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| 02:36 Uhr

In Brozek schwelt es noch

Im qualmenden Deponiebereich in Brozek arbeiteten am Samstag Baggerfahrer und nahmen die Recyclingstoffe auseinander.
Im qualmenden Deponiebereich in Brozek arbeiteten am Samstag Baggerfahrer und nahmen die Recyclingstoffe auseinander. FOTO: SaWi
Forst. Fast sechs Wochen nach Ausbruch des Großfeuers in der Recyclinganlage im polnischen Brozek hat es am Sonntagmittag erstmals eine offizielle Gefahrenwarnung gegeben, die nach drei Stunden wieder aufgehoben wurde. Warum erst jetzt, fragen sich viele Bürger in den sozialen Netzwerken. Steffi Ludwig und Andrea Hilscher

Schon seit Wochen stinke es immer wieder gewaltig, besonders stark in den südlichen Ortsteilen oder Groß Schacksdorf, die Brozek genau gegenüberliegen.

Am Sonntag hätten sich besonders viele Anrufer über den Rauch bei der Leitstelle Lausitz beschwert, weshalb die Bevölkerung über das Warnportal des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe darum gebeten wurde, Türen und Fenster geschlossen zu halten und Lüftungs- und Klimaanlagen abzustellen. Das Brandenburger Innenministerium sei nach Auskunft des stellvertretenden Sprechers Wolfgang Brandt lediglich um Rat gefragt worden, ausgelöst habe die Warnung der niedrigsten Warnstufe die Leitstelle. Per Radio und Internet wurde die Meldung verbreitet. Zudem wurden laut Brandt am Sonntag nochmal Vor-Ort-Messungen durchgeführt. "Es wurden jedoch keine Grenzwerte überschritten", so Brandt.

Sabine Lindner, Mit-Initiatorin der Proteste für die Bekämpfung des Brandes, kann den starken Qualm am Vormittag bestätigen, sie wohnt in der Forster Südstadt. "Am frühen Nachmittag, als der Wind drehte, wurde es besser." Am Samstag war sie am Brandort in Brozek und hatte beobachtet, wie dort drei Bagger beschäftigt waren. Es habe so ausgesehen, als hätten diese an der Erdabdeckung des Brandes gearbeitet. Vorige Woche hatte der Landrat von Zary, Janusz Dudojc, verkündet, dass mit dem Abdecken des Brandes begonnen worden sei, aber nun doch keine deutsche Hilfe in Anspruch genommen werde.

Landrat Harald Altekrüger (CDU) bestätigte dies vor dem gestern Abend tagenden Landwirtschafts- und Umweltausschuss des Landkreises und verwies darauf, dass man jedoch in ständigem Kontakt stehe. Dennoch hätte die polnische Seite besser informieren müssen, da es eine Vereinbarung von 2008 gebe, die unter anderem eine Zusammenarbeit der Leitstellen vorsehe. Zudem hätten die Kunststoffe offenbar länger abgelöscht werden müssen, so Altekrüger. Dann sei die polnische Seite gefordert, das Material zu entsorgen. Von den 24-Stunden-Messungen, die vor zwei Wochen in Forst durchgeführt wurden, werden laut Altekrüger nun endlich in dieser Woche die Ergebnisse erwartet.

Gestern wurden Messergebnisse der polnischen Umweltbehörde bekannt, die zeitweise Überschreitungen der Grenzwerte bei Staubbelastung, Kadmium und Benzopyren ergaben. Landrat Altekrüger: "Ich habe das soeben erfahren und wir werden das genau analysieren, auch was davon über die Grenze gelangt ist."

Mehr zum Brand in Brozek unter www.lr-online.de/brozek

Zum Thema:
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat gegenüber der RUNDSCHAU die Informationspolitik der polnischen Behörden kritisiert. Er habe mit mehreren Vertretern der polnischen Seite gesprochen, plane für die kommenden Tage weitere Gespräche, so Woidke. "Wir erwarten bessere Informationen über den Fortgang der Löscharbeiten, über die Rauchentwicklung und die Organisation der Brandbekämpfung." Das Technische Hilfswerk stehe nach wie vor bereit, um die Löscharbeiten zu unterstützen. "Wobei die Koordination der Einsätze natürlich der polnischen Seite obliegt."Das Feuer im polnischen Brozek war am 13. Februar aus bisher ungeklärter Ursache ausgebrochen.