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Integration am Gemüsebeet

Stolz auf die selbst gezogenen Gurken: Ikram Rana (21, l.) und Irshad Ahmad Shah (25, r.) aus Pakistan sowie Suleman Feru (45) aus Syrien.
Stolz auf die selbst gezogenen Gurken: Ikram Rana (21, l.) und Irshad Ahmad Shah (25, r.) aus Pakistan sowie Suleman Feru (45) aus Syrien. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Die Gurken in den selbst aus Holzstämmen gezimmerten Hochbeeten gedeihen prächtig, auch die Bohnen, Gurken, Kartoffeln oder der Salat. Blumenkübel sind dekorativ aufgereiht. Steffi Ludwig / slu

Kaum zu glauben, dass es hier hinter dem ehemaligen Jugendklubhaus in der Gubener Straße vor etwa einem Jahr noch aussah wie im Urwald.

Flüchtlinge haben hier seit August 2016 in einer sogenannten Flüchtlingsintegrationsmaßnahme (FIM) die Außenanlagen unter Leitung von Angela Seidel (Foto) in Schuss gebracht. Ihr gefalle sehr, wie ordentlich das jetzt aussehe, lobte eine Anwohnerin am Mittwoch, als das Forster Flüchtlingsnetzwerk das Projekt im alten Jugendklubhaus vorstellte. "Ganz toll, was hier geleistet wurde", sagte auch Andreas Kaiser, Fachbereichsleiter Bildung und Soziales. "Der seit Jahren zugewachsene Garten wurde quasi aus seinem Dornröschenschlaf geweckt."

Im vergangenen Jahr sei der Landkreis Spree-Neiße auf die Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Strukturfördergesellschaft (BQS) Döbern zugekommen, ob sie eine Flüchtlingsintegrationsmaßnahme aufstellen würde, berichtet BQS-Chefin Anett Müller. Von der Stadt wurde ihnen die erste Etage des ehemaligen Jugendklubhauses vermietet. Seitdem gibt es hier 20 Plätze für Flüchtlinge im Rahmen der FIM, weitere neun bei der Stadt im Bereich der Wehrinsel in der Grünflächenpflege und vier beim Nix-Verein im Jugendclub Waggon, wo der Ökogarten gepflegt wird.

Bundesweit werden jährlich bis zu 100 000 dieser Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge finanziert - um ihnen in der Wartezeit bis zur Entscheidung über ihre Anerkennung eine sinnvolle und gemeinwohlorientierte Beschäftigung zu geben. Laut Anett Müller bekommen die Flüchtlinge dafür 80 Cent pro Stunde zu ihren Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, arbeiten 30 Stunden pro Woche. Finanziert werde das über die Agentur für Arbeit.

Wenn das Wetter schlecht ist, werde Deutsch gelehrt, berichtet Projektleiterin Angela Seidel. "Inzwischen nutzen die Flüchtlinge Deutsch, um sich untereinander zu verständigen, wenn sie mit anderen Sprachen nicht weiterkommen", freut sie sich. Syrer, Pakistani, Tschetschenen und Afghanen arbeiten mit. "Wir haben auch ein gutes Vertrauensverhältnis aufgebaut", berichtet die Projektleiterin, die auch Ansprechpartnerin für die vielen Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens geworden ist. Obwohl die Fluktuation recht hoch ist, beispielsweise durch Sprachkurse, sagt Angela Seidel: "Es wird viel gelacht hier." Und sie warte natürlich auch auf die Ideen der Flüchtlinge. "Die Freude über das Geerntete war jedenfalls groß." Außerdem wurden Wandmalereien im Eingangsbereich, die afrikanische Flüchtlinge in den 90er-Jahren angefertigt hatten, von den Flüchtlingen rekonstruiert.

Laut Anett Müller läuft das Projekt zunächst bis September - eine Weiterführung ist beantragt.

Zum Thema:
Über die Zukunft des ehemaligen Jugendklubhauses in der Gubener Straße 10 wird heute in der Stadtverordnetenversammlung entschieden. Die Stadtverwaltung strebt an, das Haus zum Kinder- und Jugendzentrum weiterzuentwickeln, da eine Sanierung des Schülerfreizeitzentrums und des Park 7 zu teuer würde. Auch das Jugendklubhaus müsste saniert werden, hier gibt es jedoch noch keine Kostenschätzung. Für das Flüchtlingsprojekt der BQS, wenn es verlängert wird, müsste dann ein anderer Standort gefunden werden. (slu)