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Im Einsatz gegen die Sucht

Die zwei Forster Suchtberaterinnen Liza Kölling (r.) und Susan Sänger mit Michael Leydecker, Abteilungsleiter Suchtberatung Cottbus und Spree-Neiße, in den neuen Beratungsräumen in der Kleinen Amtstraße.
Die zwei Forster Suchtberaterinnen Liza Kölling (r.) und Susan Sänger mit Michael Leydecker, Abteilungsleiter Suchtberatung Cottbus und Spree-Neiße, in den neuen Beratungsräumen in der Kleinen Amtstraße. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Hell, freundlich, zentral in der Innenstadt gelegen – so präsentieren sich die Räume der Suchtberatung des Tannenhofs Berlin-Brandenburg, die am Freitag offiziell eingeweiht werden. Bereits seit März beraten die beiden Sozialpädagoginnen Liza Kölling (25) und Susan Sänger (34) hier. Steffi Ludwig

Die ehemalige Beratungsstelle auf dem Gelände des Park 7 musste umziehen, als der Park-7-Verein Ende 2016 Insolvenz anmeldete.

"Damit haben wir jetzt den positiven Nebeneffekt, dass wir die Suchtberatung in die Innenstadt holen und damit zeigen, dass riskanter Konsum, Missbrauch und Sucht alltägliche Erscheinungsformen des gesellschaftlichen Lebens sind", sagt Michael Leydecker, Abteilungsleiter Suchtberatung Cottbus und Spree-Neiße. Regelmäßig ist auch er in Forst und leitet für die Kollegen die Supervision, in der sie über die Fälle ihrer Klienten sprechen können.

111 Fälle hat das Forster Team im Jahr 2016 bearbeitet. Darunter sind 84 regelmäßige Klienten aus Forst und dem Umland mit verschiedenen Süchten, aber auch rund 20 Kontakte, die nur aus einem Gespräch bestanden, sowie Gespräche mit Angehörigen. Insgesamt sind das rund 25 Fälle mehr als 2015. "Das liegt vor allem daran, dass wir nach einigen Personalwechseln seit Februar 2016 mit Liza Kölling eine stete Mitarbeiterin hier haben", so Leydecker. Die 25-Jährige, die in Cottbus Sozialarbeit studiert hat, habe das Thema Sucht "schon immer brennend interessiert". Einen Tag pro Woche wird sie von Susan Sänger aus dem Cottbuser Tannenhof-Team unterstützt. Die 1,25 Vollzeitstellen finanziert der Landkreis Spree-Neiße.

Ab August könnte es einen weiteren Stellenanteil speziell für die Abhängigen der Modedroge Crystal Meth geben. Denn der Tannenhof bewirbt sich für Landesmittel: Laut Leydecker werden 100 000 Euro für die Landkreise Spree-Neiße, Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz bereitgestellt. "Für die Abhängigen wollen wir eine Spätsprechstunde sowie Terminabsprachen auch per Whatsapp einrichten", kündigt Liza Kölling an. Denn die Crystal-Süchtigen hätten oft kein richtiges Zeitgefühl mehr.

Diese Szene hat in den vergangenen Jahren auch in Forst zugenommen: Von den 111 Beratungsfällen war bei zwölf die Hauptdroge Crystal festgestellt worden, bei weiteren fünf spielte Crystal eine Rolle, so Leydecker. Andere Süchte wie Ess- und Glücksspielsucht seien in Forst eher Randprobleme und würden an die Experten in Cottbus weitervermittelt.

Der Großteil der Abhängigen umfasse jedoch mit reichlich 30 Fällen noch immer die Alkoholsucht, gefolgt von Opiaten wie Heroin mit 16 Fällen und Cannabis mit neun Fällen. Rund drei Viertel der Abhängigen, die in Forst beraten wurden, waren männlich, die meisten im Alter von 28 bis 37 Jahren. Bis zu zwölf Abhängige pro Jahr werden in eine stationäre oder ambulante Therapie vermittelt. Gut klappe die Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Nix-Verein, dessen Streetworker beispielsweise Abhängige vermitteln, so Kölling.

Die neu von der Stadt Forst geschaffene Stelle eines Sachbearbeiters Drogen- und Suchtprävention/Gesundheitsförderung begrüßt das Tannenhof-Team. "Sie wird helfen, Dinge zu bündeln und Projekte anzuschieben", so Leydecker. Nach Auskunft der Stadt ist die Stelle seit 1. Juli besetzt, die Stelleninhaberin werde sich im Kulturausschuss am 4. September vorstellen.

Zum Thema:
Der Tannenhof Berlin-Brandenburg hat Beratungsstellen in Cottbus und Forst. In Guben berät der Immanuel Suchthilfeverbund und in Spremberg das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Alle Vertreter treffen sich mehrmals im Jahr zum Austausch - im vergangenen Jahr hat sich das Netzwerk Suchtberatung Spree-Neiße gebildet.Sprechzeiten in der Forster Suchtberatung in der Kleinen Amtstraße 2 sind jeweils dienstags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr. Weitere Termine nach Vereinbarung. Tel: 03562 693556