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| 18:30 Uhr

Ausverkauf nach 26 Jahren – am 30. Juni ist Schluss
Keiner wollte das Spielzeug-Paradies in Forst haben

Heinz-Peter Bischoff hat sich entschieden: Nach nach 26 Jahren schließt er sein Geschäft in der Berliner Straße.
Heinz-Peter Bischoff hat sich entschieden: Nach nach 26 Jahren schließt er sein Geschäft in der Berliner Straße. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Forst. Heinz-Peter Bischoff schließt in Forst sein Geschäft in der Berliner Straße. Die Gründe sind vielfältig. Von Katrin Kunipatz

Eine letzte Hoffnung hatte Heinz-Peter Bischoff noch. „Doch als der Interessent das Umfeld gesehen hatte, ist er abgesprungen“, berichtet der Inhaber des Spielzeug-Paradies. Seit März stand für den Einzelhändler deshalb fest, sein Geschäft in der Berliner Straße zu schließen. Am Mittwoch begann der Ausverkauf mit reduzierten Preisen. „Am 30. Juni stellen wir unseren Geschäftsbetrieb endgültig ein“, erklärt er.

Für Heinz-Peter Bischoff und seine Frau Marlis endet eine Ära. Das Modegeschäft schloss schon 2017 und nun folgt das Spielzeuggeschäft. Trotzdem fühle er sich in gewisser Weise erleichtert. „In den letzten Jahren haben Stress und Ärger zugenommen“, so der 66-Jährige. Außerdem habe er sich lange auf diesen Tag vorbereitet.

Zwei Jahre suchte er auf verschiedenen Wegen nach einem Nachfolger, berichtet Bischoff. Ernsthafte Interessenten gab es nicht. Schnäppchenjäger seien an günstiger Ware, nicht am Weiterführen des Geschäftes interessiert gewesen. Andere hatten völlig falsche Vorstellungen von den Verdienstmöglichkeiten im Handel. Und Modellbauenthusiasten hatten kein Eigenkapital, um das Geschäft übernehmen zu können.

Dabei drehte sich sein Berufsleben immer um den Handel. 1974 begann Heinz-Peter Bischoff als Angestellter, schloss die Handelshochschule mit einem Diplom ab und war vor der Wende Vorstandsvorsitzender der Konsumgenossenschaft in Forst. 200 Läden und Gaststätten gehörten zu seinem Verantwortungsbereich. 1990 begann er als selbstständiger Obst- und Gemüsehändler neu und führte ab 1992 das Geschäft Spielwaren, Modelleisenbahn und Modellbau. In all den Jahren blieb Bischoff diesem Sortiment treu.

Doch die Kunden wurden weniger. Die Gründe seien vielfältig so Bischoff. Öffentliche Spekulation über sein baldiges Rentenalter und die zu erwartende Schließung halbierte die Zahl der Kunden im vergangenen Jahr. Bischoff verweist auch auf eine völlig falsche Handelsstruktur in der Stadt. Lebensmittelläden bieten Spielzeug an. Hinzu kommt die große Zahl von Geschäften, die von Haushalts-, über Schreib- bis hin zu Spielwaren alles im Sortiment haben. „Gerade die Eröffnung des Tedi-Marktes hat uns zu schaffen gemacht“, sagt er. Seitdem habe er keine Luftballons, Lampions, Sandspielzeug oder Bälle verkauft. Aber als klassischer Spielwarenhändler sei er aber darauf angewiesen, dass es in allen Bereichen funktioniere.

Ein weiterer Konkurrent sei das Internet. „Der Kunde ist nicht auf uns angewiesen“, sagt Bischoff. Kritisch sieht er, dass Lieferanten wie Lego oder Playmobil eigene Shops im Internet betreiben und dort Waren anbieten, die er als Einzelhändler nicht anbieten könne. Hinzu kommt die stetig sinkende Einwohnerzahl. Jugendliche verlassen nach der Schule die Stadt und kehren nicht zurück. Eine ganze Generation sei so verloren gegangen. Bischoff weiß wovon er spricht: Seine eigenen Kinder leben mit ihren Familien fern von Forst. Und Besucher des Rosengartens kommen selten in die Innenstadt, weil es hier touristisch nichts zu entdecken gebe, fast er zusammen.

Dem Ende seines Berufslebens als Händler kann Heinz-Peter Bischoff auch Positives abgewinnen. Erstmals werde er Heiligabend schon am Vormittag zu Hause sein und nach den Feiertagen nicht sofort wieder ins Geschäft müssen. Aber richtig viel freie Zeit habe er trotzdem nicht. Als Mitarbeiter im Abgeordnetenbüro von Anke Schwarzenberg und als Abgeordneter der Linke in Kreistag und Stadtverordnetenversammlung sei einiges zu tun.