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| 01:03 Uhr

Im Archiv ist es eng und feucht

Forst.. Die Situation im Forster Stadtarchiv ist problematisch. Zum einen weitet sich der Bestand immer weiter aus und führt zu einem zunehmenden Platzmangel, andererseits sind die Räume im Rathaus teilweise sehr feucht und entsprechen nicht den Anforderungen eines modernen Archivs. Für vorübergehende Trockenlegungsmaßnahmen sind in diesem Jahr 25 000 Euro vorgesehen. Doch die Lösung aller Probleme sieht anders aus: Die Stadtverwaltung plant, Archiv, Museum und Bibliothek in einer ehemaligen Fabrikanlage zusammenzuführen (die RUNDSCHAU berichtete). Kosten soll das Ganze über zehn Millionen Euro. Von Bernd-Volker Brahms

„Bei Luftfeuchtigkeit von über 60 Prozent und Temperaturen von mehr als 20 Grad wird es kritisch für die Unterlagen“ , sagt Stadtarchivar Jan Klußmann. Auf Dauer wäre eine solche Unterbringung der Akten, die derzeit im Keller des Forster Rathauses lagern, nicht ideal. „Es findet keine fachgerechte Lagerung statt“ , sagt Hauptamtsleiter Sven Zuber.
„Jedes Jahr nehmen die Feuchtigkeitsschäden zu“ , teilte Klaus Selling vom Hochbauamt in der vergangenen Woche den Mitgliedern des Forster Finanz- und Wirtschaftsausschusses mit. Einige Mitglieder hatten sich über 25 000 Euro gewundert, die zur „Trockenlegung im Archiv“ in den Haushalt eingestellt worden waren.

In Ex-Schwimmhalle untergebracht
Das Archiv ist in einem Seitentrakt des Rathauses an der Promenade untergebracht, das im Jahre 1924 gebaut worden war. Die Kellerräume, in denen die Archivalien lagern, diente bis zur Wende 1989 unter anderem als Badeanstalt und Physiotherapie. Entsprechend ist der große Raum, in dem das Gros der etwa 570 laufenden Meter Akten lagert, ringsrum mit Kacheln versehen. Die Feuchtigkeitsschäden würden sich an den Wänden bemerkbar machen, so der Archivar. Die Temperaturen seien nur schwer zu beeinflussen. „Publikum können wir hier gar nicht reinlassen“ , sagt der 40-jährige Jan Klußmann, der vor zwei Jahren aus Kiel in die Rosenstadt kam und seitdem für die Bestände des Stadtarchivs zuständig ist. Zwei Mitarbeiter stehen ihm zur Seite.
Das Archiv wurde 1994 im Forster Rathaus eingerichtet. Ab 1995 wurden die Altakten - also die Bestände vor 1945 - vom Kreisarchiv zurückgeführt. Zu DDR-Zeiten habe es einen starken Hang zur Zentralisierung in diesem Bereich gegeben, sagt er. „Das Archiv ist oft umgezogen“ , sagt Jan Klußmann, der sich als Historiker intensiv mit Zwangsarbeitern im Nationalsozialismus beschäftigt und darüber promoviert hat. Derzeit belegt er berufsbegleitend einen Studiengang zum Diplom-Archivar an der Fachhochschule Potsdam.
„Die ältesten Bestände des Forster Stadtarchivs stammen aus dem 16. Jahrhundert“ , sagt Klußmann. Mit etwa 65 laufenden Metern sei jedoch der Altbestand relativ ausgedünnt. Nur knapp ein Neuntel des gesamten Archivbestandes stammt aus den Jahren vor 1945. 1748 habe es einen verherenden Stadtbrand gegeben. Zudem seien Bestände durch mehrere Hochwasser und weitere Brände vernichtet worden.
Trotzdem wächst der Bestand des Archivs zusehends. „Wir haben eine Lagerungsverpflichtung für Akten der Verwaltung“ , sagt Klußmann. Die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen bewegen sich dabei zwischen fünf und 30 Jahren. Insgesamt umfasst das Zwischenarchiv, wie es Klußmann nennt, etwa 400 laufende Meter Akten. „Jährlich kommen etwa 60 bis 70 laufende Meter hinzu“ , sagt der Fachmann. Es musste sogar schon ein zusätzlicher Raum provisorisch eingerichtet werden.

Findbücher noch anfertigen
Unlängst wurde das Archiv noch durch eine private Schenkung um die Sorauer Sammlung reicher. Aus Platzgründen mußten die Unterlagen erst einmal im Museum untergebracht werden. Es befänden sich einige sehr interessante Stücke, wie das Buch „Lausitzische Merckwürdigkeiten“ aus dem Jahre 1714 und einige schöne Kupferstiche darunter, sagt Klußmann.
Eine Zusammenlegung der Institutionen Museum, Bibliothek und Archiv - so wie es die Stadtverwaltung in einem Großprojekt plant - findet der Archivar sehr sinnvoll. Er habe bereits eine detailierte Analyse der derzeitigen Situation im Archiv erstellt.
Gerade bei der Erschließung des Archivmaterials auf Computern sei noch Einiges zu leisten, sagt Klußmann. Um zu einem benutzerfreundlichen Archiv zu kommen, müsse man zunächst einmal Findbücher erstellen.
Derzeit werde das Archiv von 25 bis 30 Leuten jährlich genutzt, die teilweise öfter kämen, um heimatkundliche und famliengeschichtliche Recherchen durchzuführen. Darüber hinaus gäbe es über 200 Anfragen aus Behörden, die Informationen zur Bearbeitung aktueller Vorgänge benötigten. Ferner gäbe es zahlreiche schriftliche Anfragen. Das Spektrum reiche dabei von ehemaligen NS-Zwangsarbeitern, die Arbeitsbelege für ihre Rentenkasse benötigten, bis hin zu Anfragen im Zusammenhang mit Rückübertragungen ehemaligen Eigentums.
Zu den Unterlagen, die sich nicht im Archiv befinden und zu denen es immer wieder Nachfragen gibt, gehören die der zahlreichen Volkseigenen Betriebe in Forst. „Die Betriebsakten sind alle ins Spezialarchiv nach Darmsdorf gekommen“ , sagt Klußmann.