| 01:03 Uhr

Im „Schlepptau“ ins Kulturerbe

Der grenzübergreifenden Initiative zur Deklaration des Pücklerparks Bad Muskau als Weltkulturerbe durch die Unesco will Branitz „im Schlepptau“ folgen. Das wurde gestern Vormittag bei einem Besuch der Kulturstaatsministerin Christina Weiss in Schloss und Park Branitz deutlich. Von Klaus Alschner

Die Staatsministerin beim Bundeskanzler ist zusammen mit ihrem polnischen Kollegen Waldemar Dambrowski auf einer Reise an der deutsch-polnischen Grenze, um sich ein Bild über grenzüberschreitende Kultureinrichtungen und -projekte zu verschaffen. Frankfurt, Bad Muskau und Görlitz sind Stationen dieser Reise. Dass auch Cottbus in die Route integriert wurde, geht auf Initiative der brandenburgischen Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Prof. Johanna Wanka zürück.

Zusammenarbeit
Bei einem Gespräch im Branitzer Schloss meinte Hermann Graf von Pückler, Großneffe des Gartenfürsten, denn auch an Christina Weiss gewandt: „Ich bin froh, dass Frau Wanka Sie nach Branitz eingefangen hat.“
Die Zusammenarbeit der Pückler-Standorte Branitz und Bad Muskau sei von großer Wichtigkeit. „Wir leiden daran, dass Branitz an die Kommune angebunden ist,“ so Pückler, dadurch sei ein Zusammenwirken mit Bad Muskau „auf gleicher Augenhöhe“ nicht möglich. Ein Unesco-Antrag für Branitz hätte nach Pücklers Worten „zwölf Jahre benötigt, um auf den Schreibtisch zu kommen.“ Daher sei der Pücklerpark Branitz bemüht „im Windschatten von Bad Muskau“ etwas zu erreichen.
Berthold Ettrich, Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloss Branitz betonte, dass es schließlich mit dem Fürsten Pückler einen gemeinsamen Urheber gebe. Daher sei es angesichts der polnisch-sächsischen Kulturerbe-Initiative im Branitzer Interesse, über „eine Annäherung im Sinne einer Fusion“ nachzudenken.
Ettrich verwies aber auch auf positive Beispiele der Zusammenarbeit. So sei 2005 eine gemeinsame Ausstellung mit Muskau zur großen Englandreise Pücklers geplant.
Eine „Arrondierung“ der Pückler-Parks Branitz und Muskau ist auch für Kulturministerin Prof. Wanka „durchaus denkbar“ . Auch nach den Worten des Cottbuser Bürgermeisters Ferdinand Schwarz stellen die Anlagen in Cottbus und Bad Muskau eine Einheit dar, so dass über eine organisatorische und rechtliche Verbindung nachzudenken sei.
Der Direktor der Stiftung führte die Minister aus Berlin, Warschau und Potsdam durch Park und Schloss, erläuterte unter anderem die Pläne zum Ausbau der Gutsökonomie, zeigte Beispiele aus dem verfilmten schriftlichen Nachlass des Fürsten Pückler und erläuterte den kulissenhaften Aufbau des Parkes und seine Blickachsen.

Deutsch-polnisches Kulturjahr
Ministerin Christina Weiss meinte, das Pückler-Park-Projekt sei besonders gut für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf dem Kultursektor geeignet. Für sie persönlich sei es der erste Besuch der Pückler-Schlösser und der deutsch-polnischen Grenzregion in der Lausitz überhaupt. Allerdings pflege sie schon seit langer Zeit mit ihrem polnischen Kollegen Dambrowski Kontakt. Als Ergebnis sei zum Beispiel im Zeitraum 2005/2006 ein deutsch-polnisches Kulturjahr geplant.
Dambrowski sprach von Branitz als einem „außergewöhnlichen Ort“ . Es sei wichtig, historische Erinnerung zurückzugewinnen. Dambrowski: „Von uns hängt es ab, wie Geschichte in die Gegenwart sprechen wird.“ Mit der Zerstörung dieser Idee sei man über viele Jahre konfrontiert gewesen.