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Johannes und Jesus

Johannistag, die Mitte des Jahres ist erreicht. Es ist hohe Zeit für so manche (Dorf)-Feste.

Unmerklich werden die Tage wieder kürzer. Die Sonnenwende in dunkler und heller Jahreszeit bewegt seit Urzeiten die Menschen. Vorchristliche Ursprünge werden mit christlichem Gedankengut übermalt. So werden Erinnerungen an Johannes den Täufer und an Jesus wachgehalten und miteinander verbunden. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen. (Joh.3,30) Dieses Wort ist Johannes in den Mund gelegt, er deutet an: Die Wirkungszeit von Jesus beginnt, meine eigene geht dem Ende entgegen. Darum ist der 24. Juni, wenn die Tage wieder kürzer werden, der Johannistag. Der 24. Dezember hingegen, wenn die Tage erneut länger werden, ist Jesus gewidmet. Beobachtungen in der Umwelt, in der Natur und religiöse Gedanken gehen Hand in Hand. Und dazu tritt das ganz eigene Erleben. Wir Menschen erreichen ja auch unsere Mitte, unsere Mitte des Lebens. Unmerklich zunächst, doch allmählich spürbar: Manche Arbeiten dauern länger als bisher und fallen etwas schwerer. Erholungsphasen nach kleinerer Erkrankung dauern länger. Die Kinder sind aus dem Hause, die Enkel werden geboren. "Wachsen" und "Abnehmen" - eigener Lebenslauf und Abläufe des Lebens. Manche Aufgaben ändern sich, manche haben ihre Zeit gehabt, andere kommen. Zeit und auch Raum - sie sind jetzt neu da. Dankbar können wir Zeit und Raum annehmen und füllen mit unseren Wünschen und Vorhaben, aber auch mit unserem Nichtstun (Wie altmodisch! Heißt es nicht "Chillen"?). Lebensmitte - Tage mit guten Erlebnissen, Tage voller Herausforderung, Tage, die mich an meine Grenzen bringen können, Tage, an denen ich meine Grenzen überwinden kann. Tage, an denen ich mich auch mal zurücklehnen darf und andere ran lasse. Lebensmitte - und weiter unterwegs, vielleicht etwas langsamer, vielleicht! Und immer wieder neu unterwegs und in Vorfreude auf die Tage, die ich durchwandern kann.

"Wachsen" sehe ich und "Abnehmen" und spüre doch so viel Kraft, denn ich bin nicht allein unterwegs. Gott sei Dank. Er verspricht mir Wegbegleitung durch alle meine Lebenszeit.