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| 02:34 Uhr

Ingolf Kschenka prägte nicht nur die Kirchengemeinde

Ingolf Kschenka wurde von seiner Gemeinde feierlich verabschiedet.
Ingolf Kschenka wurde von seiner Gemeinde feierlich verabschiedet. FOTO: Angela Hanschke
Forst. Nach 28 Jahren Amtszeit hat sich Pfarrer Ingolf Kschenka am Sonntag von den Menschen im Pfarrsprengel Noßdorf und der dazugehörigen Kirchengemeinden Groß Bademeusel und Groß Schacksdorf verabschiedet – in der Noßdorfer Kirche, die während des Festgottesdienstes gefüllt war, wie anderswo nur am Heiligen Abend. Am ersten Adventssonntag schritt er feierlich hinter Pfarrer Bodo Trummer – seinem "Amtskollegen und Freund von Jugend an" – und Superintendentin Ulrike Menzel in die Kirche ein, in der er 28 Jahre lang den Gottesdienst hielt. Angela Hanschke

"Stunden, Tage, Jahre gehen dahin", hieß es in einem Lied, das der Kirchenchor anstimmte. "Mit dem Chor, der einst aus der jungen Gemeinde hervorging, hinterlasse ich etwas Lebendiges", sagt Kschenka zufrieden. Mehr als 300 Zuhörer hatte er bei seiner letzten Predigt in Noßdorf, während er Fundstücke aus vergangenen Jahrzehnten, darunter auch ein Plakat von John Lennon hervorholte und an die Pfarrer der vergangenen 100 Jahre erinnerte. Er sei dankbar dafür, dass er, damals gerade 29-jährig, nicht unmittelbar nach Georg Herche und dessen großen Spuren folgte. Solche hinterlässt er nun selbst nach der bislang längsten Amtszeit aller Noßdorfer Pfarrer, sagte Franziska Roeber, die vom Vikariat aus Oranienburg in den Pfarrsprengel Noßdorf entsandt wurde.

"28 Jahre Pfarrdienst sind eine ganze Menschengeneration." Dankbar äußerte sich Superintendentin Ulrike Menzel für Kschwenkas Entschluss, sich nach Jänschwalde berufen zu lassen. In die wendische Gemeinde, deren Sprache zu bewahren, ihm stets am Herzen lag. Mit dem Wechsel ermögliche er, Noßdorf mit einem jungen Amtsinhaber zu besetzen.

Sehr froh und dankbar sei er darüber gewesen, sagte Kschenka, dass er am Sonntag seine Kinder Luisa, David und Martin, aber auch seine Mutter sowie seine Schwester zur Seite hatte. Dazu kamen Weggefährten, die Erinnerungen weckten an den ökumenischen Friedenskreis, der die Wende in Forst mit prägte, die Umweltbewegung der 80er-Jahre, die Junge Gemeinde, die Rüstzeiten mit Kindern und Jugendlichen, die er mit Pfarrer Trummer und Maria Nooke abhielt; die Fahrten mit Jugendlichen nach Rumänien, wo er ein Jahr lang Deutschunterricht erteilte.

Vieles sei ihm jedoch auch nicht gelungen, räumte Kschenka ein. Er habe Vielen, die sich von der Kirche entfernt hatten, den Glauben nicht näher bringen können. Die Kirche habe als Institution die Menschen der Region, besonders die Resignierten, Arbeitslosen und Sprachlosen "nicht so eng begleitet, wie wir es uns während des Studiums erhofften", räumte er ein. "Das bedrückt mich schon."