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Jedes Stück Marke Eigenbau

Dieses Etagenbett hat eine Forster Familie selbst gebaut. Museumsleiterin Michaela Zuber zeigt einen Heizlüfter – natürlich auch selbst kreiert.
Dieses Etagenbett hat eine Forster Familie selbst gebaut. Museumsleiterin Michaela Zuber zeigt einen Heizlüfter – natürlich auch selbst kreiert. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Es ist wohl die Ausstellung mit der größten Beteiligung, die das Forster Textilmuseum bisher erlebt hat: Denn Museumsleiterin Michaela Zuber kann sich nicht erinnern, dass bereits schon mal mehr als 110 Leihgeber über 1000 Stücke für eine Sonderausstellung abgegeben haben. Und diese kamen nicht nur aus der näheren Umgebung von Forst, sondern aus ganz Brandenburg sowie aus Sachsen, Berlin und Sachsen-Anhalt. Steffi Ludwig

Ein breit gestreuter Aufruf im Herbst 2016 und ein Artikel im Februar, der im unter anderem auch in der Illustrierten "Super Illu" erschien, hatten dafür gesorgt. Und natürlich das Thema "Kreativität statt Engpass - Selbstgemacht in der DDR". Der damalige Mangel habe eben einfach kreativ gemacht, meint Michaela Zuber, weshalb viele auch gleich mehrere Stücke zur Verfügung stellten. Die Idee für die Ausstellung hatten Mitglieder des Museumsvereins gehabt. Eine ähnliche Schau hatte es im vorigen Jahr beispielsweise im Stadtmuseum Jena gegeben.

Gerade ist die Forster Museumsleiterin dabei, die vielen Stücke gemeinsam mit Angela Maaß, Geschäftsführerin des Museumsvereins Forst, ansprechend im Textilmuseum zu drapieren. Am Donnerstag in einer Woche, am 13. Juli, soll Eröffnung sein.

Bereits mit selbst genähter Kleidung garniert ist das Etagenbett Marke Eigenbau einer Forster Familie, bei dem im unteren Bereich eine bunte Stoffbehausung angenäht wurde. Eine Puppe hält eine Zuckertüte, die passend zur Schuleintrittskleidung gestaltet wurde.

Erst gestern sei ein Gefährt aus Niesky abgegeben worden: Ein altes Motorrad, auf dessen hinteren Bereich ein großes Behältnis von einem Schlosser gebaut wurde - damit sei Kohle zum Heizen transportiert worden, berichtet die Museumsleiterin.

Sehr interessant ist auch der Handwagen, den eine Weißwasseraner Familie aus Eishockeyschlägern zusammengebastelt hat - mit dem habe dann die Mutter die Wäsche transportieren können. Ausgefallen ist die Waschmaschine für Feinwäsche, die ein Mann selber gebaut hatte - er hatte daür eine Saugglocke fürs sanfte Wäsche-Auspressen umfunktioniert. "So hat jedes Stück seine eigene Geschichte", weiß Michaela Zuber.

Ob etwas typisch für die Lausitzer Region ist, was nur hier selbst hergestellt wurde, kann sie nicht sagen - bis auf die Aktentaschen, die aus der sogenannten "Nitschelhose", den Gummibändern der Krempelmaschinen aus den Tuchfabriken, gefertigt wurden. "Die stammen jedenfalls auch aus den Forster Fabriken."

Ein selbst gebauter Kleintraktor soll noch bis zur Ausstellungseröffnung angeliefert werden - dieser werde dann jedoch draußen ausgestellt. Zur Vernissage werden im Übrigen Models selbst genähte Kleidung aus 40 Jahren DDR vorführen, kündigt die Museumsleiterin an.

Zum Thema:
Die Sonderausstellung wird am 13. Juli um 19.30 Uhr im Brandenburgischen Textilmuseum Forst eröffnet - mit einer Einführung in die Ausstellung und einer Modenschau handgefertigter Kleidung aus der DDR. Die Schau ist dann bis zum 19. November zu sehen.Weitere Leihgaben für diese Sonderausstellung sind nicht notwendig angesichts der mehr als 1000 Stücke, die bisher im Textilmuseum abgegeben wurden.