Kinder eingerichtet wurde. gkd1

Den damaligen Verhältnissen entsprechend waren sie gut untergebracht. Frau Dr. Eckey kümmerte sich viele Jahre um das gesundheitliche Wohlergehen der während des Krieges und der Zeit danach geborenen Kinder. Die Betriebszeitung "Forster Tuchmacher" schrieb im März 1989 anlässlich des 40-jährigen Bestehens: "1957 übersiedelten die Kinder in unsere jetzige Einrichtung, in die ehemalige Villa des Fabrikbesitzers Cattien, Willi-Schmidt-Straße" (heute Jänickestraße).

Direkt am Stadtpark fanden in den oberen Räumen der Wochenkrippe 60 Säuglinge und Kleinkinder eine wohlbehütete Aufnahme. Der damals in der unteren Etage untergebrachte Schulhort zog 1962 aus dem Gebäude aus und fand ein neues Domizil in der Gubener Straße, im Werk I/4 des VEB Forster Tuchfabriken. Somit konnte die Villa in der heutigen Jänickestraße umgebaut und erweitert werden.

Die Zahl der Kinder war inzwischen von 70 im Jahr 1959 auf 110 angestiegen, die ihren Höhepunkt 1972 mit 120 Kindern fand. Ziemlich eng muss es bis dahin zugegangen sein, denn zu Ehren des VIII. SED-Parteitages entstanden aus dem ehemaligen Spiegelsaal zwei weitere Gruppen- und Umkleideräume. Der volkseigene Betrieb steckte damals viel Geld in die Kindereinrichtungen, von denen es im Stadtgebiet mehrere gab.

Schwester Annemarie Harmuth, die langjährige Leiterin der Kinderkrippe "Willi Schmidt", regte 1983 den Ausbau einer Bodenkammer für Unterrichtszwecke an, denn bereits 1976 wurde die Krippe zur Ausbildungsstätte für Erzieherinnen. Die unschöne Veranda, der frühere Haupteingang der Villa, wandelte sich 1984 in ein Arztzimmer, zumal jede Woche die Kinderärztin kam, um die Kleinen zu untersuchen. Geburtenschwache Jahrgänge folgten nach 1989, Kindergärten und -krippen mussten zwangsläufig zusammengelegt bzw. geschlossen werden.

Am 20. Januar 1993 erhielt die Einrichtung den Status einer Kindertagestätte, die sich den Namen "Am Stadtpark" gab. Fördermittel ließen Modernisierungen zu. 1992 konnte eine moderne Gasheizung installiert werden und im März 1994 waren Monteure dabei, die Elektroanlagen komplett zu überholen. Denkmalschützer schlugen damals die Hände über dem Kopf zusammen, als sie den bedauernswerten Zustand der Stuckreste des früheren Spiegelsaales über der eingezogenen Zwischendecke zu Gesicht bekamen. Dem vor der Wende sanierten Dach folgte die Außenfassade auf der Hofseite. Ein Sanitärprojekt lag ebenfalls vor, nach dessen Realisierung die Maler folgen sollten. Weiterhin wartete die Straßenfront des Gebäudes auf ein freundlicheres Aussehen. 160 Kinder waren es 1994, die unter der Leitung von Angelika Hoffmann betreut wurden.

Einen fröhlichen Abschied für immer feierten die Hortkinder vor den Sommerferien des Jahres 1999. Es stand fest, dass auch dieses Haus geschlossen wird. 15 Jahre waren inzwischen ins Land gegangen, als die LAUSITZER RUNDSCHAU am 29. Januar dieses Jahres schrieb: "Das Gebäude in der Jänickestraße 28 machte in den vergangenen Jahren jedoch einen immer trostloseren Eindruck. Doch nun gibt es offenbar Hoffnung: Laut Angelika Geisler vom Stadtplanungsamt hat ein privater Investor das Areal erworben."

Somit können die Sanierungsarbeiten im und am Gebäude bald wieder beginnen.