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| 18:21 Uhr

Imkerei
Imkern als Yoga gegen den Alltagsstress

Benjamin Junghanns ist jüngstes Vereinsmitglied.
Benjamin Junghanns ist jüngstes Vereinsmitglied. FOTO: Angela Hanschke
Forst. Der 32-jährige Benjamin Junghanns aus Forst ist der Jüngste im Imkerverein. Nur die Hälfte seiner Bienenvölker hat den Winter überlebt. Von Angela Hanschke

Die Imkerei gilt häufig als Hobby älterer Herren, die sich den Ruhestand mit dem Honig ihrer Bienenvölker versüßen. Während in Großstädten junge Leute das Imkern auf Hochhausdächern und Balkonen als hippes Hobby entdeckt haben, kämpfen die meisten Vereine im Land Brandenburg um jüngere Mitstreiter. Knapp 30 Freizeitimker gehören dem Imkerverein Forst an. Er ist mit 166 Jahren der älteste Verein seiner Art in der Niederlausitz. Auch der Altersdurchschnitt der Mitglieder aus Forst, den umliegenden Dörfern, aus Spremberg, Cottbus und Tschernitz ist hoch. Er liege bei Ende 50, schätzt Vereinsvorsitzende Andreas Kählig.

Aber er kann auch ergänzen: „Erfreulicherweise gibt es immer wieder junge Interessenten. Fünf Neulinge haben sich dem Verein im vergangenen Jahr angeschlossen. Der Jüngste ist der 32-jährige Benjamin Junghanns aus Forst. Bereits sein Urgroßvater mütterlicherseits, der Mühlenbesitzer  Herrmann Beschow aus Bagenz züchtete Bienen. Auch sein Vater Christoph Junghanns imkert seit 34 Jahren.

„Bereits als Kind habe ich beim Schleudern und Wabendeckeln mitgeholfen. Doch Feuer fing ich damals noch nicht“, so Benjamin Junghanns. Honig gehört für ihn zum Frühstück einfach dazu. Vorzugsweise der in der Region inzwischen sehr seltene Buchweizenhonig. Als vor vier Jahren die Honigausbeute äußerst mager ausfiel, bot der erfahrene Imker Kurt Pigolla ihm und seiner Freundin Steffi Faltin an: „Ich stelle euch im nächsten Frühjahr einige Bienen hin“. Stiche lassen sich beim Imkern nicht vermeiden. Benjamin Junghanns hat daher inzwischen den Hauptpart übernommen. Auch beruflich ist er als Teichwirt in die Fußstapfen seines Vaters getreten und lebt wie dieser von der Natur und im Einklang mit dieser. Täglich besucht er seine Honiglieferantinnen.

Noch vor einigen Wochen drängten sich die Bienen als wärmende Traube um ihre Königin und die Brut. Bei den gegenwärtigen Temperaturen schwärmen die emsigen Nektarsammlerinnen inzwischen fleißig aus.

Die Bienenhäuser und die darin eingehängten Rähmchen sind Eigenbau aus Pappelholz, das an den Teichrändern in der Teichwirtschaft Eulo heranwächst. Die lange milde Witterung und die spät einsetzende Kälte im Frühling hat den Immen zugesetzt. Lediglich Schneeglöckchen und Krokusse in unmittelbarer Nähe der Beuten boten zunächst Nahrung. Solche Witterungsunbilden können nur gesunde Bienenvölker wegstecken. Doch die waren bereits durch die berüchtigte Varroamilbe und den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft vorgeschädigt. „Fünf der ursprünglich zehn Bienenvölker haben den Winter nicht überlebt“, lautet die traurige Bilanz des jungen Imkers. Bei anderen Bienenhaltern habe es noch höhere Ausfälle gegeben, sagt er.

Inzwischen hat der Temperaturanstieg die Natur geradezu zum Explodieren gebracht. Winterlinge, aber auch Haselsträucher, Weiden und Erlen haben längst Pollen angesetzt. Die erste große Tracht im Jahr ist jedoch die Obstblüte. Im Vorjahr fiel diese jedoch aufgrund von Spätfrösten fast völlig aus. Monokulturen und die Bekämpfung von Wildkräutern in der industrialisierten Landwirtschaft bereiten dem Imker ebenso Sorge wie das Verschwinden von alten Kultursorten und die zunehmende Vorliebe von Kleingärtnern für Zierrasen. Imker sind von Haus aus Naturschützer. „Spätblüher fehlen. Bereits ab September entsteht so ein Nahrungsmangel. Studien haben gezeigt, dass die Bienen in großen Städten mehr Nahrung vorfinden als in ländlichen Gebieten. Das ist doch absurd“, meint Benjamin Junghanns.

Bei Gesprächen mit Freunden, Verwandten und Honigkunden versucht er daher, für die Bedürfnisse der Bienen zu sensibilisieren. Ebenso für den Verzicht auf Pestizide während des Bienenfluges, der meist erst nach 18 Uhr endet.

Lohnt dieser ganze Aufwand? „Ich kann das Imkern nur weiterempfehlen. Es ist für mich ein Ausgleich zum Alltagsstress. Eine Art Yoga“, meint der Forster Jungimker und mahnt: „Die Menschen müssen ihre natürlichen Lebensmittel wieder mehr schätzen. Das gilt für den Honig, aber auch für Fischprodukte“. Honig und Fisch sind auch eine gute kulinarische Verbindung. Daher bietet das Fischfachgeschäft der Familie Junghanns seit Kurzem zum Beispiel Matjessalat mit Honig-Senf-Sauce an.