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| 19:12 Uhr

Karate soll Nonnen und Spinner bekämpfen

Hubschrauber sollen die Pflanzenschutzmittel über den Wäldern im Spree-Neiße-Kreis austragen.
Hubschrauber sollen die Pflanzenschutzmittel über den Wäldern im Spree-Neiße-Kreis austragen. FOTO: Patrick Pleul/dpa
Forst/Peitz. Ihre Zahl hat erheblich zugenommen und könnte für den Wald zur Gefahr werden: Nonnen und Kiefernspinner machen den Bäumen zu schaffen. Der Landesbetrieb Forst will nun reagieren und mit Hubschraubern das Pflanzenschutzmittel namens "Karate" ausbringen. Die Aktion soll ab Ende April beginnen. Peter Althaus

In akribischer Kleinstarbeit bringen die Förster im Kreis derzeit immer wieder Leimringe und Falltücher für die Mengenbestimmung der Waldschädlinge aus. "Wir haben auf 108 Flächen im Kreis gesucht. In sämtlichen Gebieten sind die Mengengrenzen bei den Proben zur Untersuchung auf Schädlinge überschritten", sagte Marion Vater, Funktionsförsterin der Oberförsterei Cottbus in der Arbeitsgruppe Schutz der Wälder am vergangenen Freitag in Forst. "Das ist echt irre. Ich bin auch schon zählen gegangen. Ich träume nachts sogar davon."

Der Grund dafür sind vor allem zwei gefräßige Insekten. "Die Nonne überwintert als Ei in der Rinde des Baumes”, erklärt Marion Vater. "Der Kiefernspinner bleibt hingegen als Raupe im Boden."

Vor allem der nur kurze Winter mit geringen Frösten habe den Bestand nicht reduziert. "Wir hatten eigentlich gehofft, dass genug Tiere von Pilzen betroffen sind. Aber das ist leider nicht so", so Marion Vater. Was für den Wald schädlich ist, ist auch nicht mal für die Menschen eine Freude. "Das sind leider alles sehr hässliche Tiere", sagte sie. Sowohl Nonne als auch Kiefernspinner sind Nachtfalter und daher eher dunkel gefärbt. "Der Kiefernspinner ernährt sich ausschließlich von Nadeln der Nadelbäume", sagt Siegfried Lüdecke, Leiter der Oberförsterei in Drebkau. Die Nonne gilt ebenfalls als extrem gefährlich für Waldbestände.

Abhilfe schaffen soll nun die Besprühung von 7150 Hektar Waldflächen. Damit wird die Hälfte der landesweiten Pflanzenschutzmaßnahmen im Wald in Spree-Neiße-Kreis angewandt. "das ist nötig, weil wir in den vergangenen Jahren nicht gesprüht haben", so der Forstbeamte. Gleichzeitig seien die polnischen Forstämter im vergangenen Jahr gegen die Schädlinge vorgegangen. "Und von Westen her kommen sie auch. Die drücken in den Landkreis", so Lüdecke.

Das Ausbringen konzentriert sich dabei besonders auf einen Wald. "Das Kerngebiet dafür ist die Lieberoser Heide zwischen Peitz, Drachhausen und Tauer”, so Siegfried Lüdecke. Ein Forstbediensteter führt während der Maßnahmen genau Buch über die Flüge der Hubschrauber und die Menge des verwendeten Mittels. "Da werden 25 Gramm des Pflanzenschutzmittels Karate pro Hektar abgelassen. Das ist nicht viel", so Lüdecke. Zumal laut Messungen auch nur drei bis vier Prozent davon am Boden ankämen.

Die Förster informieren einige Tage vor der Aktion im jeweiligen Gebiet das Gesundheitsamt. "Die stellen dann Schilder auf", so Marion Vater.

Die Hubschrauber sollen dann Bahn für Bahn die Flächen abfliegen. Geplant sind die Flüge für Ende April bis Anfang Mai. "Wir planen mit rund 14 Tagen. Dazu muss aber auch die Sonne scheinen", so Förster Siegfried Lüdecke. Sonst würden die Baumschädlinge bei Regen zu Boden fallen. "Die Aktionen sind sehr wetterabhängig."