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| 17:27 Uhr

Spree-Neiße
Türöffner für ein neues Leben

Vor ihrem neuen Domizil in der Forster Charlottenstraße: die Kursleiter Patrick Bode (2.v.l.) und Gabriele Hornig (4.v.l.) sowie die Integrationsbegleiter Marion Loch, Michaela Kirschke, Stefanie Menge und Jane Wilhelm (v.l.).
Vor ihrem neuen Domizil in der Forster Charlottenstraße: die Kursleiter Patrick Bode (2.v.l.) und Gabriele Hornig (4.v.l.) sowie die Integrationsbegleiter Marion Loch, Michaela Kirschke, Stefanie Menge und Jane Wilhelm (v.l.). FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst. Die Integrationsbegleiter der BQS zeigen Langzeitarbeitslosen in Spree-Neiße Perspektiven auf. Von Steffi Ludwig

Sie können der Türöffner für ein neues Leben sein, die Integrationsbegleiter der BQS Döbern (Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Strukturfördergesellschaft). Denn sie können Langzeitarbeitslosen in Spree-Neiße Perspektiven geben.

Beispielsweise der 40-jährigen Mutter aus Spremberg, die keinen Beruf erlernt hatte, und zwei Söhne hatte, die eine Ausbildung suchten. „Jetzt macht die Sprembergerin eine Ausbildung zum Betreuungsassistenten und den Führerschein. Auch die Söhne beginnen eine Lehre, und sogar der Ehemann geht in Bildung“, berichtet Integrationsbegleiterin Marion Loch, die für den Bereich Spremberg zuständig ist. „So ein Beispiel ist natürlich besonders schön, wenn wir der ganzen Familie helfen konnten.“

Im Februar war das Projekt der Integrationsbegleitung für weitere zweieinhalb Jahre bis Juli 2020 verlängert worden und ist nun im neuen Hauptsitz der BQS in der Forster Charlottenstraße ansässig. Seit 2015 läuft es bereits bei der BQS und wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Brandenburg finanziert. Die vier Integrationsbegleiter Marion Loch, Stefanie Menge (Cottbus-Land), Michaela Kirschke (Forst) und Jane Wilhelm (Guben) sowie die zwei Kursleiter Patrick Bode und Gabriele Hornig kümmern sich vor allem um arbeitsmarktferne Langzeitarbeitslose und Familienbedarfsgemeinschaften.

Das bedeutet, dass die meisten ihrer Teilnehmer, die im Alter zwischen 25 und 61 Jahren sind, bereits über zwei Jahre keine Arbeit haben. Der Großteil sei jedoch bereits zwischen zehn und 15 Jahren arbeitslos, viele stammen aus der Textilbranche. „Viele haben sich auch von Maßnahme zu Maßnahme gehangelt“, haben die Integrationsbegleiter bemerkt. Deshalb ist die Sorge, wieder in eine neue „Maßnahme“ zu kommen, bei einigen groß. „Aber unser Projekt ist freiwillig, die Teilnehmer können selbst entscheiden, ob sie mitmachen“, erklärt Jane Wilhelm. Denn es gebe auch kein extra Geld, nur eine Fahrtkostenpauschale. Oft würden die Teilnehmer von den Fallmanagern im Jobcenter vermittelt. „Wir klären dann erstmal, wie wir helfen können und treffen uns dann nach Bedarf, meist so alle zwei Wochen“, so Stefanie Menge.

Die Integrationsbegleiter sind Sozialpädagogen und versuchen, mit Einbeziehung des Lebensumfeldes und der Familie den Betroffenen zu helfen. „Manchmal hilft es schon, beispielsweise einer Allein­­erziehenden zu vermitteln, dass sie keine Komplexe haben muss, weil sie sich nur über die Arbeit definiert und diese nicht findet“, sagt Stefanie Menge. „Gerade im ländlichen Bereich ist das schwierig.“

„Ansonsten bieten wir Kurse an, die passen könnten, und suchen hauptsächlich nach Fortbildungen, Ausbildungen oder Umschulungen“, so Jane Wilhelm. „Für einige ist es bereits ein Erfolg, einen Bundesfreiwilligendienst oder eine geringfügige Beschäftigung zu beginnen – einfach der Fakt, irgendwo hineinzukommen, von der Couch hochzukommen“, bringt sie es auf den Punkt.

Von reichlich 200 Teilnehmern aus den Bereichen Forst, Spremberg, Guben und Cottbus-Land konnten sie zwischen 2015 und 2018 immerhin 38 in sozialversicherungspflichtige Arbeit bringen sowie weitere 22 in Bildungsmaßnahmen. Viele der Arbeitsstellen gehören dem Bereich der Dienstleistungen an. Aber auch der Pflegebereich, Hauswirtschaft, Reinigung, Produktion oder Hotelwirtschaft seien darunter, nach Auskunft von Jane Wilhelm alles in der Region. „Denn viele haben den Wunsch, in der Region zu bleiben, gerade auch wegen der Kinder.“

Besonders Familienthemen werden in den Kursen behandelt. Beispielsweise, wie Kindern Grenzen gesetzt werden können. Im vergangenen Sommer haben die Integrationsbegleiter mit einigen Familien sogar ein Familienwochenende veranstaltet. Mit Ausflügen in der Region wurde gezeigt, was Familien in der Freizeit mit wenig Geld erleben können. Bei einem großen Büfett konnten sich die Mütter einmal zurücklehnen und ihre Sorgen für einen Moment vergessen. Dies soll auch gern wiederholt werden. „Es geht darum, die Menschen auch untereinander zu vernetzen und wieder mehr am Leben teilhaben zu lassen.“

Durchschnittlich werden die Teilnehmer ein Jahr betreut, maximal jedoch zwei Jahre.