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Junge Syrer sammeln erste Erfahrungen im hiesigen Berufsalltag

Gelöste Stimmung beim Grillnachmittag – ein Erinnerungsselfie macht Mosaab von Ali, Nather, Renate Pniok, Alaa und Yvette Bernhard (v.l.)
Gelöste Stimmung beim Grillnachmittag – ein Erinnerungsselfie macht Mosaab von Ali, Nather, Renate Pniok, Alaa und Yvette Bernhard (v.l.) FOTO: Jürgen Scholz
Döbern. Bei einem Grillnachmittag haben am Freitag Flüchtlinge und Mitglieder des Netzwerkes in Döbern-Land die Kontakte vertieft. Derzeit werden die sechs Familien unter den 28 Flüchtlingen im Amt Döbern-Land unter anderem von drei ehrenamtlichen Familienhelfern betreut. Jürgen Scholz

Das Netzwerk, dem neben DRK, BQS und dem Seniorenbeirat auch das Amt angehört, hatte sich relativ früh gebildet. Dadurch und da die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Iran in Wohnungen und nicht irgendwo am Rand untergebracht sind, gibt es nach Einschätzung von Ines Lutzens von der Amtsverwaltung keine Probleme bei der Integration. Dazu gehöre auch der relativ gute Kontakt der Bezugspersonen für die Flüchtlinge innerhalb des Netzwerkes, verwies sie zum Beispiel auf Yvette Bernhard.

Die Lehrerin an der Oberschule betreut fünf Schüler, von denen jeder allein einer Klasse zugeordnet wurde. Lediglich bei dem speziellen Deutschunterricht werden die fünf Kinder zusammen unterrichtet. Die ersten beiden Schüler, zwei junge Syrer, seien jetzt soweit, dass sie demnächst am Oberstufenzentrum in Cottbus einen speziell für junge Flüchtlinge geschaffenen, zweijährigen Kurs besuchen, der sie auf eine Berufsausbildung vorbereiten soll.

Denn zwar haben die Schüler, die seit November beziehungsweise Januar in Döbern sind, teilweise Noten bekommen, vergleichbar mit einem Abschlusszeugnis sei es aber nicht, erklärt Yvette Bernhard. "Aber sie sind ehrgeizig", sagt sie. "Sie wollen so schnell wie möglich Deutsch lernen."

Praktika haben sie bereits gemacht. Der 16-jährige Mosaab in einer Kfz-Werkstatt, der 17-jähriger Nather im Einzelhandel - wo man sehr zufrieden gewesen sei. Renate Pionik vom Seniorenbeirat hat eine Art Betreuer- oder Vertrauensfunktion. Sie ist stolz auf das Erreichte. "Es hat sich ein starkes Netzwerk gefunden."

So stark, dass man auch weiteren Herausforderungen gewachsen sein würde, ist sich Ute Paul von der BQS Döbern sicher. Die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft betreut im Auftrag des Landkreises die Flüchtlinge in Döbern-Land. "Aber derzeit sind keine weiteren Flüchtlinge in Aussicht gestellt." Und wie sich der Weg der Schulen in Döbern und des Kurses in Cottbus bewährt, wird sich noch zeigen. "Es gab ja kein Vorbild", erklärt Yvette Bernhard. "Wir wurden ins kalte Wasser geworfen."

Renate Pniok bedauert noch jetzt den Wegzug einer syrischen Familie. Der Vater war Arzt. Aber erst vier Wochen nach dem Wegzug in Richtung München sei die Anfrage wegen eines Jobs gekommen. "Dabei werden hier doch Ärzte gebraucht."