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Nachschlagewerk für Arbeit mit Flüchtlingen
Integrationskonzept für Spree-Neiße ist fertig

Integrationsbeauftragte Annett Noack mit dem Integrationskonzept des Landkreises Spree-Neiße.
Integrationsbeauftragte Annett Noack mit dem Integrationskonzept des Landkreises Spree-Neiße. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Spree-Neiße. 120 Mitwirkende haben sich daran beteiligt. Die Infos hat Integrationsbeauftragte Annett Noack verknüpft. Von Steffi Ludwig

Die Stadt Cottbus hat Anfang Februar ihr Integrationskonzept beschlossen, und nun ist auch das Integrationskonzept für den Landkreis Spree-Neiße fertig – als Nachschlagewerk für Ehrenamtliche, die mit Flüchtlingen arbeiten, für interessierte Bürger, Unternehmer oder Flüchtlinge selbst. Integrationsbeauftragte Annett Noack stellte es erstmals am Dienstagabend dem Sozialausschuss des Landkreises vor.

Ursprünglich sollte es Ende 2017 fertig sein. „Das haben wir auch mit dem Entwurf geschafft, aber Abstimmung und Layout dauerten bis Ende Februar“, so Annett Noack. Denn insgesamt haben sich 120 Personen beteiligt oder eingebracht, die alle auf irgendeine Art und Weise mit Flüchtlingen zu tun haben, sowie Flüchtlinge selbst.

Angeschoben worden war das Konzept zur Integrationskonferenz im November 2016, an der sich mit 100 Engagierten fast doppelt so viele beteiligten wie erwartet. Viele im Landkreis hatten Fragen angesichts des Flüchtlingsstroms: 2015 kamen 1392 Asylbewerber nach Spree-Neiße, 2016 noch 655. Inzwischen ist der Zustrom etwas abgeebbt, laut Annett Noack wurden 2017 noch 150 Flüchtlinge zugewiesen. Doch immerhin leben im Landkreis derzeit 1290 Zugewanderte, 700 davon befinden sich im Asylverfahren, 590 haben eine Bleibeberechtigung und werden vom Jobcenter betreut. „Standen vor zwei Jahren noch die Fragen der Unterkunft im Vordergrund, sind es jetzt Fragen zur Integration“, so Annett Noack. Schlimme Vorkommnisse wie in Cottbus, als beispielsweise im Blechen Carré ein Ehepaar von einem Syrer bedroht worden war, habe es glücklicherweise noch nicht gegeben. Aber es gelte, dem vorzubeugen.

Neun Arbeitsgruppen hatten sich nach der Konferenz weiter mit den Themen beschäftigt, auch Annett Noack fuhr immer wieder durch den Landkreis und sammelte Fragen, Meinungen, Informationen.

Entstanden ist nun ein Leitfaden mit farblich abgesetzten Themen. Hier einige Beispiele:

Bildung und Sprache: Hier ist die Integration der Kinder in Kitas und Schulen erklärt, auch die rechtlichen Hintergründe, sowie die Sprachkurse – alles kombiniert mit Zuständigkeiten und Ansprechpartnern.

Arbeit und Ausbildung: Hier finden unter anderem Arbeitgeber, die einen Flüchtling einstellen wollen, viele Informationen, unter anderem zu Fördermöglichkeiten.

Umgang mit Konflikten: Hier gibt es Informationen, wohin man sich wenden kann, wenn es Probleme aufgrund von kulturspezifischen oder religiösen Auffassungen gibt oder bei der Kommunikation.

Wohnen: Wer kümmert sich um die Unterbringung, wo gibt es Informationen bei Fragen oder Problemen?

Kultur und Religionen: Hier wird das Ziel vorgestellt, die kulturellen Bildungsangebote für Zugewanderte zu erweitern und auch Begegnungsorte der Religionen zu schaffen. Modellkonzepte für Spree-Neiße sollen bis Ende 2018 erarbeitet werden.

Gesundheit: Welche Leistungen der ärztlichen Versorgung gibt es für Zuwanderer? Wo sind Beratungen?

Da das Integrationskonzept mit insgesamt 117 Seiten sehr umfangreich ist, denkt Annett Noack über eine Kurzfassung nach. Zunächst muss der Kreistag das Konzept am 25. April bestätigen. Der Sozialausschuss votierte einstimmig. „Es ist ein guter Wegweiser“, lobte unter anderem Doris Dreßler (Die Linke).

Nach dem Kreistag werde es auf der Internetseite des Landkreises veröffentlicht, auch Druckexemplare werden auf Wunsch ausgehändigt. „Das Konzept wird auch stetig aktualisiert und fortgeschrieben“, so die Integrationsbeauftragte, die seit drei Jahren ihr Amt inne hat.