| 16:12 Uhr

Fest des Humors
Neues Nest für Goldenen Kuckuck

Die Preisträger Götz Frittrang (Spezial-Kuckuck) und Peter Vollmer (GOLDENER KUCkUCK 2017)
Die Preisträger Götz Frittrang (Spezial-Kuckuck) und Peter Vollmer (GOLDENER KUCkUCK 2017) FOTO: Thoralf Haß / Haß Thoralf
Forst. Kabarettpreis wurde am Freitag in Forst im Rahmen eines amüsanten Programms verliehen.

Im seit Wochen ausverkauften Gasthaus „Zum Kuckuck“ wurde am Freitag Brandenburgs einziger Kabarettpreis vergeben, der „Goldene Kuckuck 2017“. Viele Überraschungen kündigte Veranstaltungschefin Birgit Hendrischke an. Eine schrullige, immer noch rüstige Rentnerin namens Elfriede bot sich sogleich an, die Co-Moderation für den Abend zu übernehmen. Hinter der Großpuppe verbarg sich Kora Tscherning, Ensemblemitglied der Landesbühnen Sachsen und ausgebildete Puppenspielerin.

Erster Künstler auf der Bühne war Götz Frittrang aus Bamberg. Er zeigte Ausschnitte seines aktuellen Programms „Götzseidank“. Bei seinem letzten Gastspiel im „Kuckuck“ Anfang 2016 hatte sich dieses Programm gerade noch in der Entstehungsphase befunden, viele Gags zündeten damals noch nicht. Doch Götz Frittrang scheint den Lauf der Geschichte vorauszuahnen, denn seine damalige AfD-Kritik blieb vielen Gästen im Gedächtnis. Grund genug für die Veranstalter vom Freundeskreis „Kuckuck“, Götz Frittrang mit einem „Spezial-Kuckuck“ für seine politische Weitsicht zu überraschen. „Eine große Ehre für mich, mit der ich jetzt bestimmt den großen Durchbruch schaffe!“, scherzte der völlig perplexe Künstler in seiner Dankesrede.

Nach einer kurzen Pause, in der die „Kuckucks“-Küche ein süßes Dessert präsentierte, kam der eigentliche Höhepunkt des Abends, die Preisverleihung des mit 1000 Euro dotierten und vom Autohaus Cottbus gesponserten „Goldenen Kuckucks 2017“ an den Kölner Kabarettisten Peter Vollmer.

Laudatorin Elfriede würdigte das künstlerische Schaffen Vollmers, der schon mal als „Kabarett-Halbgott“ oder „Größe des gehobenen kritischen Kabaretts“ gefeiert wird. „Intelligent und gut unterhalten“ fühlten sich die Besucher seines Programms, das angesagte Themen brisant umsetzt.

„Die Lachmuskeln mussten arbeiten“ schrieb eine Zuschauerin auf den Stimmzettel für die Wahl zum „Goldenen Kuckuck“. Peter Vollmers feines Gespür für die großen und kleinen Macken seiner Mitmenschen gaben schließlich den Ausschlag, um sich mit 0,01 Punkten Vorsprung vor den Zweitplatzierten „Ranz & May“ durchzusetzen.

Bevor auch Peter Vollmer Ausschnittes seines aktuellen Programms zeigte, bedankte er sich beim Publikum für die Auszeichnung: „Wenn mir zu Beginn meiner Karriere jemand gesagt hätte, dass ich mal  hier, irgendwo hinter Cottbus, einen Preis gewinne, hätte ich ihm gesagt: Du hast ja schon jetzt einen Vogel!“

Seine Programmausschnitte wurden anschließend zu einem Gag-Feuerwerk. Egal, ob er sich über die im Alter nachlassende Paarungsbereitschaft („Es lockt das Weib, es bockt der Leib“) oder über seine Erfahrungen mit Brasilian Waxing lustig machte – Peter Vollmer hatte die Lacher auf seiner Seite. Auch die Rentenpolitik der jeweiligen Regierungen bekam ihr Fett weg. So sei der heute in Düsseldorf noch lebende älteste Rentner in Deutschland bereits im Jahr 1972 in Rente gegangen. „Das bedeutet, dass die Sozialgemeinschaft 45 Jahre lang einen Düsseldorfer durchgefüttert hat. Sie können sich vorstellen, wie ich mich da als Kölner fühle“, spielte Vollmer auf die Rivalität beider Städte an. 

In einer anschließenden Gesprächsrunde entlockten Birgit Hendrischke und Elfriede dem Sieger ein paar Geheimnisse. Auf die Frage, was er auf keinen Fall mit auf eine einsame Insel nehmen würde, musste er lange überlegen. Am Ende entschied er sich für eine Heino-Schallplatte. Eines seiner größte Ziele sei es, mal einen Ironman zu absolvieren.

 Der Abschluss des gut dreistündigen Abends war dem Gewinner des „Goldenen Kuckucks“ vorbehalten. Peter Vollmer, der den „Trottel-Triathlon, bestehend aus Ausdauer-Kuscheln, Extrem-Schmusen und Langstrecken-Streicheln“, beherrscht, brachte ein Medley bekannter Titel mit neuen Texten zu Gehör. Da die Melodien bekannt waren, sang das Publikum bei Titeln wie „Sag mir, wo die Zähne sind“, „Mit 67 Jahren, da fängt die Rente an“, „Nur mit 7 Krücken kannst Du gehen“ oder „Pumpt denn der alte Herzmuskel noch“ lautstark mit.

Wer den diesjährigen Gewinner des „Goldenen Kuckucks“ live erleben möchte, hat am 19. und 20. Dezember die Möglichkeit. Jeweils um 20 Uhr präsentiert Peter Vollmer im „Kuckuck“ in Groß Jamno sein Programm „ER hat die Hosen an – SIE sagt ihm, welche“.