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| 18:42 Uhr

Innere Sicherheit
Weniger Straftaten und bessere Aufklärung in Stadt und Kreis

 Gemeinsame Streifen von Polizei und Ordnungsamt haben die Situation in der Cottbuser Innenstadt entspannt.
Gemeinsame Streifen von Polizei und Ordnungsamt haben die Situation in der Cottbuser Innenstadt entspannt. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. In Cottbus und Spree-Neiße hat die Kriminalität im vergangenen Jahr deutlich abgenommen. Die Polizei beklagt allerdings eine Zunahme von Gewalt. Von Andrea Hilscher

Bettina Groß, Leiterin der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße, gibt sich betont nüchtern. Dabei bieten die Zahlen, die sie verkündet, Stoff für Emotionen: Nie gab es in den vergangenen zehn Jahren weniger Delikte als 2018, die Aufklärungsquote befindet sich auf einem historischen Hoch.

15 634 Straftaten hat die Polizei im vergangenen Jahr registriert, 766 weniger als im Vorjahr. 8470 Fälle konnte sie an die Staatsanwaltschaft übergeben. Die Aufklärungsquote liegt damit bei 54,2 Prozent (Vorjahr: 49,6 Prozent). „Wir haben trotz Personalmangels und anderer schwerer Bedingungen gute Arbeit geleistet“, sagt Groß. Mit „schweren Bedingungen“ meint sie die schlechte Grundstimmung in der Stadt. „Wir hoffen, dass sich auch anhand unserer Zahlen ein sachlicheres Bild von der Lage zeichnen lässt.“

Die Aufklärungsquote: Sie ist nach Aussagen der Polizei deshalb so hoch, weil es 2018 gelungen ist, mehrere Serien aufzuklären. So konnte eine Brandserie in Guben geklärt werden, die sich aus 50 Einzeltaten zusammengesetzt hat. Auch die aufgeklärten Brandstiftungen in Welzow und mehrere geklärte Diebstahlserien führten zu der ausnehmend hohen Quote.

Stadt und Landkreis: In der Stadt Cottbus ist die Zahl der Straftaten um 4,4 Prozent auf 9026 gesunken, im Kreis um 5,1 Prozent auf 6608. Besonders drastisch schlägt sich der Rückgang der Kriminalität in Forst (minus 11,4 Prozent), in Peitz (minus 19,6 Prozent) und in Burg (minus 9,1 Prozent) nieder. Ausreißer sind Schenkendöbern (plus 55,7 Prozent und Drebkau (plus 27,5 Prozent). Dahinter verbergen sich „menschliche Tragödien“, wie Bettina Groß sagt. Beziehungsdramen, die mehrmals die Woche in Gewalt ausarten.

Weniger Diebstähle: „Eine besondere Erfolgsgeschichte“, sagt Kripochef Marco Mette: Die Zahl der Diebstähle in der Region ist seit 206 kontinuierlich gesunken, zuletzt auf 6199 Delikte – die niedrigste Zahl seit zehn Jahren. Allein bei den Fahrraddiebstählen ist die Zahl von 4000 im Jahr 2014 auf jetzt 1500 gesunken. Mette: „Wir haben vor drei Jahren polnische Banden enttarnt, denen wir über tausend Straftaten zuordnen konnten.“ Leider seien diese Fälle immer noch nicht vor Gericht gelandet. Erfolg zeigt wohl auch eine eigens gegründete Ermittlungsgruppe, die sich gezielt mit Beschaffungskriminalität befasst. Sie hat 22 Intensivtäter, alles Deutsche aus der Region, in den Fokus genommen.

Mehr Autos geklaut: Die Zahl der erfolgreichen oder versuchten Autodiebstähle ist von 1460 auf 1502 gestiegen. Besonders beliebt: die Marken VW, Audi, Honda, Mazda. Bettina Groß: „Besonders riskant sind sogenannte schlüssellose Systeme. Ihre Signale können sogar durch geschlossene Türen oder Fenster ausgelesen werden.“ Das nutzen Diebe zum unauffälligen Autoklau.

Anstieg bei Drogenkriminalität. „Ein Kontrolldelikt“, sagt Marco Mette. Je mehr Beamte er einsetzen kann, umso mehr Täter werden entdeckt. 2018 waren es 881 Delikte, im Vorjahr 300 weniger. Neben Cannabis und Crystal wird offenbar auch mehr Kokain und Heroin gehandelt.

Die Gewalt nimmt zu: 2018 mussten die Beamten 2352 Rohheitsdelikte bearbeiten, im Vorjahr waren es nur 2187. Die Täter: Zu 80 Prozent Deutsche, 20 Prozent haben Migrationshintergrund, 13,2 Prozent sind Zuwanderer. Ihre Opfer stammen zum großen Teil aus dem familiären Umfeld oder dem Freundeskreis. Bettina Groß: „Oft gibt es Auseinandersetzungen in Sammelunterkünften oder Konflikte in Familien, denen die Umstellung auf ein neues Wertesystem schwerfällt.“ Ihr Fazit: „Als deutschstämmiger Cottbuser bin ich heute in der Stadt nicht gefährdeter als noch vor einigen Jahren.“

Wer zum Täter wird: Von 5447 ermittelten Tätern sind 1122 nicht deutsch. Unter ihnen sind polnische Bandenangehörige, Osteuropäer, Zuwanderer. Rechnet man bei der letzten Gruppe die ausländerrechtlich bedingten Taten heraus, liegt der Anteil der Zuwanderer bei 7,4 Prozent der Straftäter – zwei Prozent mehr, als ihrem Bevölkerungsanteil entspricht.

 Gemeinsame Streifen von Polizei und Ordnungsamt haben die Situation in der Cottbuser Innenstadt entspannt.
Gemeinsame Streifen von Polizei und Ordnungsamt haben die Situation in der Cottbuser Innenstadt entspannt. FOTO: Michael Helbig