Schon seit zehn Jahren bemühen sich Pädagogen und Erzieher, Kindern der Klassen eins bis sechs beiderseits der Grenze Grundkenntnisse in der Sprache des Nachbarn zu vermitteln. Spotkanie (deutsch: Begegnung) heißt das geförderte Projekt, in das in diesem Jahr erstmals Vorschulkinder in Forst und Brody eingebunden werden.
Zehn Kinder aus der großen Kita-Gruppe warten schon auf ihre „Unterrichtsstunde“ . Sie sitzen im Halbkreis, Grazyna Kaczmarczyk hockt sich dazu und ruft die Kinder auf. Zwei, drei aus der Gruppe fehlen heute. Die Kinder rufen: „Niema!“ - „Sie sind nicht da!“ . Spielerisch werden die bereits erworbenen Kenntnisse abgefragt und gefestigt - die Zahlen von eins bis zehn, die Bezeichnungen für Körperteile oder verschiedene Farben. Dabei breitet Grazyna Kaczmarczyk beispielsweise eine Plasteplane mit verschiedenfarbigen Feldern aus, ruft eine Farbe in Polnisch auf, und die Kinder springen auf das entsprechende Feld. Noch klappt es nicht immer, aber es ist schon erstaunlich, wie viel sie seit Januar gelernt haben. Wird ein Lied angestimmt, singen fast alle kräftig in der Fremdsprache mit. Außerdem ist die Unterrichtssprache Polnisch - Grazyna Kaczmarczyk gibt ihre Anweisungen nur ausnahmsweise in Deutsch.
Kita-Leiterin Elke Specht war zum Projektstart ein bisschen skeptisch, ob die Kinder auch mitbekommen, was sie tun sollen. Heute ist sie begeistert, wie reibungslos das läuft, wie die Verständigung klappt. Auch die Eltern würden sich aufgeschlossen für das Projekt zeigen, und seit vier Wochen gebe es so viel Interesse, dass die Gruppe geteilt wurde.
Dass das Projekt offensichtlich so erfolgreich läuft, freut nicht zuletzt den Forster Sozialamtsleiter Dr. Andreas Kaiser. „Wir begrüßen es, wenn die Kinder unserer Region so früh wie möglich Polnisch lernen und dass es diese Möglichkeit in der Waldhaus-Kita nun als verlässliches Angebot gibt“ , betont er. Nachdem er gestern zwei Unterrichtseinheiten miterlebt hat, sagt er: „Ein großes Kompliment an Frau Kaczmarczyk. Sie leistet eine pädagogisch sehr wertvolle Arbeit und versteht es ausgezeichnet, Lernen mit Spaß zu verbinden.“ Er finde es auch gut, dass sie die Handlungsanweisungen in Polnisch gebe, dass sie Lernen und Entspannen abwechseln lasse und nicht zu viel in eine Stunde packe. „Freuen kann man sich, dass die Kinder schon fragen: Wie heißt dies und jenes in Polnisch. Das zeigt doch, dass das Interesse geweckt wurde“ , so Dr. Kaiser.
Ob es die einzige Kita mit diesem Fremdsprachenangebot bleiben wird? „Es gibt auch in anderen Kitas solche Überlegungen, und wir unterstützen die Bestrebungen - in Deutschland erlernen die Kinder einfach zu spät Fremdsprachen. Die Vorschulzeit und die ersten Schuljahre, in denen die Kinder dafür besonders aufnahmefähig sind, werden noch zu selten genutzt“ , weiß er.
Konkrete Vorstellungen darüber, wie die polnische Sprache vermittelt werden könnte, gebe es in der evangelischen Kita. „Dort soll Polnisch in den Tagesablauf integriert werden. Auch Eltern werden ihre Polnischkenntnisse einbringen, und bei Neueinstellungen von Erziehrinnen soll künftig darauf geachtet werden, dass sie auch Polnisch sprechen und verstehen können“ , unterstreicht Dr. Kaiser.