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Probleme im Gartenparadies
Immer mehr Kleingärten leer

Reinhard Schäfer (l.) und Volkmar Ladewig in der Kleingartenanlage „Paradies“ in Forst.
Reinhard Schäfer (l.) und Volkmar Ladewig in der Kleingartenanlage „Paradies“ in Forst. FOTO: Steffi Ludwig / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Forst. Die BQS Döbern hilft seit diesem Jahr in Forst beim Beräumen verwaister Gärten. Von Steffi Ludwig

Das Wetter passt an diesem Herbstvormittag zum Namen der Gartengemeinschaft „Paradies“ in der Forster Ziegelstraße – die Sonne strahlt die bunten Bäume an, der Himmel ist stahlblau. Doch nicht so paradiesisch sind die Umstände: Von den 66 Gärten hier stehen 22 leer. „Und viele ehemalige Garteneigentümer hauen einfach ab“, nennt Vereinsvorsitzender Reinhard Schäfer ein generelles Problem. Das kann Volkmar Ladewig, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes der Gartenfreunde Forst und Umgebung, nur bestätigen.

44 Kleingartenvereine – so viele wie bundesweit selten in einer vergleichbaren Stadt wie Forst – sind  im Bezirksverband organisiert, auf 60 Hektar Fläche verteilen sich die Gartenanlagen. Doch von den rund 2200 Gartenpächtern zur Wendezeit sind gerade noch reichlich 1600 übrig. Jedes Jahr geben laut Ladewig rund 50 ihren Garten ab. Es kämen zwar einige neue, auch Familien hinzu, oder einige Berliner, die in Forst aufgrund der hier günstigen Pacht einen Garten nehmen. Doch das seien Wenige. „Einige Laubenpieper nehmen sogar zwei bis drei Gärten dazu, um dem Leerstand entgegenzuwirken“, sagt Ladewig. In einigen Gartenvereinen wie in Sacro sehe es recht bitter aus: Von 22 Gärten sind gerade noch sechs bewirtschaftet, um den siebenten werde gerade gerungen.„Laut Gesetz muss der Garten, wenn er abgegeben wird, beräumt werden, er ist Privateigentum auf Pachtland“, so Ladewig. Doch viele ehemalige Gartenbesitzer seien dann einfach nicht mehr auffindbar – was nicht nur einen ungeräumten Garten bedeute, sondern auch eine höhere Pacht für die restlichen Gartenbesitzer, da sich diese auf alle aufteile, berichtet Volkmar Ladewig.

Doch seit diesem Jahr gibt es in dieser Hinsicht einen Lichtblick: Die Beschäftigungs-, Qualifizierungs- und Strukturfördergesellschaft Döbern (BQS) greift den Gartenvereinen unter die Arme. „Sie fragten an, ob wir für sie Arbeit haben“, berichtet Volkmar Ladewig. Und so wurden mehrere Mitarbeiter der BQS für die Beräumung leer stehender Gärten in den Sparten „Paradies“, „Zur Erholung“ und für drei Wochen in der Sparte „Aufbau“ eingesetzt. „Das hätten wir sonst nie geschafft“, lobt Reinhard Schäfer. „Denn einige Lauben und Schuppen waren noch voller Gegenstände, Müll und Schrott.“ Dreckecken wurden beseitigt, Rasen gemäht, Wildwuchs entfernt oder Zäune montiert. Abreißen dürfe die BQS jedoch nicht, das müsste der Verein erledigen, so Schäfer. Er regte zudem an, dass die BQS zwei Gärten bewirtschaften und die Erträge dann für die Forster und Döberner Tafel bereithalten könnte.

Auch im kommenden Jahr ist die BQS laut Volkmar Ladewig bereits gebucht, für die Gartenvereine „Aufbau“ und „Zur guten Hoffnung“, um dort Gärten zu beräumen. Volkmar Ladewig und Bezirksverbandsvorsitzender Uwe Kohn halten es für wichtig für die Zukunft, dass die Anzahl der Kleingärten reduziert werde und dass sich Gartenvereine eventuell zusammenschließen. „Wir erwarten auch mehr Initiative von der Landesregierung“, sagen beide. Denn beispielsweise bestehe auch ein Problem darin, dass in Forst nur die Hälfte der Gartenflächen der Stadt gehöre und die andere Hälfte privaten Eigentümern.