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| 18:06 Uhr

Teichwirtschaft Eulo in der Spreeauenlandschaft
Karpfen-Winzlinge auf dem Weg zum Festbraten

Dissen. Anfang Mai hatte die RUNDSCHAU über das Aussetzen von Hunderttausenden nur millimetergroßen Karpfen-Brütlingen in den Fischteichen der Spreeauenlandschaft bei Dissen berichtet. Was ist inzwischen aus ihnen geworden? Gemeinsam mit dem Chef der Teichwirtschaft Eulo, Christoph Junghanns, gingen wir der Frage auf den Grund. Von Frank Hilbert

Mit Sorgenfalten schaut Christoph Junghanns aufs Wasser eines seiner Fischteiche in der Spreeauenlandschaft bei Dissen. Viele der kleinen Karpfen schwimmen an der Oberfläche, doch es stellt sich dann doch als unbedenklich heraus. Anders sieht es dagegen bei seiner Teichwirtschaft Eulo aus.

Fischzucht in der Spreeaue bei Dissen FOTO: Frank Hilbert

„Die Lage ist katastrophal. Von 220 Hektar, die wir unter Wasser haben müssten, haben wir noch knapp 60 Hektar unter Wasser. Und bei diesen 60 Hektar ist noch zehn Prozent Wasser drin“, sagt der Fischer im RUNDSCHAU-Video. Am Mittwoch, 21. August, habe er einen Teich notabfischen müssen. „Wir versuchen zu retten, was zu retten geht. Wir haben jedoch nicht mehr allzu viel herausgeholt. Im Herbst kommen sie in Winterteiche, die besonders gesichert werden. Unter anderem mit abschreckenden Flugdrachen und rund vier Kilometer Elektrozaun gegen Fischotter und Biber “, zeigt er sich entschlossen. Aber so schlimm wie in diesem Jahr sei es noch nie gewesen.

FOTO: Fotos: Frank Hilbert

Der Grundwasserspiegel sei abgefallen. In der Vorflut sei schon kein Wasser mehr. Hinzu kämen die Fressfeinde der Speisefische: Kormoran, Fischotter und Co. würden in den noch gefüllten Fischteichen kräftig zulangen. Silvesterkarpfen werde es jedoch ausreichend geben, nur den Großhandel werde er in diesem Jahr „nur mangelhaft beliefern“ können.

Noch genügend Wasser ist indes in den acht insgesamt 20 Hektar großen Teichen, die Christoph Junghanns in der vor Jahren renaturierten Spreeaue bei Dissen unweit von Cottbus bewirtschaftet. Anfang Mai hatte er dort 650 000 Brütlinge, wenige Millimeter große Karpfen, eingesetzt. Derzeit geht er davon aus, dass sich noch rund 180 000 sogenannte K1-Karpfen, also einsömmrige Fische, darin befinden. Die anderen sind den natürlichen Feinden zum Opfer gefallen. Acht von hundert Jungfischen werden groß, so die Faustregel der Fischer.

FOTO: Fotos: Frank Hilbert

Die Karpfen in der Spreeaue haben dafür noch einige Zeit. Erst Silvester 2021 seien sie reif fürs Festessen. Rund 1,5 bis zwei Kilo bringen sie dann auf die Waage beim eigenen Fischverkauf des Teichwirtschaftsunternehmens in Forst. Bis dahin heißt es für die Jungfische aber noch: Futtern, futtern, futtern! Damit das möglich ist, werden sie von Christoph Junghanns täglich gefüttert. „Die Karpfen bekommen Getreideschrot. Dieser muss so kleinkörnig sein, dass er von den Fischen komplett aufgenommen werden kann und keine Reste übrig bleiben“, erklärt der Teichwirt. Dieses Mal gibt es Maisschrot. Der durch die Luft stiebende Schrot leuchtet in der Sonne und zieht auch so manchen Mitesser an. So dauert es nicht lange, dann ist auch ein Paar Blesshühner in Ufernähe.

FOTO: Fotos: Frank Hilbert

Beim Probefang mit dem Wurfnetz versuchen die Jungfische, sich diesem durch einen kurzen Sprung aus dem Wasser zu entziehen. Dennoch landen genügend im Netz, um sie in einem Glas begutachten zu können. Alle zwei Wochen schaut der Fischer auf diese Weise, wie seine Karpfen zugelegt haben. „Vorige Woche lagen sie bei 25 Gramm. Ich hätte sie gern auf 35 bis 40 Gramm. Im Herbst sollen sie dann mit rund 50 Gramm abgefischt werden“, sagt Christoph Junghanns, der seit 42 Jahren Fischer ist.

Mit Fütterung und Probefang ist die Aufregung für die kleinen Schuppenkarpfen in diesem Teich dann vorbei. Nächste Woche dürfte es nochmal etwas turbulent für sie werden. Dann kommt die Schilfschneidemaschine zum Einsatz.

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