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| 05:00 Uhr

Seltene Jubilarin
„Mir fehlt gar nichts“

 Die Forsterin Käthe Vogt feiert am Freitag ihren 100. Geburtstag – hier mit einem Ausschnitt aus einer RUNDSCHAU von 1979, wo sie als Lehrerin zum Tag des Lehrers zu sehen ist.
Die Forsterin Käthe Vogt feiert am Freitag ihren 100. Geburtstag – hier mit einem Ausschnitt aus einer RUNDSCHAU von 1979, wo sie als Lehrerin zum Tag des Lehrers zu sehen ist. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst.  Käthe Vogt feiert am Freitag ihren 100. Geburtstag – mit beneidenswerter Gelassenheit. Von Steffi Ludwig

Sie würde locker noch ein paar Jahre schaffen, 105 oder 110 zu werden sei kein Thema, verkündet Käthe Vogt und verspricht schmunzelnd: „Ich gebe mir Mühe!“ Denn schließlich sei es ja so, wie auf ihrer Einladungskarte zum 100. Geburtstag steht: „Ich will nicht in den Himmel. Was soll ich denn da? Hier auf der Erde ist es doch so schön.“ Auch diese Sätze habe Käthe Vogt laut ihrer Schwiegertochter Elke (72) einmal zum Besten gegeben. „So ist sie einfach.“ Ausgestattet mit einer Prise trockenem Humor und immerwährender Freundlichkeit.

Beide sitzen in der Forster Residenz Rosenstadt der Volkssolidarität, schräg gegenüber der Stadtkirche St. Nikolai im Zimmer der noch 99-Jährigen – wie immer zweimal die Woche. Seit zwei Jahren lebt Käthe Vogt hier, mehrere Stürze und Knochenbrüche hatten dies unumgänglich gemacht. Sie sitzt im Rollstuhl, hört etwas schwer, sagt von sich: „Gesundheitlich fühle ich mich wohl. Mir fehlt gar nichts. Nur meine Knochen taugen nicht viel.“

Bis zu ihrem Alter von 98 Jahren haben die beiden Frauen in einem Haus zusammengelebt, seit 2010 allein. Da starb Käthe Vogts Sohn. Ihr Mann war bereits 1945 im Lazarett gestorben. Einen neuen Mann hatte sie laut ihrer Schwiegertochter nie mehr gehabt. „Sie war deshalb auch immer für alle da, hat nie ,Nein’ gesagt“, so Elke Vogt.

1919 in Schönwalde im Kreis Sorau geboren, war Käthe Vogt etwa zehn Jahre, als sie nach Forst in die Triebeler Straße kam, da ihr Vater bei der Bahn in Forst arbeitete. Sie lernte Schneiderin, studierte und wurde Berufsschullehrerin im Fachgebiet Bekleidung. Von 1946 bis 1952 arbeitete sie an einer Berufsschule. Dann wurde  sie als Neulehrerin geworben und unterrichtete in Noßdorf und Eichwege, ab 1961 an einer Hilfsschule in Forst; bis 1979 in Vollzeit und bis 1985 in Teilzeit. „Ich habe alles unterrichtet, egal in welches Fach sie mich gesteckt haben“, so Käthe Vogt. „Es hat mir immer Spaß gemacht.“ Zuletzt sei es hauptsächlich Nadelarbeit und Hauswirtschaft gewesen.

Aber auch zu Hause habe sie nie großartig stillsitzen können. So habe sie einen großen Garten bewirtschaftet, berichtet die Schwiegertochter. Viele Handarbeiten gemacht: Tücher gehäkelt, Tischdecken bestickt. Zudem sei sie eine gute Geräteturnerin gewesen.

Sie habe sich auch in den Ferien öfter um ihren Enkel Steffen gekümmert. „Sie hat an unser dreiwöchiges Camping in Familie meist noch drei Wochen mit ihrer Kollegin und meinem Sohn drangehängt – als Lehrerin ging das ja“, erzählt  Elke Vogt. „Auch in den Winterferien ist sie immer mit meinem Sohn in den Winterurlaub gefahren, nach Oberhof oder in die Sächsische Schweiz.“ Der Enkel ist inzwischen 48 und hat selbst zwei Kinder. Die Sechsjährige malt der Uroma auch öfter Bilder, die ihr Zimmer zieren, das zweite Kind wird zwei Tage nach der Uroma ein Jahr alt.

Für die Seniorenresidenz Rosenstadt ist es die erste 100-Jährige im neuen Haus, das vor drei Jahren bezogen wurde. Und dann noch eine so rührige: „Sie unterhält sich gerne mit ihren Nachbarinnen im Haus über die frühere Zeit“, sagt Mitarbeiterin Gabriele Lietz. „Und wenn wir singen, ist sie meist die einzige, die noch alle Liedtexte vollständig kennt.“ Tja, so ist das eben, sagt die fast 100-Jährige: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“

Zum Geburtstag am Freitag werden 15 Verwandte kommen, kündigt die Schwiegertochter an, die zudem sehr zufrieden mit der Betreuung im Heim ist. „Viele Verwandte leben ja auch gar nicht mehr: Sie ist die älteste von drei Geschwistern, aber die einzige, die noch lebt.“

 Die Forsterin Käthe Vogt feiert am Freitag ihren 100. Geburtstag – hier mit einem Ausschnitt aus einer RUNDSCHAU von 1979, wo sie als Lehrerin zum Tag des Lehrers zu sehen ist.
Die Forsterin Käthe Vogt feiert am Freitag ihren 100. Geburtstag – hier mit einem Ausschnitt aus einer RUNDSCHAU von 1979, wo sie als Lehrerin zum Tag des Lehrers zu sehen ist. FOTO: LR / Steffi Ludwig