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Bürgermeisterwahl 2018
Industriebrachen zwischen Abriss und neuer Nutzung

Bürgermeisterwahl 4c
Bürgermeisterwahl 4c FOTO: Janetzko, Katrin / LR
Forst. Bürgermeisterkandidaten erkennen Problem. Lösungen: Geld bereitstellen, Investoren motivieren, BTU einbeziehen.

In wenigen Wochen entscheiden die Forster über ihren künftigen Bürgermeister. Die RUNDSCHAU bat die fünf Kandidaten unter anderem zu erläutern, welche Ideen sie für die vielen Industriebrachen und ehemaligen Betrieb haben.

Ingo Paeschke (Die Linke) ist grundsätzlich bereit für den Erhalt einzelner Objekte neue Wege zu wagen. „Die Nutzung einzelner Objekte für junge Unternehmen sollte angestrebt werden“, sagt er. „Dazu wird es auch erforderlich sein, Risikokapital bereitzustellen.“ Zuvor müsse es intensive Diskussionen mit den Denkmalbehörden geben, um zu ermitteln, welche Gebäude erhaltenswert sind und wo nur noch ein Abriss sinnvoll ist. Eine weitere Schwierigkeit beim Umgang mit den Industriebrachen sieht Paeschke in den Eigentumsverhältnissen. Viele Grundstücke seien in Privatbesitz.

Für Simone Taubenek (parteilos) stellen die Industriebrachen das größte Problem in der Stadt dar. Eine Lösung könne es nur unter Berücksichtigung der bestehenden Eigentumsverhältnisse geben. Aus Sicht Taubeneks wäre eine Kooperation mit dem Bereich Architektur der Brandenburgischen Technischen Universität denkbar, um „ein An-Institut neu zu beleben und die verschiedenen Gebäude zu entwickeln“. Die derzeitigen Kreditbedingungen dürften es aus ihrer Sicht auch möglich machen, Objekte an Interessenten zu vermarkten. Trotzdem werde man Fördermittel einsetzen müssen.

Aus Sicht Aimo Bartels (parteilos) sei es momentan nicht abzuschätzen, wie eine weitergehende Nutzung der verschiedenen Industriebrachen möglich ist. Er geht jedoch davon aus, dass man einige Bauwerke und Areale einer sinnvollen Nutzung zuführen könne. Bartel gibt zu bedenken, dass im Vorfeld erhebliche Kosten entstünden, weil für jedes einzelne Objekt grundsätzliche Fragen zu Eigentumsverhältnissen, Bausubstanz, Kontaminierung und Denkmalschutz geklärt werden müssen.

Einen klaren Plan hat Helge Bayer (CDU). Kurzfristig gelte es die Frage zu beantworten, welche dieser Flächen für die Stadtentwicklung gut geeignet sind und einer neuen Nutzung zugeführt werden sollten. Für jedes Grundstück sei eine Eigenbewertung hinsichtlich der Eigentumsfrage, Förderfähigkeit und künftiger Nutzungsmöglichkeit nötig. Der Aufwand ist hoch. „Ich denke“, so Bayer, „dass pro Jahr eines der 40 Industrieruinengrundstücke einer Lösung zugeführt werden kann.“ Es gäbe also Arbeit für 40 Jahre, die jetzt begonnen werden müsse.

Thomas Engwicht (parteilos) schätzt ein, dass für viele Objekte nur noch ein Rückbau sinnvoll sei. Gleichzeitig verweist er auf seine eigene Initiative. „Ich habe gezeigt, dass es möglich ist, wertvolle Industriebauten zu retten und einer zukunftsfähigen Nutzung zuzuführen“, sagt er. Seine gesammelten Erfahrungen wolle er einsetzen, um Investoren zu ermutigen oder städtische Investitionen auf diesem Gebiet anzuregen. Im Fall eines Abrisses biete sich die Chance, Platz für Neues zu schaffen.

Unter www.lr-online.de sind die Antworten der Bürgermeisterkandidaten auch zu Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung, dem Stadion am Wasserturm und die Ideen für das Forster Stadtzentrum nachzulesen.