Februar 1945 vollständig ausbrannte, Dach und Kirchturm einstürzten, lag Forst in Schutt und Asche. Aufwändige Sicherungsarbeiten am Kirchengebäude begannen 1951, bevor am 1. Advent des Jahres 1954 die festliche Wiedereinweihung des Gotteshauses erfolgen konnte.
Jedoch blieb die Kirche bis 1992 ohne Turm. Zuvor bemühte sich die Kirchengemeinde um Pfarrer Hans-Wilhelm Pietz intensiv um die Wiederherstellung der barocken Turmhaube und rief die Forster in Ost und West auf, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Die Landesregierung stellte einen Zuschuss von 200 000 DM zur Verfügung.
Bereits am 26. März stellten Peter Schuster, der als Konservator an der Projektierung beteiligt war, und Dr. Peter Thieme das Projekt für die neue Kirchturmspitze erstmals vor. Die mit der Projektierung und Bauausführung beauftragten Statiker, Architekten, Denkmalpfleger und Baufachleute brachten ihre Erfahrungen ein, die sie bereits bei den Turmrekonstruktionen der Cottbuser Oberkirche sowie der Kirche in Lübben sammeln konnten.
Der Baubeginn erfolgte am 7. Oktober 1991, den Zuschlag für den ersten Bauabschnitt erhielt die Forster Firma Rhiemeier. Zunächst musste die provisorische Turmabdeckung entfernt und dafür eine Betonplatte gegossen werden. Am 14. Oktober 1991 wurden 13 Kubikmeter Beton für die erste Zwischendecke in die Höhe gepumpt. Seitdem wuchs der achteckige Turmschaft auf eine Höhe von 6,60 Meter an und bekam noch zwei Zwischendecken.
Allein der Turmschaft mit seinen verschiedenen Öffnungen kostete 100 000 Mark. Pfarrer Pietz bedankte sich im Namen der evangelischen Kirchengemeinde beim Forster Heimatkreis für die Spendenaktion, die bis zum damaligen Zeitpunkt 18 000 DM eingebracht hatte.
Um mit den Putzarbeiten am Turm im Frühjahr 1992 zügig beginnen zu können, wurde dieser bis zum Jahresende noch eingerüstet. Der Winter ging ins Land, untätig war man an der Stadtkirche aber nicht. Die deckenstützenden Holzstempel wurden entfernt und der neue Teil des Turmes innen verputzt. Es begannen die Reparaturen am Gesims. In der Sakristei lagerte bereits die neue Turmuhr, die nach 47 Jahren wieder die Zeit anzeigen sollte. Am 2. Juli 1992 konnten die Forster in einer halbstündigen Aktion den Transport der Zifferblätter in die Höhe mit verfolgen. Fast gleichzeitig erfolgte die Verkleidung der Turmfassung mit Kupferblech. Im August montierten Mitarbeiter der Forster Metallbaufirma Kuhle das Geländer über der Kirchturmuhr.
Ende September wurde es unruhig zu ebener Erde. Rhiemeiers Bauleute bereiteten das Fundament für die Turmhaube vor. Eins zu eins, genau wie auf dem sechseinhalb Meter aufgemauerten Schaft wurde die Montageebene hergerichtet. In den folgenden Tagen begann die Lübbener Firma Heinrich und Hörning mit dem Aufbau der hölzernen Turmhaube. Ein zehn Meter langer Kaiserstiel aus Eichenholz und vier Säulen tragen die barocke Haube. Ein Jahr nach dem Baubeginn des Turmes begann für alle sichtbar eine neue Phase.
Gespannt und neugierig blickten die Forster auf die neue Haube des Kirchturmes, die im November eine vergoldete Kugel, eine Wetterfahne mit den Jahreszahlen 1752/1992, einen Stern und einen Hahn aufgesetzt bekam. Über den Hahn, der etwas gerupft aussah, gab es nicht nur fröhliche Mienen. Schließlich wurde darüber im Gemeindekirchenrat diskutiert und festgelegt, dass der Hahn wieder zu entfernen sei, weil er dem historischen Vorbild nicht gerecht werde. Wetterfahne und Stern drehten sich im Duo, ohne güldenes Symbol für Buße und Umkehr.
Es folgten Probehebungen, und am 1. Adventssonntag, es war der 29. November 1992, schwebte die 13 Tonnen schwere Kirchturmhaube auf ihren endgültigen Platz - allerdings wegen des aufkommenden Windes einige Stunden früher als geplant. Deshalb verpassten viele Forster Bürger dieses Ereignis.
Mit Glockengeläut und der Uraufführung des Werkes "Gloria in excelsis deo" für zwei Trompeten und Orgel im Beisein des Schöpfers Romualds Kalsons, begann der Festgottesdienst. Pfarrer Hans-Wilhelm Pietz, der sieben Jahre lang bis zum Sommer 1992 für die Forster Kirchengemeinde wirkte, kam aus Wittenberg zur festlichen Turmweihe, um in der überfüllten Kirche die Predigt zu halten. Anschließend spielte ein Bläserquintett vom neuen Turm. Dankes- und Grußworte gab es im Bürgerzentrum zu hören. Landrat Jürgen Meissner verwies auf die Arbeit der Forster Kirchengemeinde in den zurückliegenden Jahrzehnten, insbesondere auf den Wiederaufbau nach dem Krieg bis hin zur abschließenden Krönungsfeier. (gk)