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Jagdstatistik anders gelesen

Spree-Neiße. Auf Widerspruch trifft die Interpretation der jüngsten Jagd-Statistik des Landkreises, nach der die Wölfe das natürliche Gleichgewicht in den Wäldern durcheinanderbringen. Mehrere Jäger aus der Spree-Neiße-Region warnen vor einer veränderten Tierwelt, da die Zahl der geschossenen Rehe in den vergangenen Jahren stark gesunken ist. René Wappler

Doch andere Fachleute halten dagegen: In erster Linie greife ja der Mensch in das natürliche Gleichgewicht ein.

Der Kreistagsabgeordnete Sascha Fussan (Die Linke) arbeitet im Spree-Neiße-Umweltausschuss mit. Er kritisiert die Position vieler Jäger: "Sie nehmen für sich in Anspruch, dass sie das Gleichgewicht der Natur erhalten wollen", sagt Sascha Fussan. "Dabei sind viele natürliche Fressfeinde nicht mehr da, weil der Mensch sie ausgerottet hat." In der Vergangenheit vermehrten sich die Rehe nach seinen Worten vor allem deshalb so stark, weil diese natürliche Auslese nicht mehr funktionierte. "Wir sind ein Teil der Natur, aber der Mensch versucht, sich über sie zu erheben." So erobere sich die Natur derzeit einfach nur den früheren Wolfskorridor zurück.

Ähnlich äußert sich der Waldbesitzer Sebastian Freiherr von Rotenhan aus Reuthen. "Wölfe verändern Fauna und Flora, und das ist auch ihre Aufgabe", erklärt er. "Man muss ja gar kein Forstmann sein, um zu erkennen, dass in brandenburgischen Wäldern außer der Kiefer so gut wie keine andere Baumart wächst." Eine Überzahl an Hirschen und Rehen lasse nur die Kiefer hochkommen - zum Schaden der Waldgebiete. "Wölfe tragen hier dazu bei, das natürliche Gleichgewicht zwischen Wald und Wild wieder herzustellen, und das ist auch dringend nötig", stellt Sebastian Freiherr von Rotenhan fest. Der Bestand an Rehwild bleibe dabei vollkommen ungefährdet: Nach der Rechnung des Waldbesitzers fressen Wölfe im Durchschnitt 15 Prozent des Rehwildbestandes, "mithin weit weniger als der jährliche Zuwachs".

Laut der Statistik des Spree-Neiße-Kreises erlegen die Jäger seit dem Jahr 2010 weit weniger Rehe als zuvor. Bis zu diesem Zeitpunkt schwankte die Zahl stets zwischen 4000 und 4500 Tieren. Im jüngsten Jagdjahr, 2016 und 2017, sank sie auf 2821 Tiere. Dies gilt als historischer Tiefstand.

Auch die Zahl der geschossenen Füchse sinkt markant, wie Sachgebietsleiter Henrik Schuhr mitteilt. "Vielleicht hängt die Reduzierung mit den Wölfen zusammen", sagt Schuhr. "Aber diese Annahme ist nicht wissenschaftlich untermauert."